Was waren das noch für Zeiten, damals, als musikalische Neuerscheinungen sich nicht nur grob in drei große Bereiche (Electro, Metal, Mittelalter) einsortieren ließen. In all dem schwarz gab es früher viel mehr Schattierungen; bis hin zu grau war irgendwie alles vertreten. Nun, die Feinabstufungen gibt es auch heute noch, allerdings muss man heute deutlich mehr danach graben, denn die Labels verlassen sich zu gerne darauf, was ganz sicher ein paar Euros in die Kasse spült und halten sich mit mutigen Experimenten zurück. Wer selbst keine Zeit und/oder Lust hat, sich auf die Suche zu machen, der kann sich getrost auf die Kollegen von afmusic/Danse Macabre verlassen, die mit (((S))) und dessen zweiten Werk “Phantom” wieder ein schnuckeliges Kleinod zu Tage gefördert haben, das nicht in die oben genannten drei Schubladen gehört.
Wer sich hinter (((S))) verbirgt, ist nicht so ganz klar. Bekannt sind lediglich folgende Fakten: aufgrund des ungewöhnlichen Bandnamens ist das Projekt (((S))) nicht über Google zu finden. Wer auch immer dahintersteckt, schätzt offensichtlich die Anonymität. Weiterhin wissen wir, dass es sich bei “Phantom” um das Zweitwerk dieses Acts handelt; das Debüt “Ghost” erschien in 2009 und wurde von Mick Mercer (quasi DER Ikone in Sachen Szene-Musikjournalismus) zum “persönlichen Album des Jahres” gemacht. Welch Ritterschlag für einen Neuling.
Aber noch eine weitere Sache ist im Bezug auf (((S))) festzuhalten: Für den Teil des Düstervolks da draußen, dem es tierisch auf die Nüsse geht, dass allen anderen (eigentlich ja “untraditionellen”) Strömungen in der Szene in der Veröffentlichungspolitik der Plattenfirmen dieser Tage deutlich größere Gewichtung eingeräumt wird als Wave, Batcave und ähnlichen “root”-igen Stilrichtungen, für den ist “Phantom” möglicherweise eine Offenbarung. Zumindest aber sicherlich eine höchst willkommene Abwechslung im ewigen Kreislauf aus lauter, böser, klischeebehafteter.
Wer hat denn eigentlich gesagt, dass Musik für die Schwarze Szene immer nur mit aufgesetztem Schwermut daherkommen sollte? Jajaja, ich weiß – Szenemenschen bewegen sich in ihr, weil sie eben nicht immer nur gut gelaunt durch die Gegend rennen, weil sie die Individualität und Andersartigkeit schätzen und sich vom anderen Subkulturen abgrenzen wollen. Außerdem könnten Besserwisser jetzt irgendwas von “Todesromantik” und was weiß ich noch erwidern. Gegenfrage: Warum treffen sich die Szene-Menschen dann auf etlichen, über’s Jahr verteilten Festivals und sind dort alles andere als schwermütig? Warum gibt es Clubs, in denen getanzt und gesungen wird? Warum sind so viele ach so individuelle Szene-Gänger so gleich? Siehste. Die Ausgangsfrage bleibt also: wer hat’s beschlossen? Wann? Und muss es wirklich so sein? Gibt ja Teile auf dieser Welt, wo Verstorbene mit fröhlicher Musik verabschiedet werden, ohne dabei den Verlust herabzuwürdigen. Genauso kann man andere, ebenso nicht fröhliche Themen doch inhaltlich ernsthaft verarbeiten, musikalisch aber leichtfüßig und unterhaltsam verpacken, oder nicht? Und sei es nur, um endlich mal wieder einen Kontrast zu schaffen. Einen Ausbruch, quasi eine gelebte Demonstration von Andersartigkeit in einem Pool von Andersartigen.
Diesen Kontrast, diesen Ausreisser, schafft der Däne (((S))) auf “Phantom” mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit. Poppige, fast schön fröhliche (Wave-)Gitarrenmusik, die spätestens beim zweiten Hördurchgang mitgesungen werden kann. Beim Hören von “Phantom” kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, (((S))) sei entweder ein abtrünniges New Order Mitglied oder wenigstens ein eifriger Schüler dieser Formation gewesen. Ob nun beim Eröffnungsstück “A Crying Shame”, “Lonely Is The Lighthouse” oder dem finalen “Hole In My Heart” – mit diesem Ausflug in Richtung Wave schließt (((S))) die Lücke, die zum Beispiel durch das Ende von The Nouve entstanden ist. Und reiht sich nebenbei noch irgendwie ziemlich selbstbewusst zwischen New Order und The Cure ein. Aber: (((S))) kann es sich auch erlauben, denn wer “Phantom” hört wird feststellen, hier ist jemand am Werk, der weiß was er tut. Schwermut jedenfalls sucht man hier vergebens. Und das ist auch gut so.
Na bidde, geht doch! Unser Motto bei Mad-Goth ist ja (nicht nur auf Festivals): it’s all about gudde Laune! Ein Leitmotiv, dass sich auch ganz problemlos auf “Phantom” anwenden lässt und schon allein deshalb Extrapunkte in der B-Note kassiert. Die restlichen Wertungspunkte nimmt (((S))) dafür mit, dass er sich der Übermacht von EBM, Hellectro, Mittelalter, Folk und Metal entgegenstellt und zeigt, dass wir uns nicht mit dem albernen Einerlei zufrieden geben müssen. Die Alternativen sind da und (((S))) ist eine davon. Übrigens: im Pressetext heisst es: “„Phantom“ ist ein Wave-Album erster Güte, das gleichzeitig purer Pop ist und einfach nur Spaß macht.” Dem kann ich an dieser Stelle nur noch beipflichten.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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