Christopher Nolan gehört derzeit zu den Regisseuren, denen so gut wie alles zu gelingen scheint. Nicht nur, daß er mit Filmen wie “Memento” und “Insomnia” in der Lage ist, intelligentes Spannungskino ohne unnötige Effektorgien zu erzeugen. Er vermag es auch längst totgesagte Superhelden (“Batman Begins”) in einem neuen Glanz erscheinen zu lassen – “The Dark Knight” knackte vor gar nicht allzu langer Zeit im Nu sämtliche Zuschauerrekorde. Nun ist er also wieder mit einem Megablockbuster da und bringt gleich noch den zuletzt in “Shutter Island” brillierten Leonardo DiCaprio als Hauptdarsteller mit. Ob sich dieser mit einer Überlänge von 148 Min lange phantastische Thriller also wirklich lohnt, erfahrt ihr in unserem Review.
In “Inception” spielt Leo den professionellen Dieb Dom Cobb, der sich in die Träume von Menschen einschleusen kann, um dort wichtige Informationen, Ideen oder Geheimnisse direkt aus dem Unterbewußtsein zu klauen. Mit dem Prozess der “Extraction”, so wird diese besondere Form der Industriespionage im Film genannt, verdient Cobb seine Brötchen. Er ist quasi DER Mann auf dem Gebiet der Industriespionage. Allerdings sieht es privat weniger rosig für ihn aus. Cobb ist eigentlich ein ziemlich labiler Mann, der sich selbst verantwortlich für den Tod seiner Ehefrau fühlt. Außerdem wird er aufgrund seiner illegalen Geschäfte weltweit gesucht und ist stets von Feinden umgeben. Ein allerletzter Auftrag soll ihm jedoch viel versprechen: Er könnte in sein altes Leben zurückkehren. Doch so einfach gestaltet sich dieser Job nicht: Es geht bei seinem letzten Coup nicht darum, eine Idee zu klauen, sondern dem ahnungslosen Opfer eine einzupflanzen! Sollte Cobb diese “Inception” gelingen, würde er wieder in die USA zurückkehren können und seine Kinder sehen dürfen. Allerdings hatte sich noch nie jemand an einer Inception versucht, da dies ein äußerst gefährlicher Prozess ist, bei dem Cobb ins Tiefste des Unterbewußtseins hervordringen muß, damit das Opfer denkt, es selbst wäre auf diese Idee gekommen. Als wäre dies nicht schon schwierig genug, wartet da auch noch etwas in Cobbs eigenem Unterbewußtsein, das ihm das Leben nicht gerade leichter macht…
Was Christopher Nolan hier zustande gebracht hat ist wahrlich außergewöhnlich. Eine äußerst komplexe Handlung, die sich irgendwo zwischen Kathryn Bigelows “Strange Days” und “The Cell” ansiedelt und doch so erfrischend anders, weil emotional erzählt wird, ruft natürlich sofort Kritiker auf den Plan, die auf Teufel komm raus nach Logiklöchern in dem filmischen Gerüst aus Traum und Realität suchen müssen. Nur leider werden hier die wenigsten fündig, denn Nolans Film macht einfach zu jeder Sekunde Sinn. Beispiel: Ein Truck fällt von einer Brücke aufs Wasser in Slo-Mo – aufgrund des Raum-Zeit-Kontinuums laufen jedoch die Szenen im Traum entsprechend schnell(er) ab und die Charaktere befinden sich im Traum in Schwerelosigkeit. Solcherlei Spielereien finden sich vermehrt in diesem wunderbaren visuellen Film wieder, der im Übrigen zu keiner Zeit langweilig ist. Die knapp 150 Minuten vergehen wie im Fluge! Anfangs ist es vielleicht etwas schwierig mitzukommen und zu realisieren, ob die Charaktere nun gerade träumen oder nicht, aber man bekommt recht schnell ein Gespür dafür, wie der Film funktioniert.
Nolan verfilmte hier sein eigenes Drehbuch, daß er schon vor zehn Jahren im Kopf hatte. Außerdem übernahm er dabei auch gleich noch zusammen mit seiner Ehefrau Emma Thomas den Job des Produzenten – mehr Kontrolle über einen Film geht einfach nicht! Und das ist auch gut so, denn ansonsten wäre er vielleicht nicht in der Lage gewesen, eine solche Handlung in einer solch epochalen Länge erzählen zu dürfen – oder erlaubt ihm Hollywood nach dem “Dark Knight”-Erfolg unterm Strich sowieso mittlerweile alles? Man weiß es nicht…
Unter den Darstellern befinden sich neben DiCaprio noch der Nolan-erprobte Altstar Michael Caine als Cobbs Schwiegervater, der aber leider viel zu wenig Screentime abbekommen hat. Außerdem mit dabei: der in die Jahre gekommene Ken Watanebe (“Der mit dem Wolf tanzt”, “Last Samurai”) als Saito, der Cobb das Angebot mit der Inception unterbreitet, die aus “Juno” bekannte Ellen Page als Sidekick und – welcome back – Tom Berenger. Die Casting-Abteilung hat also ein glückliches Händchen bewiesen, denn Ausfälle sind hier keine zu verzeichnen.
Eines ist klar: “Inception” muß (mit)erlebt werden, darf nicht “nebenbei geschaut werden”. Wer hier nur für wenige Sekunden nicht zu 100% bei der Sache ist, könnte für den restlichen Verlauf des Films Schwierigkeiten bekommen. Hört sich ein wenig nach “12 Monkeys” oder David Lynch an? Ist es auch! Und das ist auch gut so, denn so entfaltet der Film bei mehrmaligem Anschauen erst seine völlige Wirkung, was der Nachhaltigkeit sicherlich zugute stehen wird.
Wer nach wie vor “Avatar” als DAS Kinohighlight schlechthin ansieht, der sollte unbedingt ein Auge auf “Inception” werfen, denn was Camerons 3D-Overkill für die Augen war, ist “Inception” für die Sinne. Viele Filmfans beschweren sich, daß aus Hollywood nichts mehr Neues, nichts mehr Innovatives und Intelligentes kommt, sondern nur aufgewärmter Kaffee. BIDDE! Da habta´s! Mit “Inception” hat Christopher Nolan wahrhaftig ein Meisterwerk erschaffen, das keine Wünsche offen läßt, sondern einfach einlädt zum Staunen und Mitfiebern. Und laßt euch bitte nicht von der Lauflänge abschrecken, die merkt ihr wirklich nicht. Mich würde es nicht wundern, wenn wir es hier mit dem Film des Jahres zu tun haben.
Anguckbefehl!
Wertung
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Trailer
Diskussion im Forum
http://www.madgoth.de/forum/kino-tv-and-film/6092-inception.html











