Die Zeiten, sie sind zweifelsohne im Wandel. Wie schon so manch alteingesessener Szene-Act vor ihnen, so haben auch UMBRA ET IMAGO beschlossen, aus der herkömlichen CD Produktion auszusteigen. Die Gründe dafür sind vielfältig und auch schon an anderer Stelle hinreichend erklärt worden. Wenn sie aber schon (wenigstens zu einem gewissen Teil) gehen wollen, dann bitteschön auch mit einem Knall. Diesen hat die Karlsruher Band um Frontmann selbstbewusst “Opus Magnus” betitelt und am 2. Juli veröffentlicht. Bei einem so relevanten Ereignis sind wir natürlich mit dabei und haben uns diese beinahe Abschiedsvorstellung intensiv zu Gemüte geführt.
Sieht man mal von einer Remix-Compilation (“Motus Animi”), einer EP (“Gott will es”) sowie zwei DVD Veröffentlichungen (“Imago Picta”, “Past Bizarre”) ab, mussten sich Umbra et Imago Fans ganz schön lange in Geduld üben, bis sie wieder neues Liedmaterial ihrer Band zu hören bekamen. Das letzte reguläre Studioalbum, “Memento Mori”, datiert nämlich auf das Jahr 2004 zurück. Viel Zeit also, in denen sich scheinbar genug Unmut über die Entwicklung in der Musikwelt/-industrie angesammelt hat, um kurzerhand die Produktion regulärer Albuen einzustellen. Genug Zeit aber auch, um die diesbezügliche Abschiedsvorstellung, das “Opus Magnus”, auch zu einem solchen Reifen zu lassen.
Erinnern wir uns: Mit “Memento Mori”, einem scheinbar ziemlich verkannten Kleinod gothischer Rockmusik waren Umbra et Imago ganz weit oben in dieser Musikrichtung angekommen, auch wenn die Entwicklung dahin natürlich schon Jahre und Alben früher ihren Anfang fand. Schicke, rockende Arrangements, jede Menge Songs mit Ohrwurmqualitäten und Themen, die über den erotischen Tellerrand hinausgingen und teilweise recht kritische Blicke auf Zeitgeist, Gesellschaft oder Religion warfen, waren Qualitätsmerkmale dieser Scheibe. Alles Tugenden, die auch im Jahr 2010 noch Bestand haben. Auf “Opus Magnus” klingen Umbra et Imago vor allem im Hinblick auf Arrangements, Sound und Produktion deutlich gereift. Die Vorab-Single “Ohne Dich”, die bei uns ja schon einen guten Eindruck hinterließ, versprach also nicht zu viel. Ob man sich nun bei “Perfect Baby” über DAS Umbra Wort überhaupt (“Alaarrrrrrrm!”) freut, bei der “Ode an die Musik” als Musikliebhaber andächtig innehält und stillschweigend dieser Liebeserklärung zustimmt, bei “Ignoranz” abrockt oder einer wütenden Brandrede gleichkommenden “Sonntagsandacht” lauscht – das “Opus Magnus” ist Umbra in Bestform. Und das ganze so vielfältig und ohrschmeichelnd arrangiert, abgemischt und produziert dass sie sich abermals ganz oben in dem inzwischen ziemlich breitgelatschten Genre Gothic-Rock positionieren. Das Beste kommt eben immer zum Schluss.
Für die wahren Umbra Fans hat die Band ein Extrapaket in Form einer Limited Edition geschnürt, das neben dem Album im Digipak ein 60-seitiges Songbook, eine Umbra-et-Imago-Krawatte, ein Mousepad und ein Kühlschrankmagnet beinhaltet und auf 2000 Exemplare weltweit limitiert ist. Eine Anmerkung sei an dieser Stelle zu dem Songbook gestattet: Neben dem Vorwort aus Mozarts Feder wären ein paar Zeilen zu den beinhalteten Texten schön und wünschenswert gewesen. So ist es halt nur ein mittelprächtiger Abdruck der Lyrics in schöner Umverpackung. Hier wäre sicher mehr möglich gewesen. Aber gut, das ist Jammern auf hohem Niveau.
Ich muss gestehen, ich betrachte “Opus Magnus” mit einem lachenden und weinenden Auge. Lachend, weil Umbra et Imago auf CD wohl noch nie besser waren. Weinend, weil man sie auf CD wohl auch niemals mehr besser erleben wird. Jedenfalls dann nicht, wenn Mozart und seine Truppe ihr Vorhaben tatsächlich konsequent durchziehen. Somit verabschieden sich die Karlsruher vom CD-Markt mit einem Geschenk an die Fans, das kaum besser (und in der Limited Edition: oppulenter) hätte sein können. Noch etwas stimmt mich wehmütig: Auch wenn Umbra et Imago natürlich beteuerten, “Opus Magnus” stelle nicht das Ende der Band sondern allenfalls eine Verlagerung der Aktivitäten dar, so hat es doch auch ein kleines bischen den faden Beigeschmack eines Abschieds. Das ist aber nur mein persönliches Empfinden. An diesem breitbeinigen, eingangs erwähnten Knall möchte ich noch folgenden Warnhinweis anbringen: Kann Spuren von Nüssen enthalten.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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