1,2, Freddy kommt vorbei… dieser bekannte Kinderreim begleitet die Horrorfans nunmehr seit 26 Jahren, seitdem 1984 Wes Cravens Klassiker “Nightmare – Mörderische Träume” erschienen ist. In insgesamt fünf “Elm Street”-Sequels, die 1991 mit “Freddys Finale” ihren Abschluß fanden, einer Art Neuinterpretation des Themas in “Freddys New Nightmare” (1994) sowie dem Crossover “Freddy vs. Jason” (2003), hatte Kinderschänder Freddy Krueger also  ganze acht mal seinen Auftritt im Kino gehabt. Nachdem bereits die Kollegen Michael Myers und Jason Vorhees von der nicht enden wollenden Remake-Welle überschwappt worden sind, hat es nun also auch “A NIGHTMARE ON ELM STREET” erwischt. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, erfahrt ihr im folgenden Review.   

Zur Handlung: Nancy arbeitet in einem Diner und muß dort mit ansehen, wie einer ihrer Freunde hysterische Bewegungen am Tisch macht und herumschreit: “Du bist nicht echt!” Kumpel Dean ist eingeschlafen und begegnete im Traum dem Kinderschänder Freddy Krueger, der die Kinder der Elm Street versucht, im Schlaf zu töten. Denn was im Traum passiert wird grausame Wirklichkeit! Doch nicht nur Dean hat derlei Albträume von dem verbrannten Mann mit Narbengesicht, Filzhut, rot-grün gestreiftem Pullover und Klingenhandschuh. Kumpel Jesse muß mit ansehen, wie seine Freundin Kris im Schlafzimmer von einem unsichtbaren Killer umgebracht wird. Einer nach dem anderen geht über den Jordan. Aufgrund des in der Einleitung zitierten Kinderreimes wissen Jesse und Nancy, daß der Killer Freddy mit Vornamen heißt. Nerd Quentin, der etwas für Nancy übrig hat, macht sich mit seiner Angebeteten auf , die Hintergründe über diesen ominösen Krueger herauszufinden. Als Nancy ihre Mutter nach den Gemeinsamkeiten der Freunde fragt, bekommt sie keine Antwort. Nachdem die Protagonistin jedoch alte Schulfotos von allen Freunden gefunden hat, die von den Albträumen heimgesucht werden, gibt die Mutter zu, doch etwas mit dem Namen Fred Krueger anfangen zu können. 

Es stellt sich heraus, daß alle Kinder gemeinsam die Vorschule von Springwood besuchten, deren Gärtner Freddy Krueger gewesen ist. Freddy verbrachte viel Zeit mit den 5-jährigen Kindern im Garten und spielte mit ihnen Verstecken. Sein Lieblingskind war jedoch stets Nancy gewesen.  Als Nancy und Quentin sich aufmachen, den Keller der Vorschule zu erforschen, stoßen sie nicht nur auf diverse Klingenhandschuhe und Mordwerkzeuge, sondern finden auch diverse Fotos, auf denen die mißhandelte kleine Nancy zu sehen ist. In Quentins Traum wird dieser Zeuge, wie einst der Elternmob der Elm Street Jagd auf Freddy machte und diesen in einem alten Stahlwerk bei lebendigem Leib verbrannte - darunter befanden sich auch die Eltern von Jesse und Nancy. Als während eines weiteren Albtraumes die Erkenntnis da war, daß beim Aufwachen etwas mit in die reale Welt herübergenommen werden kann (im Original war´s der Hut, hier ein Stück vom Pullover), schmieden Quentin und Nancy einen Plan, wie man Krueger besiegen könnte… 

Die wichtigste Frage war hier seit langer Zeit jedoch nicht die Story oder das Thema Spezialeffekte, es ging hauptsächlich um die Figur des Antihelden Freddy Krueger. Robert Englund, der Freddy in allen oben genannten Filmen sowie einer eigenen Nightmare TV-Serie verkörperte, empfand sich selbst als zu alt, noch einmal in die Rolle seines Lebens zu schlüpfen. Dies stoß bei den Nightmare-Fans, zu denen auch ich mich zähle, ziemlich sauer auf. Denn im Vergleich zu seinen stummen Kollegen Michael (“Halloween”) und Jason (“Freitag), bei denen der Anspruch an einen guten Darsteller einzig und allein von seiner körperlichen Statur abhängt, geht es bei Freddy Krueger vielmehr um Ausstrahlung, Charme, Gestik und Mimik. Die Art, wie Englund Freddy fast 20 Jahre lang spielte, war einzigartig. Kaum ein Fan konnte sich jemand anderes in dem rot-grün gestreiften Pullover vorstellen als den heute 63-jährigen Amerikaner Robert Englund. Damit war für viele der Film im Vorfeld durchgefallen und bekam keine Chance. 

Der neue Freddy-Darsteller ist der 49 Jahre alte aus “Watchmen” bekannte Jackie Earle Haley, der sich in seinem Schauspiel zugegebenermaßen erstaunlich Mühe gegeben hat. Man kann das Remake mögen oder nicht mögen, aber Haley hier irgend eine Art Schuld in die Schuhe zu schieben wäre ungerecht. Auch wenn ich persönlich nicht damit gerechnet hätte, hat er seinen Job doch recht ordentlich absolviert. 

Was die anderen Darsteller betrifft, so wirken diese doch recht blass. Im Gegenteil zum Originalfilm, bei dem v.a. Heather Langenkamp die absolute Sympathieträgerin war und auch Johnny Depp als ihr tollpatschiger Freund Glen positiv in Erinnerung blieb, trauert der Zuschauer den Charakteren in Nightmare anno 2010 nicht gleichermaßen hinterher. Hier sind wie so häufig in der jüngeren Vergangenheit nur irgendwelche Schönheiten vor der Kamera, die besser in einem Video- oder Werbeclip aufgehoben wären als in einem Horrorfilm. Dadurch, daß die Teenager im Original so normal “wie du und ich” waren, konnte sich der Zuschauer besser mit den Figuren identifizieren als mit vielen Jungdarstellern Hollywoods in der heutigen Zeit. In diese Kategorie gehört auch Thomas Dekker (spielt Jesse) hinein, obwohl er immerhin schon Genreerfahrung gemacht hat im Slasher “Laid to Rest” von 2009 oder als John Connor in der TV-Serie “The Sarah Connor Chronicles”. Unterm Strich muß einfach gesagt werden, daß man hier ein wesentlich besseres Händchen beim Casting gehabt haben könnte. Es macht den Anschein, daß man sich beim Casting fast gänzlich auf die Freddy-Besetzung fokussierte und sich dabei dem Rest der Figuren nur mit halbem Maß an Aufmerksamkeit widmete. 

Was die Produzenten von Anfang an durchsickern ließen war die Tatsache, daß man Freddy optisch verändern wollte. Das Gesicht sollte deutlich realistischer ausfallen, Freddy sollte mehr nach Verbrennungsopfer aussehen, was sich v.a. in der Lippenpartie bemerkbar machen sollte. An sich macht dieses Vorhaben aus Logiksicht natürlich Sinn, aber Hand aufs Herz: nach über 20 Jahren haben wir doch alle das bekannte Pizzagesicht liebgewonnen und sehen über die eigentliche Natürlichkeit des Verbrennungsprozesses und wie Freddy demnach schon immer hätte aussehen müssen gerne hinweg, oder? Es gibt nun mal einfach Dinge, die sollte man nicht ändern, weil sie schon seit Dekaden funktionieren und – Achtung Kalauer – sich in den Köpfen der Zuschauer eingebrannt haben. 

Ansonsten unterscheidet sich der Film im Wesentlichen zum Original von 1984 durch die Hintergrundgeschichte Freddys, die hier weitaus deutlicher und schrecklicher geschildert wird. Konnte man im Original nur vermuten, daß Krueger seine Opfer auch sexuell mißbrauchte (dies wurde niemals konkret genannt), so wird dies im Remake mehr als nur angedeutet. Dies wird nicht nur an den bereits erwähnten Nancy-Fotos deutlich, sondern auch an der Tatsache, daß Freddy Nancy entgegenet: “Dein Mund sagt nein, aber dein Körper sagt ja”. Bevor Kris das Zeitliche segnet, sagt Freddy noch, “Du siehst so hübsch aus wie immer”, was ebenfalls auf eine mögliche Vergewaltigung zu Kinderzeiten schließen läßt.  Auf die Beschimpfung “Fick dich!” reagiert der Antiheld mit den Worten “Uh, das hört sich nach Spaß an…”. 

Neu ist auch, daß Kruegers Berufung erstmalig bekanntgegeben wird. Daß er der Gärtner einer Vorschule war und sich im Keller der Schule einquartierte, ist ebenfalls erst der Neuverfilmung entsprungen, ergibt jedoch durchaus einen Sinn. Daß der “Traumkiller-Freddy” jedoch Emotionen zeigt und Nancy quasi immer noch förmlich begehrt, ist doch etwas gewöhnungsbedürftig für den ansonsten so emotionslosen Charakter. Dies wird in Szenen belegt, bei denen Freddy zu Nancy sagt ”Du bist meine Nr. 1, meine kleine Nancy” oder sie sogar zu retten (!) versucht, indem er sie im Traum auffordert: “Wach auf, du blutest!” Hier könnte man also sogar daraus schließen, daß Freddy will, daß Nancy überlebt. 

Soweit zu den Unterschieden, wie sieht es mit Gemeinsamkeiten zum Craven-Film bzw. Hommagen aus? Da wäre natürlich zunächst einmal der berüchtigte Kinderreim zu nennen. Diese Szenen gehören einfach verdammt nochmal in einen Nightmare-Film und sind glücklicherweise auch übernommen worden. Ansonsten gibt es den Leichensack in der Schule ebenso im Remake wie die Badewannenszene, wobei beide Sequenzen im Vergleich kürzer geraten sind als 1984. Bei der Badewannenszene (Kameraeinstellung als der Handschuh aus dem Wasser kommt ist 1:1 identisch!) gibt es jedoch keinen Angriff Freddys, im Original wurde Nancy noch unter Wasser gezogen und wäre fast in der Wanne ertrunken bzw. getötet worden. Der berühmte Deckenmord von Tina im Film von Wes Craven Film wird auch 2010 an Opfer Kris gezeigt. Die Szene sieht 26 Jahre später zwar tricktechnisch mit Saltoeinlage spektakulärer aus, aber dafür wurde sie etwas blutleerer in Szene gesetzt. Schön war auch zu vernehmen, daß an einigen wenigen Stellen der bekannte Main Title aus dem Original im Soundtrack zu hören war. Das erzeugt immer ein wohliges Gefühl, “zu Hause zu sein”. 

Zum Thema Gewalt sei an dieser Stelle gesagt, daß die 16er Freigabe der FSK auf der ungekürzten R-Rated Fassung aus den USA basiert, also völlig ungekürzt in die deutschen Kinos kam. Das bedeutet aber nicht, daß der Film ansonsten völlig weichgespült wäre. Gerade die Szene bevor der Titel eingeblendet wird fällt für Nightmare on Elm Street-Verhältnisse sehr hart aus. Es gibt also keinen Grund, sich von dem blauen FSK-Aufkleber abschrecken zu lassen. 

Hatte ich schon bei dem Zusammentreffen von Jason und Freddy extreme Angst, daß dieses Crossover in die Hosen gehen würde, so erging es mir bei dem Gedanken an eine Neuverfilmung einer meiner Lieblingsfilme nicht wesentlich anders.  Als dann auch noch klar war, daß Robert Englund nicht zurückkehren würde, stand auch für mich das Ergebnis fest: Das kann ja nichts werden! 

Nach mittlerweile zweimaligem Anschauen des Streifens muß ich für mich festhalten: Es war mutig und richtig von den Drehbuchautoren, Freddys Charakter und seine vergangenen Taten dreckiger und krasser zu erzählen als lediglich Möglichkeiten zur Interpretation zu bieten (es könnte ja sein, daß er die Kinder auch vergewaltigte… muß aber nicht). Hier wird der Zuschauer knallhart mit der Wahrheit konfrontiert, und diese haut so richtig rein. Zwar wird dem Zuschauer nie gezeigt, was sich auf den Fotos befindet, aber der Zuschauer kann es erahnen – demnach gibt es den Interpretationsspielraum in anderer Form auch hier. 

Mit der Wahl des Freddy-Darstellers steht oder fällt der Film, das war allen sonnenklar. Mit Jackie Earle Haley wurde die richtige Wahl getroffen, auch wenn das Make-up sehr gewöhnungsbedürftig aussieht, wofür jedoch der Darsteller nichts kann. Seine Performance ist jedoch keineswegs zu bemängeln. 

Insgesamt muß ich jedoch sagen, daß der Film mir zu sehr auf “Nummer sicher” geht, es fehlen irgendwie die gewissen Höhepunkte. Alles befindet sich auf einem gewissen (niedrigen) Spannungsniveau, alles ist solide zusammengestrickt, aber die großen Überraschungsmomente (Ausnahmen: die Flashbacks mit Freddy und den Kindern) bleiben leider aus. 

Unterm Strich ist das Nightmare-Remake zum Glück wesentlich besser ausgefallen als das verhunzte Freitag-Remake aus gleicher Produktionsschmiede. Bleibt zu hoffen, daß in einem sehr wahrscheinlichen Nachfolger etwas mehr auf die Dramaturgie im Drehbuch geachtet wird. Ich bin also heilfroh, daß das Remake nicht in die Hose gegangen ist, aber in die Filmgeschichte wird auch diese Neuverfilmung im Gegensatz zu Wes Cravens Film nicht eingehen. Aber schön die Gewißheit zu haben, daß ich beim zweiten Teil – und noch ein Kalauer – etwas ruhiger schlafen kann.. 

  


  

Wertung

Special Effects Soundtrack Gesamt

 

Trailer

 

 


 

Diskussion im Forum

http://www.madgoth.de/forum/film-reviews/6085-a-nightmare-on-elm-street-2010-review.html 


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