„Die Totgeweihten grüssen Dich” ist die sarkastische Kernbotschaft der Musik von FANOE. Die Band thematisiert teilweise ironisch und überzeichnend die Ängste, Triebe und Abgründe der Menschen und freut sich über die teilweise schockierten Reaktionen der „Unschuldigen“. Dabei ist FANOE der Meinung, dass das Leben oft viel zu ernst genommen wird wenn man bedenkt, dass wir alle nicht lebend dabei raus kommen. Diese Maxime fällt einem ins Auge, wenn man nach Artikeln von Fanoe fahndet. Neugierig bin ich allemal, ob das nur großspurige Windmacherei ist oder ob die Band genug Substanz hinter den markigen Sprüchen hat.
Obwohl ich mir gerade eine Dose Ravioli aufmache, habe ich plötzlich einen ekligen Fischgeruch in der Nase. Die Art von Stinkefisch-Aroma wie wenn man sich Sushi unter die Achseln klemmt und drei Stunden durch tanzt. Richtig lecker! Ausgelöst wurde diese äußerst lebhafte Vorstellung vom Cover des neuen Fanoe Albums Full Speed Ahead. Darauf nämlich räkelt sich eine nackte, gründlich rasierte Dame mit langen Haaren (haha) und einem Pärchen toter Oktopusse. Die armen Viecher können froh sein, dass sie es hinter sich haben, denn schön ist das nicht, selbst wenn man über Geschmack wie über Kunst immer streiten kann. Der erste Eindruck für die B-Note ist demnach schon gelaufen, hoffentlich kann die Kapelle noch in der wichtigsten Kategorie Musik ordentlich punkten.
Fanoe können andererseits mit Recht auf eine beachtliche Entwicklung zurückblicken, immerhin haben sie bereits als ganz junge Band die Einheizer für die Altgötter Sisters Of Mercy gegeben. Die Zeit, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen ist freilich vorbei, mit Full Speed Ahead werden sich Fanoe erneut beweisen müssen. Übrigens täuscht man sich, wenn man glaubt, eine Gothic Metal Band vor sich zu haben, allem optischen Anschein zum Trotz. Man achte auf die Devil-Locke! Ein Blick auf die Mannschaftsaufstellung im Booklet verrät dem geschulten Auge: aha, eine Deathrock Kapelle also! Die Frisur eines der Gitarreros ist hier wichtiges Indiz. Nebenbei registriere ich, dass es sich beim Booklet schon fast um die Gelben Seiten handeln könnte, so dick ist es. Da bin ich ja mal gespannt, ob aus der Schweiz wirklich nur Käse kommt oder ob Fanoe (benannt nach Obermufti Klaus Fanoe und nicht nach der Insel) ernstzunehmende Trash-Barden sind.
Die Overture habe ich bei Beethoven schon mal besser gehört, andererseits ist eine klassisch orientierte Overture immer eine vollmundige Versprechung, die das Album dann oft nicht halten kann. Mit Only You geht es ordentlich laut in die Offensive. Es schrammelt und scheppert zu einem monotonen, verzerrten Gesang und klingt eigentlich ganz brauchbar und typisch für Punkrock/Deathrock. Ein paar Elektro-Einflüsse sind deutlich hörbar, auch Punk und hektische Metall-Riffs sind allgegenwärtig. NarcoticFanoe auf Marilyn Manson und NIN zu berufen und spätestens beim Track All For Nothing höre ich das dann selber auch, obwohl ich beim Gitarrenspiel vom Titeltrack Full Speed Ahead irgendwie noch an New Orders Crystal denken musste. Einzeln genommen ist beinahe jedes Lied für sich wirklich hörbar. Das Beatles-Cover von Come TogetherFalling, der anschließende Track, gefällt mir fast noch mehr und ist zunächst wieder ein eindeutiger Alternative-Rocksong mit unverzerrtem Gesang. Insgesamt bilde ich mir ein, hier und da Anleihen an die Stooges zu hören oder sogar ein klein wenig Jesus On Extasy im Gesang, vielleicht werde ich aber auch allmählich verrückt bei dieser Flut von Einflüssen. Im verlauf des Albums macht die Musik einen grundsätzlichen Wandel, angefangen mit Trash und Deathrock bis hin zum Elekrto-Rock und MM ist alles drin. Was mich tatsächlich angenehm überrascht. Abgesehen von dem etwas holprig produzierten Klang ist Full Speed Ahead ein solide durchschnittliches Album. Nichts, was einen aus dem Häuschen bringt, aber reich an Abwechslung. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass eine Fangemeinde es schwer haben könnte, sich auf einen Musikstil einzuschießen. Da muss man schon offen für alles sein. Aber das Leben ist bekanntlich wie eine Pralinenschachtel – es sind immer welche drin, die man nicht so mag. hat einen irren Refrain, bei dem meine Gehirnzellen nach zwei Durchgängen Autoscooter spielen und obwohl die ersten paar Songs nicht direkt gleich klingen, rauschen sie an meinem Ohr vorbei, ohne dass mir viel im Trichter hängen bliebe, doch meine Befürchtung, dass das auch bis zum Schluss so bleiben würde, bestätigt sich zum Glück nicht. Aus irgendwelchen Gründen scheinen sich sticht mit Abstand heraus. Die Version gefällt mir ganz gut und ist deutlich elektronischer als der bisherige Rest, was sich, für meine Ohren erfreulicherweise, später auch fortsetzt.
Fazit: Weder alter Fisch noch Handkäs’ mit Musik, aber dafür ein unglaublich genreübergreifendes Album mit harten Riffs und Synthies. Prima für Leute, die Abwechslung mögen. Ich gebe Fanoes neustem Kind eine gute durchschnittliche Note.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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