Es ist schwer zu beschreiben was ich hier vor mir habe: Ein Meisterwerk, eine Ode an die deutsche Sprache, ein Hochgenuss an Ausdruck und anspruchsvoller Literatur. Ein Drahtseilakt mit Worten. Wie ein Gemälde das sich zufällig und doch detailreich und voller Tiefe auf der literarischen Leinwand manifestiert. Ebenso ist es unklar ob die Geschichten und Storyfragmente zusammen gehören oder nur zufällig zueinander fanden. Und doch haben wir hier etwas ganzes vor uns. Etwas das anders nicht sein sollte.
Sowohl deprimierend als auch erheiternd, beanspruchend und entspannend ehrlich kommt dieses Buch daher. Die Texte wirken teilweise sinnlos im ersten Moment, doch im nächsten Moment sind sie tiefgreifend, emotional fordernd und somit sinngefüllter als vieles was man sonst zu lesen bekommen. Man kann keine einzelnen Teile aus diesem Buch beschreiben, jedes Wort muss selbst gelesen werden um sich darüber ein Bild zu machen. Selber die Bilder der Schreiberin im Kopf entstehen zu lassen. Hier kann man nicht vorgeben worum es geht, was man sehen oder denken soll.
Morné’s Schreibstil fließt durch die Hirnwindungen als wären er nichts weiter als flüssige Materie oder Luft. Die Worte schweben im Raum, man kann sie beachten oder auch nicht. Man kann sie fangen und oder auch nicht. Doch sollte man bedenken, dass sie sich eben so schwer aufs Gemüt legen. Sie fressen sich regelrecht durch unsere emotionales Gewebe. Bringe Dinge ins Rollen, stoßen Gedanken an und sorgen für ein ordentliches Durcheinander im Kopf. Diese Kritik am Leben, am Dasein, an der Gesellschaft und dem, was unser Zusammenleben ausmacht wird hier mit dunklem Witz, Sarkasmus und ordentlichem Zynismus vorgetragen. Und vor allem mit Ehrlichkeit. Mehr als so mancher vielleicht verträgt.
Das ganze ist eingeflochten in Geschichten mit Tagebuchzügen. Teils nicht mehr als Gedankengänge die ohne Anstrengung zu unseren eigenen werden. „JA!“ Möchte man sagen. „Ja, das kenne ich!“, „Das bin ich!“. Das sind wir und das Leben heute. Gefasst in Buchstaben, Worten die man einfach zu sich genommen, erlebt haben muss.
Hier bekommt man mehr Poesie als man vielleicht mag. Denn oft muss man Poesie mehr als einmal lesen um ihre Tiefe, ihren Grund zu erreichen und zu verstehen. Vielleicht ist sie auch zu schwer für so manches Gemüt und zu leicht um sie zu halten. Man muss ein Auge, ein Ohr und vor allem auch einen Gedanken frei haben um diese Kunst schätzen zu können. Das ist der Spiegel den ich vor dieses Werk halte. Für manche vielleicht blind für andere vielleicht eine Offenbarung.
Wertung
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