Zum inzwischen dritten Mal wurde am Wochenende des 12. und 13. Junis zu Musik und Tanz auf Schalke geladen, denn das BLACKFIELD FESTIVAL 2010 öffnete abermals seine Pforten für das feierwütige Schwarzvolk. Aufgrund der überaus positiven Erfahrungen der letzten beiden Jahre stand für uns recht schnell fest, dass wir auch in diesem Jahr wieder dem Geschehen am Rhein-Herne-Kanal einen Besuch abstatten würden. Auch wenn es in diesem Jahr unsererseits einige Änderungen im Betriebsablauf gab. Dazu aber gleich mehr. Jetzt aber erst mal viel Spaß mit unserem Blackfield 2010 Bericht!
Auf dem Blackfield ankommen ist inzwischen ein bischen wie nach Hause kommen. Auf dem übersichtlichen Gelände findet man sich schnell zurecht, man sieht viele bekannte Gesichter aus den vergangen Jahren wieder (inklusive dem coolen Sicherheitspersonal von 2009) und alle Menschen, die auf dem Festival in irgendeiner Funktion jenseits der Feierei herumwuseln, sind durch die Bank weg gut drauf und sehr entspannt. Da wir uns in den letzten beiden Jahren schon ausführlich über die Location ausgelassen haben (nachzulesen hier und hier), schenken wir uns das diesmal an dieser Stelle. Die erste Abweichung unsererseits zu den Vorjahren bestand darin, dass wir diesmal mit einer sehr viel kleineren Truppe auf dem Blackfield aufschlugen. 2010 waren Kayila, Neo und JB vor Ort, um für Euch die Stimmung einzufangen – und natürlich auch stellvertretend für Euch zu feiern und die Bierpopulation zu dezimieren. Die nächste Kursabweichung war, dass wir es in diesem Jahr aus beruflich bedingtem Zeitmangel leider erst am Samstagvormittag nach Gelsenkirchen geschafft haben. Die Warm-Up Party am Freitagabend, bei der unter anderem Frozen Plasma aufspielten, fand daher ohne uns statt. Kein Quatsch – um 5 Uhr aufstehen, stundenlang über die Autobahn zu heizen und dann bis Abends zu feiern geht irgendwie inzwischen doch schon an die Substanz. Man ist halt nicht mehr 22, wa? ![]()
Na wie auch immer: kaum dass die vier lustigen Drei das wohlvertraute Gelände erreicht haben, führte uns unser Weg zunächst mal zum VIP-Eingang, Bändchen abholen. Erstes Lob an die Veranstalter, das hat alles wunderbar geklappt, keine fünf Minuten später waren wir mit entsprechenden Bändchen ausgestattet und der Spaß konnte beginnen. Vielen Dank noch mal für die “Einladung” an dieser Stelle. :) Unser nächster Halt war der Eingang zum Campinggelände. Nicht dass wir in diesem Jahr gezeltet hätten (Achtung, Abweichung die 3.), aber wir wollten zunächst einmal Uwe und Sandra, die beiden sympathischen Zeltplatz-Securitys aus dem letzten Jahr begrüßen, die auch in diesem Jahr wieder tapfer Wache geschoben haben. Was es doch für Wohlfühlzugewinn ist, wenn man selbst das Sicherheitspersonal mit Handschlag begrüßen kann. Nach einem kurzen Smalltalk ging es für uns anschließend weiter zu einer “Tankstelle”, das erste isotonische Sportgetränk Pilsener Brauart wollte schließlich zur Feier des Tages geschnackelt werden. Gesagt, getan, getrunken. So gestärkt fühlten wir uns bereit, direkt zur Bühne zu wandern. Und auch im dritten Jahr in Folge hat die schnuckelige Kulisse des Amphi-Theaters in Gelsenkirchen nichts von seiner Erhabenheit verloren. Es ist immer wieder ein cooler Moment, das erste Mal beim Blackfield die ersten Stufen der Tribüne hinunterzugehen und den Blick über die schicke Location schweifen zu lassen. Allein schon in diesem Punkt ist das Blackfield vielen anderen Mitbewerbern um eine Nasenlänge in Führung. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, wurde es Zeit, der ersten Band des Tages beizuwohnen:
Samstag, 12.06.2010
SCREAM SILENCE:
Die Berliner Goth-Rocker Scream Silence hatten wir vor noch gar nicht so langer Zeit in unserer Wohnzimmerverlängerung, der Meier Music Hall in Braunschweig, gesehen. Und bereits da hatten die Jungs einen guten Eindruck hinterlassen. Es scheint eine Art Gesetzmäßigkeit zu sein, dass das Blackfield am Samstag zunächst mal mit Regenschauern eingeleitet wird. So auch in diesem Jahr, wo sich der Niederschlag aber erfreulicherweise noch in Grenzen hielt. Dennoch, das Wetter und die frühe Spielzeit werden wohl die ausschlaggebenden Gründe dafür gewesen sein, dass die Publikumsmenge bei Scream Silence mit “überschaubar” noch sehr wohlwollend umschrieben ist. Davon ließen sich die Herren aber nicht beeindrucken, sondern rockten los, als wären sie nicht der Eröffnungsact, sondern irgendwann später positioniert, wo das Festivalvolk naturgemäß zahlreicher und aktiver ist. Mit anderen Worten: die etwas undankbare Aufgabe des ersten Acts eines Festivals zu sein, meisterte Truppe ziemlich souverän – und hinterließ bei uns abermals einen postiven Eindruck. Die Zeit nach dem Konzert nutzten wir für Getränkebe- und entsorgung und irgendwann musste ja auch mal feste Nahrung zu sich genommen werden.
JESUS ON EXSTASY:
Die Essener Truppe um ihre Frontfigur Dorian Devereaux hatte ebenfalls mit der frühen Uhrzeit und dem immer noch albernen Wetter zu kämpfen. Und genau wie ihre Vorgänger auf der Bühne ließen sich JOE davon herzlich wenig beeindrucken. Sie fegten von Anfang wie Wirbelwinde über die Bühne und versuchten die Hitze, die dem Wetter fehlte, durch Energie auf der Bühne auszugleichen. Schade nur, dass das Repertoire an spielbaren Stücken bei der Truppe mit nur 2 bisher veröffentlichten Alben noch sehr überschaubar ist. Hier sollte man dringend nachlegen, sonst stellt sich nämlich der Effekt ein, den wir auch bei uns ein Stück weit beobachtet haben: dezente Langeweile. Aktuell ist es so: einmal JOE live gesehen reicht eigentlich hin. Es sei denn, es kommt noch Personenkult mit ins Spiel, dann ist die Halbwertszeit sicher höher. Aber dennoch: ein paar neue Stücke beim nächsten Mal, dann zeigt der Daumen auch wieder weiter nach oben.
AESTHETIC PERFECTION:
Pünktlich zum Auftritt von Aesthetic Perfection kamen die ersten Sonnenstrahlen hinter den Regenwolken hervor. Quasi genau im richten Augenblick, um der inzwischen angewachsenen Besucherschar zu der schweißtreibenden Performance auf der Bühne zusätzlich einzuheizen. Das Projekt um Fronter Daniel Graves sorgte dann auch für Bewegung vor der Bühne und auf den Rängen. Auch die ersten Ausdruckstänzer, die sich wie überall schön in Formation positionierten, waren zu beobachten. Wir fragen uns immer noch ehrlich beeindruckt, wie viel Zeit die Damen und Herren der (vornehmlich) Cyber-Fraktion wohl damit verbringen mögen, ihre Tänze zu studieren? Aesthetic Perfections Gig jedenfalls war ein routiniert gespieltes Konzert der Marke “Schalldruck ist Macht” ohne nennenswerte Highlights. Aber darum ging es hier wohl auch nicht, bei AP ist prinzipiell eher Körperertüchtigung angesagt.
GIRLS UNDER GLASS:
Etwas verwundert waren wir schon, dass die Girls Under Glass auf dem Blackfield auftreten würden. Das letzte Album, “Zyklus”, liegt zeitgleich mit dem zwanzigjährigen Bestehen der Band bereits 4 Jahre zurück und seitdem war es doch recht still um die auf Festivals eh nicht übermäßig präsente Band. Daher war bei uns natürlich die Spannung groß, ob es denn aus gegebenem Anlass eventuell auch mal wieder etwas Neues zu hören gibt als die altbekannten Stücke. So viel sei an dieser Stelle gesagt: jupp, es wurde mindestens ein neuer Song gespielt, aber: der Name des besagten Stücks ist uns allen erfolgreich entfallen. Zumal uns das GUG-Konzert auch bischen genervt hat. Nicht etwa wegen der gebotenen Perfomance, die war geschmeidig und routiniert wie nahezu jedes andere Konzert auf diesem Festival auch. Viel mehr war es der Sound, der uns auf die Ketten ging. Ausgerechnet bei Girls Under Glass erlaubte sich das Blackfield soundtechnisch die einzigen Patzer. Zunächst war das Mikrofon des Sängers Volker Zacharias entweder zu leise oder gleich ganz abgeschaltet, denn von dem, was der gute Mann da ins Mikrofon trällerte, war nix zu hören. Gut, das wurde sehr schnell behoben, aber der Sound blieb trotzdem fragwürdig. Definitiv zu laut, definitiv übersteuert und ohne Gehörschutz zumindest für uns unerträglich, so dass wir dem Rest des Konzerts von den obersten Rängen beiwohnten. Unterm Strich hat uns das hier Gebotene nicht so ganz überzeugt, der abschließenden Krönung durch “Du bist das Licht” hin oder her. Das haben wir schon mal besser gesehen, Stichwort: M’era Luna 2006. Nächstes Mal dann aber wieder, gelle? Und dann auch gerne mit noch mehr neuen Songs im Gepäck. :)
ZEROMANCER:
Das Kontrastprogramm wurde direkt aus Norwegen nachgereicht: ZEROMANCER spielten auf! Zuletzt gesehen 2009, ebenfalls im Wohnzimmer, war uns von vornherein klar, was geboten werden würde: eine energie- und temporeiche Performance, dazu Rampensau Alex, der sich auch diesmal wieder zur Hälfte entblößen würde, sehr zur Freude diverser weiblicher Zuschauer. So kam es dann auch, daher bot der Gig für uns keinerlei Überraschungen. Es hatte uns nur leicht verwundert, dass der Schwerpunkt der Setlist irgendwie auf dem letztjährigen Album “Sinners International” gelegen zu haben schien – und das, wo die Truppe aus dem hohen Norden mit “The Death Of Romance” seit März ein neues Album am Start hat. Na, wird schon seine Gründe gehabt haben. Evergreens wie der Überfliegersong “Clone Your Lover” fehlten ebenso wenig wie die Depeche Mode Coverversion “Photographic Picture”. Randnotiz: wie Sänger Alex mitteilte, hat wohl nicht viel gefehlt und das Konzert hätte abgesagt werden müssen, da Bassist und Songwriter Kim am Vorabend des Festivals erkrankt ist. Dafür hat er tapfer seinen Mann gestanden und eine großartige Performance hingelegt. Respekt! Zeromancer? Gerne wieder.
DIORAMA:
Die Herren Torben Wendt, Felix Marc, Sash Fiddler und Markus Halter, hier unterwegs als Diorama, gehören inzwischen zu unseren “müssen wir unbedingt gucken” Bands, wenn sie auf Festivals aufspielen. Will sagen: wenn Diorama auf dem Plan stehen, sind wir auch irgendwie mitten unter den vielen anderen Diorama-Lemmingen, welche die Live-Darbietung der oftmals ziemlich grandiosen Songs der Band sehr zu schätzen gelernt hat. Zu einem Diorama Konzert gehört irgendwie immer auch die Grimassenperformance von Torben, der sich diesmal wieder von seiner entzückendsten Seite zeigte und so wirkte, als wäre er schlecht gelaunt. Oder wenigstens woanders. Die Flasche Wein, die von ihm zumindest in Teilen während der Show geleert wurde, mag daran nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Aber so kennt man ihn, den Torben auf der Bühne. An seinen Leistungen als Sänger und Performer (und auch Klavierspieler, wie er hier bewiesen hat), gibt es aber dennoch nix zu meckern. Den Kontrast dazu bildete einmal mehr Felix Marc, der irgendwie immer so fröhlich wirkt, dass es hinter ihm immer auch ein bischen heller zu sein scheint. Das Quartett konzentrierte sich in ihrer Setlist aus gegebenem Anlass natürlich auf Stücke aus ihrem aktuellen Kracheralbum “Cubed”. Und sorgte einmal mehr dafür, dass wir uns schon jetzt auf das nächste Diorama Konzert freuen.
VIVE LA FETE:
Zu den Belgiern von Vive La Fête sind wir zunächst einmal schön zu spät gekommen. Immerhin mussten zwischendurch ja auch noch diverse CDs gekauft werden, Bier getrunken und was essen muss man ja schließlich auch irgendwann mal. Nachdem wir also etliche schwer verdiente Taler in die hiesige Wirtschaft investiert hatten, machten wir uns auf den Weg, um dem irgendwie schrägsten Konzert des Festivals beizuwohnen. Schräg, weil die Mischung aus Electroclash und Electropop zum einen nicht jedermanns Sache ist, zum anderen weil Frontfrau Els Pynoo durch ihr albernes, ziemlich auslagenbetontes Outfit und ihr wildes Herumgehampel vor allem den anwesenden Herren der Schöpfung sämtliches, kopflastiges Denken abnehmen zu wollen schien. Sie wirkte etwas wie Daryl Hannah in Blade Runner, nur eben mit mehr Hup-Raum. :D Spaßig wurde es dann aber noch mal, als die Dame dann zusätzlich noch mit einer Ukulele bewaffnet über die Bühne rockte. Wie gesagt, ziemlich schräg das Ganze. Für uns war das allerdings zugegebenen nicht eben das Gelbe vom Ei, so dass wir noch einmal den Füllstand im Bierbecher noch oben korrigierten und ansonsten schon mal freudig auf die Deathstars warteten.
DEATHSTARS:
Mit den Deathstars wurde es dann wieder ein bisschen härter auf dem Blackfield, nachdem vorher eher die alternativ-poppigeren Bereiche der Szene abgedeckt worden sind. Die Ränge füllten sich wieder mehr, ebenso die Fläche direkt vor der Bühne. Die Freude zum Auftritt von den Deathstars war durchaus geteilt bei uns, gespannt waren aber dennoch alle. Angefangen mit dem knalligen „Night Electric Night“ vom gleichnamigen aktuellen Album waren sofort alle wieder wach und das headbangen setzte ein. Die Jungs in Uniformen hatten das Publikum durchaus direkt im Griff, auch wenn die Kommunikation mit dem Publikum mal mehr hätte sein können. ;-). Währendessen fiel uns dann auch auf, dass der Bierfluss überproportional zugenommen hatte, je länger der Tag fortschritt.:-D Es folgten weitere Lieder vom aktuellen Album (Death dies hard, Blood Stains Blondes) und ein insgesamt routinierter Auftritt der Schweden. Leider war die Zeit wieder einmal viel zu kurz und schnell vorbei. Einziger Vorteil daran war lediglich, dass das nächste Highlight in den Startlöchern stand und mit großen Schritten näher kam.
COVENANT:
Ich denke, über Covenant muss nicht mehr so viel gesagt werden. Wer das (dank Ergänzung durch Destroids Daniel Myer) Trio einmal live gesehen hat, kann folgende Dinge als gesichert betrachten:
1. Covenant haben stets gute Laune und sind immer höchst erfreut über ihr (auch auf dem Blackfield zahlreich versammeltes) Publikum und
2. wenn Covenant aufspielen, bebt die Bude und der Papst boxt quasi im Kettenhemd! Ob nun “Der Leiermann”, “Call The Ships To Port” oder die schicke Ballade “Invisible & Silent” – Covenant spielten in der kurzen Zeit nahezu alles aus der jüngeren Bandvergangenheit, was Party garantiert. Gelegentlich aufgewertet durch den Live-Einsatz Daniel Myers an den Drums. Auch zwei neue Songs vom kommenden Album “Modern Ruin” wurden vorgestellt und auf Live-Tauglichkeit getestet. So weit wir das von unserem Standpunkt aus beurteilen konnten, haben die Songs (deren Namen wir ebenfalls im Anschluss schon wieder erfolgreich vergessen hatten :D), ihre Feuertaufe bestanden. Kurz und gut: stimmungstechnisch war Covenant definitiv eines der Highlights auf diesem Festival, aber irgendwie war das auch nicht anders zu erwarten. From the bottom of our hearts.. from Germany… thank you!
Randnotiz: Wie man weiß, ist Sänger Eskil das genaue Gegenteil von Publikumsscheu. So konnten man ihn immer wieder auf dem Festivalgelände beobachten, wie auch er sich aktiv um die Getränkeentsorgung kümmerte. Niemals müde, sich mit Fans zu unterhalten oder fotografieren zu lassen oder Autogramme zu schreiben. Auch bei dem ein oder anderen Konzert saß Eskil mitten im Publikum, was ihn nur noch sympathischer erscheinen lässt.
FRONT 242:
Der Headliner des Samstags waren die EBM-Legenden von Front 242. Nach ihrem Auftritt auf dem M’era Luna 2008, das selbst bei Hardcore-Fans Reaktionen von Stirnrunzeln bis Kopfschütteln hervor rief, waren wir nicht gerade übermäßig euphorisch, was die Erwartungshaltung gegenüber diesem Konzert anging. Aber das ist das schöne beim Blackfield: selbst wenn man sich nicht sonderlich für eine Band und/oder ein Konzert interessiert, kann man sich das in aller Ruhe auf der Tribühne sitzend zu Gemüte führen und sich eventuell doch noch mal postitiv überraschen lassen. Da es nur eine Bühne gibt, verpasst man also nichts. So auch bei uns. Was wir gesehehn haben, hat uns diesmal schon wieder deutlich besser gefallen. Die nicht mehr ganz so taufrischen Herren auf der Bühne fegten wie Derwische über selbige und verzichteten diesmal wohl eher auf Experimente – ganz im Gegensatz zu dem erwähnten Auftritt vor zwei Jahren. Hübsche Show, angefüllt mit jeder Menge Klassikern aus der langen Bandgeschichte. Aber mal unter uns: der eigentliche Headliner dieses Tages waren Covenant. Front 242 Fans mögen das eventuell anders sehen. Schauen wir mal, wie uns der nächste Auftritt der Herren zusagt. Oh und mal etwas neues Material wäre auch schön.
Randnotiz: Das eigentliche Highlight hier hatte nichts mit dem Front 242 Konzert ansich zu tun sondern mit dem spontanen “meet & greet” mit Lichtgestalt Julia Beyer (Chandeen). Einen lieben Gruß an Dich an dieser Stelle und das mit der Mannschaftsaufstellung üben wir auf dem Amphi noch mal, gelle? ;)
Nach Front 242 war für uns der Tag erledigt und wir traten unsere Heimreise zu unserer Schlafstätte im Hause Neo an. Zelten? Nein Mann, wir sind zu alt für diesen Scheiss. ![]()
Sonntag, 13.6.2010:
Der Sonntag fing für uns ganz entspannt mit Ausschlafen, einer ausgiebigen Dusche und gemütlichen Frühstück an. Wir hatten eigentlich vor, pünktlich zu XP8 wieder auf dem Gelände zu sein, aber… irgendwie hat das nicht so ganz geklappt. :D Zumal nach ausgiebigem Shopping an den diversen CD-Ständen auf dem Festivalgelände eh zunächst die Geldbörse wieder aufgestockt werden musste – was eine kleine Spritztour durch Gelsenkirchens Innenstadt zur nächsten, kompatiblen Bank bedeutete. Aber immerhin: der Wettergott hatte das Blackfield inzwischen liebgewonnen, so dass uns warme Temperaturen und gleißender Sonnenschein empfingen, als wir es dann endlich auf das Gelände geschafft hatten. Same procedere as every year, James. 2009 war es nämlich ähnlich und auch 2008, wenn mich meine Erinnerung gerade nicht trügt.
Auf dem Gelände angekommen genehmigten wir uns zunächst ein gemütliches Bierfrühstück, ehe wir uns wieder vor die Bühne bewegten.
TRAUMTÄNZER:
Der erste Auftritt, dem wir an diesem Tag beiwohnten, war der von Traumtänzer, die als Ersatz für Sava eingesprungen waren. Rein namenstechnisch weckt die erst seit 2008 bestehende Band Assoziationen an Diary Of Dreams, musikalisch musste ich dabei aber eher an Unheilig denken. Ein Twitter-Kollege, der ebenfalls vom Ort des Geschehens berichtete, hörte da auch eine Prise Blutengel und Saltatio Mortis heraus. Das mag an den untergemengten Elektrobeats und dem Live-Einsatz eines Streichinstruments gelegen haben. Die Band selbst umschreibt ihre Musik bei Myspace hingegen wie folgt: “Traumtänzer sind dabei ausdrucksstark und eingängig wie L’Âme Immortelle, haben den Tiefgang und den Wiedererkennungswert von ASP und den Druck und die Tanzbarkeit von Oomph! und Eisbrecher.” Aha. Die Show selbst war höchst unspektakulär, aber nicht unsympathisch. Den Traumtänzern wird wohl bewusst gewesen sein, dass sie hier den undankbaren Job eines lückenfüllenden Nobodys innehatten. Dafür aber schlugen sich die Damen und Herren sehr tapfer. Fans und Freunde hier erwähnter Bands sollte dem Quartett bei nächster sich bietender Gelegenheit eventuell auch mal einen Besuch abstatten. Genüg Eigenständigkeit besitzen sie, genauso wie eine angenehme Bühnenpräsenz.
TYSKE LUDDER:
Am frühen Nachmittag war das Publikum auf dem Blackfield noch ziemlich… öhm… bewegungsresistent. Das mag an der Feierei vom Vortag gelegen haben, an dem spontanen Hitzeausbruch über Gelsenkirchen oder schlicht daran, dass noch nicht so richtig viel passiert ist, was den Bewegungsapparat gefordert hätte. Es wurde also Zeit, den Schlaf aus den Augen zu ballern. Und wer wäre da besser für geeignet als Electro/EBM Truppe Tyske Ludder? Eben. Einmal mehr kam deren Frontmann Claus Albers mit einer “V wie Vendetta” Maske auf die Bühne, auch insgesamt präsentierte sich das Trio in ihren Militär- bzw. Special Forces Outfit ziemlich martialisch. Aber es dürfte eh jedem klar sein, dass Tyske Ludder nicht zum Kuscheln taugt. Oder zum gemütlichen Picknick auf den Rängen, wie Fronter Claus lakonisch anmerkte. Und siehe da, mit Tyske Ludder kam auch die Bewegung zurück aufs Blackfield. Sicherlich eine gute Show, nicht zu knapp bestückt mit Songs vom aktuellen Album “Anonymus” in der Setlist und immer getreu des Mottos: Ich komm’ vom Pott, ich will Maschinen!
Randnotiz: Nicht nur die Musik von Tyske Ludder waren auf Krawall gebürstet, auch die zwischen den Songs getätigten Ansagen waren nicht ohne. Trotz aller Bemühungen seitens Tyske Ludder – so ganz wach waren wir scheinbar doch noch nicht, so dass wir uns zwecks Flüssigernährung wieder zu einer der zahlreichen Schankstuben verzogen.
S.P.O.C.K
Definitiv eine Band, die wir bis dato irgendwie so rein gar nicht auf dem Schirm hatten. Im Nachhinein stellt sich die Frage: warum eigentlich? Die schwedische Synthie-Pop Band, immerhin auch schon seit 1988 im Geschäft, war definitiv DER Sympathiegewinner des diesjährigen Festivals! So viel gudde Laune, so viel Spielfreude und so viel wunderbares Herumgealber auf der Bühne neben der guten Performance haben wir lange nicht gesehen. Zwischen Songs wie “Never Trust A Klingon” oder “E-Lectric”gab Alexander Hofman eine witzige Einlage nach der anderen zum besten. Dazu gehörten zum Beispiel mindestens 3 Beck’s während der kurzen Spielzeit zu leeren und zwischen drin “Bier, Bier, Bier ist die Seele vom Klavier” anzustimmen, mit einer großen Wasserpistole das Publikum vollzuspritzen und hinterher zu erklären, das wäre Alkohol gewesen oder abschließend die Hände zum vulkanischen Gruß zu heben und der Meute zu sagen, sie kenne das ja von Sat.1 oder Kabel. Die Besucher waren sich hinterher einig: diese höchst unterhaltsame Show war klar eines der Highlights dieses Festivals, daher auch unsere dringende Empfehlung, sich S.P.O.C.K bei sich bietender Gelegenheit einmal live anzugucken – egal ob deren Hauptschaffensphase vor Eurer Zeit war oder nicht. Ganz, ganz großes Tennis hier! ![]()
SONO:
Tja, zum Konzert von Sono kam es leider nicht. Diesmal aber nicht, weil wir wieder mal nicht mit dem Hintern hochgekommen wären, sondern weil die Herrschaften bei Berlin in eine Totalsperrung der Autobahn hineingeraten sind. Somit war es ihnen also unmöglich, rechtzeitig in Gelsenkirchen aufzuschlagen. Wer nun mokiert, dass man ja auch am Abend vorher hätte anreisen können – eben nicht! Am Abend vorher waren Sono nämlich noch konzerttechnisch in Berlin unterwegs. Aber immerhin, das Konzert wird dann auf dem Blackfield Festival 2011 nachgeholt, bis dahin dürften Sono auch aus dem Berliner Dunstkreis herausgekommen sein. ;) Was bei uns nur etwas auf Unverständnis stieß: warum wurde dann eigentlich nicht die Spielzeit von S.P.O.C.K verlängert? Noch dazu wo sich doch Sänger Alexander immer wieder die knappe Spielzeit kommentierte? Dem Publikum wäre damit sicher mehr gedient gewesen, als einfach den Spielplan um eine Position aufzurücken…
SALTATIO MORTIS:
Wir geben zu: wir drei MG’ler, die wir auf dem Blackfield herumgewuselt sind, können uns allesamt nur mittelprächtig für das ganze Mittelalterrockgedöhns begeistern. So ist das eben mit den Geschmäckern. Allerdings: selbst der widerstandsfähigsten Mittelaltergegner wird seine Schwierigkeiten gehabt haben, sich bei dem mitreissenden Konzert der Spielmannsleute von Saltatio Mortis nicht anstecken zu lassen. Mag man also davon halten, was man will – eines ist unbestreitbarer Fakt: keine andere Band hatte das Publikum bis zu diesem Zeitpunkt so sehr im Griff wie Saltatio Mortis. Das ganze Amphi-Theater hat gefeiert – mehr als bei jedem anderem Konzert an diesem Wochenende! Sänger Alea ließ allerdings auch keine Gelegenheit aus, das Publikum mitzureissen. Das ging hin bis zu seinem Stagedivingeinsatz, bei der sich der Frontmann ein ganzes Stück über den Köpfen der Fans tragen ließ. Und nebenbei noch zu singen und dabei auch noch den Ton zu halten, das nötigt selbst dem größten Mittelaltermuffel Respekt ab. Uns werden Saltatio Mortis jedenfalls in sehr positiver Erinnerung bleiben und vermutlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir den Spielmannsleuten live beigewohnt haben. So gesehen: Mission erfüllt, Alea & Co.!
[:SITD:]:
Bereits 2008, beim Debüt des Blackfield Festivals, war das Trio von [:SITD:] am Start. Natürlich, denn die Truppe ist ja in Gelsenkirchen beheimatet. Zwei Jahre später gaben [:SITD:] nun also einmal mehr ein Heimspiel. 2008 war das Konzert der Electrohelden schon eine große Party, 2010 stand dem Blackfield Erstkontakt nur in wenigen Dingen nach. Denn der Schwerpunkt dieses Konzerts – oh Wunder! – lag natürlich auf dem letzten Album “Rot”, das zwar ansich ziemlich cool ist, scheinbar aber auf Konzerten nicht so ganz kickt wie “Bestie Mensch” seinerzeit. Auch bei der Auswahl der älteren Songs, die gespielt wurden, haben die Herren schon mal ein glücklicheres Händchen gehabt. Aber vielleicht ist dieser Eindruck auch nur standortbedingt, das ganze Geschehen konnten wir von unserer Position während des Konzerts nicht überblicken. Aber wie auch immer: es war wie immer ein unterhaltsames Konzert mit hohem gudde-Laune-Faktor und viel Möglichkeiten zur tänzerischen Leibesertüchtigung, das nur ein Fazit zulässt: haben wir immer noch nicht zum letzten Mal gesehen, die Jungs.
OOMPH!:
Für uns die letzte Band des diesjährigen Blackfields, einerseits aus Zeitgründen, andererseits stehen wir der Entwicklung in Sachen Unheilig nach wie vor kritisch gegenüber. Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um das Wolfsburger Trio, dass wir uns nicht nur aus rein lokalpatriotischen Gründen angeschaut haben. Wollte man das Oomph! Konzert ganz knapp umschreiben, könnte man sagen: 110% Energie! Wie nicht anders gewohnt, enttäuschten Oomph! ihre vielen Fans nicht begeisterten mit einer höchst energiegeladenen Show. Da wir ja in diesem Jahr 20 Jahre Oomph! zu feiern haben, bestand die Setlist natürlich aus aktuelleren Stücken wie “Sandmann”, “Gott ist ein Popstar” oder “Augen auf”, aber auch Songs aus den Jahren 1992 oder 1995 wie etwa “Sex” fanden ihren Weg ins Set. Besonderes Schmankerl waren aber klar die beiden Akustiksongs. “Sex hat keine Macht”, eines der beiden Stücke, wurde nahezu ungewohnt sanft vorgetragen. Das gab natürlich Extrapunkte in der B-Note.
FAZIT:
Wie in den beiden Vorjahren war auch das Blackfield Festival 2010 ein rundherum tolles Erlebnis. Auch oder vielleicht auch gerade wegen eines Line-Ups, das nicht ein bloßes Spiegelbild des Programmplans der Mitbewerber darstellte, sondern neben diversen Hochkarätern auch jede Menge Möglichkeiten zum Entdecken bot.Über die Situation auf dem Campingplatz können wir nichts sagen, da wir ja in diesem Jahr nicht gezeltet haben, wir gehen aber davon aus, dass sich die sanitäre Situation auf dem Zeltplatz im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat. Wenn nicht, teilt es uns im Kommentarbereich mit. Ansonsten punktete das Blackfield auch in diesem Jahr wieder mit den selbst gesetzten, sehr hohen Standards: reibungslose Organisation, nette Leute überall und eine wunderbare, fast schon familiäre Wohlfühlatmosphäre. Lediglich über die Getränkepreise sollten wir noch mal reden, 4,- für weniger als einen halben Liter Warsteiner (Pfand hin oder her) empfanden wir fast als offenkundigen Straßenraub. Das aber tut dem Festival insgesamt keinen Abbruch.
Wir freuen uns, dass sich auch in diesem Jahr wieder genügend treue Blackfield-Fans eingefunden haben, damit die Party auch im nächsten Jahr wieder steigen. Wir jedenfalls werden auch 2011 wieder dabei sein!






