Oswald Henke schreibt. Jede Menge. Seien dies nun Kolumnen oder aber die Texte für seine Projekte Goethes Erben, Erblast oder Fetisch:Mensch. Dann und wann veröffentlicht Oswald eine Sammlung seiner literarischen Ergüsse in Buchform. Wie kürzlich bei seinem inzwischen dritten Buch “Ich habe mir die Liebe abgewöhnt und bin doch weiter süchtig”. Nicht nur für Fans der musikalischen Projekte aus dem Hause Henke ein Leckerbissen.
Kolumnen werden für gewöhnlich geschrieben, weil dem Autor ein bestimmtes Thema auf der Seele brennt. Meist handelt es sich dabei um etwas aus dem aktuellen Zeitgeschehen. Daher liegt es in der Natur der Sache, dass früher oder später an einer Kolumne der Zahn der Zeit nagt und sie damit an Aktualität verlieren. Das ist bei den im vorliegenden Buch und den darin enthaltenen Beiträgen aus Henke Trocken nicht anders. Mögen sie derzeit noch über eine gewisse Brisanz verfügen (auch wenn sie manchmal etwas den sogenannten roten Faden vermissen lassen), so wird man in wenigen Jahren sich allenfalls über rückblickend über die damalige Aktualität des Autors freuen können. Der “jo, so isses” Effekt wird sich dann aber nicht mehr einstellen.
Erfreulicherweise machen Henkes Kolumnen aber den kleineren Teil der versammelten Texte aus. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf den Texten seiner Band Fetisch:Mensch sowie weiterer, bisher noch nicht veröffentlichter Lyrik. Diese machen auch den eigentlichen Reiz des Buches aus, lädt der Autor hier doch auf eine ganz besondere Reise ins Seelenleben ein. Das mag natürlich zum Teil das von Oswald Henke sein, aber ich möchte wetten, dass sich in dem ein oder anderen Gedicht jeder Leser wiederfinden wird. Auch ganz ohne (die sonst gewohnte) Musikuntermalung ist es durchaus möglich, sich in den (frei nach Robert Gernhardt) “Prosamen” zu verlieren; die Texte auf sich wirken und den Gedanken freien Lauf zu lassen.
Das tolle an der Sache: Henkes Lyrik hat eine enorm hohe Halbwertszeit. Das heisst, er hat hier ein Buch abgeliefert, das man immer wieder gerne in die Hand nimmt, wenn man das Gefühl braucht, irgendwie verstanden zu werden. Ein Effekt, der sich bei diesem Buch durchaus öfter einstellt.
Lässt man die Kolumnen als schmückendes Beiwerk also einmal aussen vor, so haben wir es hier mit einem sehr hübschen Gedichtband zu tun, der durch stimmungsvolle Fotos des Meisters aufgewertet wird. Habt Ihr für die musikalischen Projekte des Herrn Henke etwas über oder seid Fan von Lyrik, die jenseits oft gelesenen Szene-Gejammers liegt, dann sollte Euer nächster Weg in die Buchhandlung Eures Vertrauens führen.
Wertung
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