Diese Herren gehören zur Alten Garde des Gothic Rock. Statt modernem Schnickschnack setzt man hier voll auf den wavigen Sound des 80er Gruftrocks, was an sich schon in seiner Beharrlichkeit bewundernswert ist. Bei der Band handelt es sich um in Deutschland residierende spanische Iren, und auch wenn diese Tatsache der einzige Widerspruch an der Kapelle bleibt, so erwartet man aufgrund dieses ungewöhnlichen kulturellen Hintergrunds vielleicht nicht unbedingt diese klassisch und gleichsam höchst typischen Klänge aus einer Zeit, als die Leute noch rasch ihre Kinder ins Haus holten, wenn unsereins die Straße entlang schnürte.
Under The Rain ist bereits die dritte Langrille. Natürlich handelt es sich nicht eigentlich um eine Schallplatte, aber ich könnte mir keinen besseren Klangträger zu dieser Musik vorstellen als das altehrwürdige Vinyl. Genau da liegt auch der Hase im Pfeffer – genauso hört es sich nämlich auch an. Einerseits wird jeder altgediente Gothic-Recke hier an seine Wurzeln erinnert und kann nach Herzenslust in Nostalgie schwelgen, andererseits hört man aber auch allen Staub und Spinnenweben der Jahrzehnte deutlich heraus. Bei Charlotte’s Shadow haben wir es mit etwas Altbackenem zu tun. Zur Hochzeit des Gothic-Rocks hätte man der Mannen gehuldigt, die sich aller zur Gebote stehenden Register des charismatischen Gitarrenrocks der ersten Stunde bedienen, heutzutage werden sie es jedoch schwer haben als die Nachzügler, die sie sind. Sie kommen einfach 20 Jahre zu spät und haben ansonsten nichts Neues im Gepäck, was schade ist. Vermutlich gibt es schlicht zu wenige übriggebliebene Relikte, die sich über diese Hymne an die Tage der Sisters of Mercy, The Mission, Two Witches und The Cult wirklich freuen werden. Wir sind mittlerweile zu klangverwöhnt, als dass uns auf alt getrimmte Aufnahmen zum Schwelgen bringen würden. Trotzdem ist die Mühe und Konsequenz allein schon bemerkenswert, deshalb gibt es immerhin den Pluspunkt Fan-Faktor - der Nostalgie wegen.
Das – trotz immerhin neun Songs verdächtig kurze – Album beginnt mit dem Track R.I.P. und mir fährt der Klagegesang ins Gebein. Mir ist klar, dass es für die schwarzromantische Stimmung ungemein wichtig ist, ordentlich Trauer und Verzweiflung in den Gesang zu legen, aber J. Catala übertreibt die Angelegenheit fast bis zur Parodie. Eine Koloratur des Schluchzens heult aus den Boxen, dass man meinen könnte, die Tage im Aufnahmestudio hätten einen enormen Verbrauch an Rotzfahnen zur Folge gehabt. Dabei hätte der Sänger es gar nicht nötig gehabt, so dick aufzutragen, da er durchaus über genügend Stimmvolumen und eine angenehme Klangfarbe verfügt. Aber so tränenerstickt und brüchig geht einem der Gesang meistens auf den Sack. Die musikalische Begleitung bleibt generell etwas dünn und blechern, obwohl mir die Gitarre ziemlich gut gefällt – das gilt übrigens für das gesamte Album. Die Gitarrenarbeit weckt tatsächlich angenehme Erinnerungen und Assoziationen mit alten Bands wie Sisters Of Mercy, Rosetta Stone, aber auch den neueren wie The Wake oder Morbid PoetryYou’re Cruel und Beautiful & Strange bemerkenswert. Das Titelstück Under The Rain fällt dagegen ab. Die Coverversion Mad World ist interessant und nicht mal übel ausgefallen und soll deshalb an dieser Stelle erwähnt werden, ganz besonders weil mir das Lied ansonsten gewöhnlich schon zum Hals heraus hängt. Die restlichen Songs hinterlassen dagegen kaum einen Eindruck: man hat sie noch während des Hörens bereits wieder vergessen. Das Booklet ist geradezu spartanisch, es gibt keine Lyrics oder Fotos oder sonstwas, womit man sich beim Anhören die Zeit vertreiben kann, also auch hier no points. (und wie sie alle heißen). In diesem Zusammenhang finde ich die nachfolgenden Songs
Fazit: Under The Rain ist absolut etwas für Nostalgiker. Das Album hat zwar Potential, eignet sich allerdings eher zur Erinnerung an Bands, die es besser gemacht haben. Aber: einen Achtungserfolg können Charlotte’s Shadow an der Gitarre verbuchen.
Wertung
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Tracklist:
- R.I.P.
- You’re Cruel
- Beautiful & Strange
- Under The Rain
- Believe In Me
- I Still Remember
- Behind The Door
- Mad World
- Anything
Anspieltipps:
- You’re Cruel
- Beautihttp://www.madgoth.de/wp-admin/post-new.phpful & Strange
- Mad World
Links:
Diskussion im Forum:
http://www.madgoth.de/forum/musik-reviews/6049-charlotte-s-shadow-under-the-rain.html#post80711








