Bereits im letzten Jahr kehrten wir begeistert aus Köln zurück und attestierten dem AMPHI FESTIVAL gerne, dass dort so viele Dinge gut und richtig gemacht werden, wie auf kaum einem anderen Szene-Festival. Dass wir mit unserer Begeisterung nicht alleine dastehen, das zeigt wohl auch die Tatsache, dass das Amphi in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal komplett ausverkauft war. Für uns stand nach 2009 fest, dass wir in diesem Jahr auch wieder an diesem tollen Festival teilnehmen wollen – was wir dann auch getan haben. Es folgt nun endlich unser Bericht über ein einmal mehr sehr schickes Erlebnis! Wie immer: viel Vergnügen!

FREITAG, 23.07.2010:

Wenigstens einmal, ein einziges Mal nur, wollten wir püntklich zum Anpfiff eines Festivas zugegen sein. Das war unser guter Vorsatz für das diesjährige Amphi Festival, da unser Talent, irgendwie den Anfang immer zu verpassen aus diesem oder jenem Grunde, inzwischen legendär ist. Also nahmen wir uns vor, dieses Jahr schon zeitig am Freitagvormittag die Reise in Richtung Köln anzutreten. Unsere kleine Reisegruppe bestand in diesem Jahr aus Kayila, Zauberlicht, sideshowmick und JB. Vor Ort würden wir dann noch auf Neo treffen, sowie ggf. Vicepoint, Shadow und diverse andere Leute unserer kleinen Gemeinde. Es muss kurz nach 10 gewesen sein, als Micks Mad-Goth Mobil vor dem MG Hauptquartier halt machte, um JB und Kayila einzusammeln. Anschließend fur die Truppe nach Braunschweig weiter, die nächste Mitreisende einsammeln: das Zauberlicht. Kurz nach 12 waren dann alle Dinge verstaut, alle Klärfälle geklärt und die Reise konnte starten. Up-Flug, quasi. Dass aus einer Fahrt, die idealerweise mit Micks Mad-Goth Mobil geschmeidige 3 Stunden, vielleicht auch etwas mehr, gedauert hätte ein ziemlicher nervender Trip von fast 6 Stunden wurde, konnte zu dem Zeitpunkt noch keiner wissen. Jedenfalls machten uns Staus, Stop&Gos und ähnliche, das Vorankommen behindernde Verkehrsprobleme einen Strich durch unsere Planung. Wie so oft saß uns die Zeit irgendwann doch im Nacken, denn Kayila hatte ja schließlich Termindruck, sollte sie doch ab 17 Uhr mit bei der Bändchenvergabe am Eingang mitarbeiten. Darum verwarfen wir die ursprüngliche Planung, uns zuerst mit Neo im Hotel zu treffen, gemütlich anzukommen und vielleicht auch was zu essen und düsten stattdessen gleich in Richtung Tanzbrunnen. Dort setzten wir Kayila ab, damit die ihren Pflichten nachgehen und wir uns schon einmal mit unseren Bändern versorgen konnten. Lob an dieser Stelle an die Veranstalter, die Sache mit dem Pressebändchen bzw. VIP-Tickets hat bestens geklappt.

Nachdem das erledigt war, machten wir dann aber zunächst endlich mal einen Abstecher ins Hotel, wo wir neben dem täglichen Bedarf eine Palette guten 5,0 Bieres einlagerten und uns zur Entspannung das erste Bier des Tages genehmigten. Bei grünem (!), wandseitig angebrachtem Licht. Dieser Aufenthalt war allerdings nur von kurzer Dauer, schließlich hatte man auch Hunger und wollte sich ja, wenn möglich, noch das Newcomer Special geben. Gerade letzteres blieb zum größten Teil Wunschdenken. Denn wir ließen die Autos stehen und machten uns zu Fuß auf den Weg zum nächsten Futternapf. Was für uns das Restaurant zum goldenen M war, ohne zu wissen, was dies für einen zeitraubenden Fußmarsch bedeutete. So war es dann also auch schon recht spät, bis wir eeeendlich mal feste Nahrung in die schon längst knurrenden Mägen bekamen. Viel Zeit zum Rasten blieb nicht, so dass wir unser ach so köstliches Mahl quasi nur herunterschlangen und dann direkt weiterzogen zum Tanzbrunnen, um wenigstens die Reste des Newcomer Specials noch mitzubekommen. Als wir das Gelände erreichten, waren auch schon ein paar Nachwuchsbands mit ihren Darbietungen fertig, wir bekamen nur noch die letzten 2 Songs von Divamee mit, die uns allerdings nicht so wirklich beeindrucken konnten. Während sich die Band also auf der Bühne um die Gunst des Publikums bemühte, bemühten wir uns an der Theke um das nächste Sportgetränk nach Pilsener Machart, begrüßten dabei alte Bekannte (Grüße an alle Braunschweiger an dieser Stelle!) und knüpften Kontakte mit neuen Leuten. JB ließ es sich dann auch nicht nehmen, ein Foto mit Markus Heitz zu machen, den er als Gast mitten im Gedränge erspähte. Danke, Markus!

Die nächste Band, die wir an diesem Abend bewusster wahrnahmen, waren Zin, die letztendlich auch das Rennen machten und die wir demnach auch am Samstag noch einmal zu sehen bekommen sollten. Dieses Newcomer Special hatte neben der Nachwuchsförderung ja auch noch einen weiteren guten Zweck: nach jedem Konzert wurden Spenden gesammelt, deren Höhe die Besucher frei entscheiden konnten und die letztlich der Abstimmung über den Sieger dienten. Darüber hinaus wurden die Einnahmen an den Verein Dunkelziffer e.V. gespendet, einem Verein der Missbrauchsopfer helfen möchte. Dass dabei ein paar Tausend Euro heraussprangen ist eine schöne Sache! Schöner ist noch, dass sich die Veranstalter kurzfristig dazu entschlossen haben, den kompletten Betrag an Dunkelziffer zu spenden und nicht, wie ursprünglich geplant, “nur” die Hälfte. Überdies haben sie den gesammelten Betrag von 2600,- € von sich aus auf 3000,- € aufgerundet, was zur Folge hat, dass mit dem Spendengeld zwei komplette Therapien für missbrauchte Kinder finanziert werden können. Hut ab an alle Spender und das Amphi Team!

Den Rest des Abends verbrachten wir im Theater, kümmerten uns aktiv um die Getränkeentsorgung und plauschten mit vielen, vielen Leuten. Kayila verabschiedete sich recht frühzeitig, da sie am kommenden Morgen ja schon wieder an der Bändchenvergabe helfen sollte, Mick und sein Zauberlicht machten ebenfalls vergleichsweise früh den Abflug in Richtung Hotel. Lediglich Neo und JB wollten sich noch zur Warm-Up Party in den Alten Wartesaal begeben. Wollten, wohlgemerkt. Dekadent wie sie nun mal sind, fuhren sie das kurze Stück vom Tanzbrunnen bis zum Dom natürlich mit dem Taxi. Nur um dann festzustellen, dass die Schlange vor dem Alten Wartesaal locker 50m lang und demnach an ein Hereinkommen überhaupt nicht zu denken war. Das dynamische Duo machte aus der Not eine Tugend und nutzte den Umstand, sich gerade am Bahnhof und somit in der Nähe diverse Fressalienschuppen zu befinden für das erste Frühstück des Tages. Sitt und satt ging es dann zurück ins Hotel, wo dann auch Neo und JB den Tag beendeten.


SAMSTAG, 24.07.2010:

Trotz des angenehmen Umstandes, die Nacht in einem richtigen Bett verbracht haben zu können, fing der Morgen für einige Leute unserer Reisegruppe doch ziemlich matschig an. Neo hatte da eine ganz pragmatische Lösung und bekämpfte eventuellen Kopfschmerz gleich mit einem Konterbier. Noch bevor wir uns zusammen mit dem sideshowmick und dem Zauberlicht aufmachten, um endlich Festival zu feiern, hatte unser Mann für’s Grobe schon die ersten drei Büchsen 5,0 ihres natürlichen Endes zugeführt. Für alle anderen gab es Frühstück und den ersten Becher Kaffee des Tages direkt auf dem Gelände. Wobei es irgendwie schon einer Irrfahrt gleich kam, auf dem eigentlich überschaubaren Festivalgelände einen Kaffee zu ergattern. Während sich die Gewinnerband des New Talents Specials vom Vorabend auf der Bühne verausgabte, drehten wir zunächst eine Runde auf dem Gelände; schon mal in Augenschein nehmen, welche Stände für eine potentielle Investition in Sachen CDs infrage kamen. Nachdem das erledigt war, wandten wir uns dann aber endlich der Musik zu.


ZIN:

Es hatte schon etwas von einem Déjà-vu, als wir das Gelände rund um die Hauptbühne betraten und dort “schon wieder” die Gewinner des Newcomer-Specials, Zinn, aufspielten und ihre Show zum besten gaben. Noch immer klangen sie in unseren Ohren ein wenig nach Placebo, aber das stört ja nicht. Der Frontmann gab sich auf der Bühne auch alle Mühe, dort oben auch den Rock’n'Roll auszuleben: Beck’s trinkend (Überhaupt: warum gab es das scheinbar nur auf und hinter der Bühne? Frechheit!) und Zigarette rauchend stürmte er über die Bühne und begeisterte die versammelte Menge genauso wie am Abend zuvor. Wenn es die Truppe jetzt richtig anstellt, dann wird man möglicherweise über den Tellerrand dieses Amphi Festivals hinaus etwas von ihnen hören. Potential ist da, Live-Qualitäten sind auch bewiesen. Schauen wir mal, wie sich Zinn entwickeln werden.

Setlist

  • 01. 2010
  • 02. HSH
  • 03. Pilgrim
  • 04. Kiss The World Goodbye
  • 05. Symbiosis, Swim!
  • 06. Tourists To This World

Zin @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


DIN-A-TOD:

Das Berlin-Brandenburger Duo Sven und Claudia, die zusammen als Din-A-Tod für ziemlich eigenwillige Elektro-Sounds sorgt, bescherte wohl nicht nur uns das erste etwas befremdliche Erlebnis dieses Festivals. Denn wie der gute Sven da noch während der Vorbereitungen auf der Bühne herumwuselte, am MacBook Tasten drückte und mit seiner himmelblauen Gitarre herumspielte, offenbarte sich dem anwesenden Zuschauer ein krasser Mangel in Sachen Modeverständnis. Mag ja sein, dass es warm war da oben, aber diese bis zum Kragen hochgeschlossene Trainingsjacke mit auffälligem roten Stern auf der Brust, dazu extrem kurze Turnhosen und Sandalen war irgendwie stiltechnisch ein absoluter Griff in die Schüssel. Die Aufmerksamkeit war ihm somit auf jeden Fall sicher; auch wenn Din-A-Tod solcherlei … äh… “eyecatcher” sicher nicht nötig haben. Die Darbietung ihrer Setlist, angefüllt mit Songs der ersten beiden Alben, war gewohnt unterkühlt und minimalistisch, dafür aber auch gewohnt gut. So ganz bis zum Schluss konnten wir diesem Schauspiel allerdings nicht beiwohnen, immerhin hatten wir ja noch eine Verabredung mit Destroid im Staatenhaus.

Din-A-Tod @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


DESTROID:

Mit ihrer aktuellen EP “Silent World” sorgt die Kapelle aus dem schönen Leipzig seit Anfang dieses Jahr bei Geschmacksmenschen innerhalb der Electro-Szene für Begeisterungsstürme. Wer eine Schwäche für feingliedrig arrangierte, mitreissende Kompositionen hat, kommt an “Silent World” nicht vorbei. Logisch also, dass wir uns auch einmal von den Live-Qualitäten dieser Scheibe überzeugen mussten. Dass die Band um Daniel Myrre live begeistern kann, davon hatten wir uns schon auf dem Blackfield letztes Jahr überzeugt. Und welch angenehme Überraschung! Auf den coolen Auftritt vom vergangenen Jahr legte die Band noch ein paar Schippen drauf und präsentierte sich hier als eine extrem spielfreudige Band, die scheinbar nur darauf gewartet hat, die angesammelte Energie auf der Bühne zu entladen. Neben Stücken besagter EP (inklusive des Sisters-Cover “Lucretia My Reflection”) gesellten sich auch Songs des letzten Albums “Loudspeaker” sowie die (laut den Worten Daniel Myers) Ehrerbietung an VNV Nation “Judgement Throne”. Nur um das hier noch einmal deutlich zu machen: musikalisch spielen Destroid schon lange in einer Liga mit den größten Electro-Acts der Szene. Nach dieser überragenden Performance, die wir als eines DER Highlights betrachten, auch live. Gerne wieder und ansonsten zunächst vielen Dank an Destroid für dieses schicke Konzert!

Setlist:

  • 01. Silent World
  • 02. Friend Or Foe
  • 03. Revolution
  • 04. Run And Hide
  • 05. Mourn
  • 06. Leaving Ground
  • 07. Lucretia My Reflection (Sisters Of Mercy Cover)
  • 08. Judgment Throne

Destroid @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


ASHBURY HEIGHTS:

Die Schweden, die kurz vor dem Amphi ihr zweites Album veröffentlichten und damit bei uns für höchste Begeisterung gesorgt haben, gehörten klar zu den Bands, auf die wir uns am meisten freuten. Und auch wenn die drei Figuren auf der Bühne wohl alle gesundheitlich schwer angeschlagen war, wie man hinterher erfuhr, enttäuschten sie unsere Vorfreude und die damit verbundene Erwartungshaltung nicht. Zuletzt hatten wir Ashbury Heights im letzten Jahr auf dem M’era Luna gesehen und damals das Gefühl gehabt, Frontmann Anders zieht dort eine reine Ego-Nummer durch. Dieser Eindruck hat sich in diesem Jahr nicht wiederholt. Ganz im Gegenteil, diesmal war deutlich größere Interaktion mit seiner Bandpartnerin Kari zu beobachten. Zumal sich Kari eh auch nicht die Show stehlen ließ in ihrem entzückenden Kimono-Dress. Einzig der Keyboarder Johan, der fröhlich 2 Flaschen Beck’s leerte, schien einmal mehr seinen ganz eigenen Film gesehen zu haben. An anderer Stelle kamen übrigens “Beschwerden” auf, dass Ashbury Heights zu wenig Hits gespielt hätten. Richtig. Andererseits: angesichts eines Albumlreleases zwei Wochen zuvor war es eigentlich wenig überraschend, dass die Band vornehmlich Stücke vom neuen Album spielt um diese vorzustellen. Und wenn Ihr uns fragt, gibt es mit “I Can Kill You So Easily” oder “Anti Ordinary” (um nur ein paar zu nennen) genügend neue Hits. Uns jedenfalls hat das Ashbury Heights viel, viel Spaß gemacht. Und auch wenn es laut Aussage von Anders das vermutlich einzige Konzert in Deutschland in diesem Jahr war, so hoffen wir doch auf ein baldiges Wiedersehen mit dieser unterhaltsamen Truppe!

Ashbury Heights @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


WELLE: ERDBALL:

Unbestreitbar dürfte dieses Konzert das mit dem höchsten Spaßfaktor gewesen sein. Typisch Welle: Erdball halt. Noch bestens aufgeheitert von Ashbury Heights kurz zuvor freuten wir uns auf die Show, die uns Honey, Alf, Plastique und Fräulein Venus darbieten würden. Und Welle: Erdball enttäuschten nicht! Angefangen bei dem einleitenden Kraftwerk Cover von “Wir sind die Roboter” bis hin zu den Papierfliegern, welche die Truppe bei “Starfighter F-104G” in die Menge warf – Welle: Erdball ließen aber auch nichts aus, was irgendwie Spaß oder die Show aufwändiger als die der lieben Kollegen machen könnte. Klare Highlights: Die ebenfalls obligatorischen Riesenluftballons bei “Schweben, Fliegen und Fallen” – wie man ja weiß, haben wir es mit Ballons. :D Ebenfalls sehr großartig: die live Coverversion des Nicole Klassikers “Ein bisschen Frieden”. Konfettiregen mit Herzchenschnipseln inklusive. In der knappen Stunde, die Welle: Erdball hier zur Verfügung stand haben sie ihr Publikum bestes Entertainment geboten. Wie gesagt: so einen Aufriss wie die Damen und Herren hier hat sonst keine andere Band betrieben. Solltet Ihr zu denen gehören, die Welle: Erdball trotz ihrer ausgedehnten Live-Präsenz noch nicht gesehen haben – bei nächster Gelegenheit unbedingt anschauen, es lohnt sich!

Setlist:

  • 01. Intro
  • 02. Wir Sind Die Roboter (Kraftwerk Cover)
  • 03. Und Es Geht Ab
  • 04. Fred Vom Jupiter (Andreas Dorau Cover)
  • 05. Poupee De Cire
  • 06. Es Geht Voran (Fehlfarben Cover)
  • 07. Ein Bisschen Frieden (Nicole Cover)
  • 08. Schweben, Fliegen, Fallen
  • 09. Ich Bin Aus Plastik
  • 10. Die Falsche Front
  • 11. 0173-1923954
  • 12. Die Stunde: Null
  • 13. Monoton Und Minimal
  • 14. Starfighter F-104G

Welle: Erdball @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


BLUTENGEL:

Ihr wisst es inzwischen sicherlich: Wenn irgendwo Blutengel aufspielen, sind wir dabei. Inzwischen manchmal sicher schon mehr aus Prinzip als noch aus Überzeugung, aber das ist ja zunächst mal nebensächlich. Dass wir in diesem Jahr Blutengel nicht verpassen dürfen stand für uns in dem Moment fest, als die Truppe verkündete, auf dem Amphi mit einer besonderen Tanzshow aufwarten zu wollen. Die in Zusammenarbeit mit dem Quilla Dance Theatre der renommierten Schweizer Choreographin Sarah Keusch und mit den Tänzern der Naway Dance Company entstandene (Tanz-)Performance war dann auch klar das Highlight der Show. Ansonsten wollte bei uns dieses Mal der Funke nicht so richtig überspringen. Mag daran liegen, dass wir Blutengel inzwischen schon sehr oft gesehen haben und uns die Shows nicht mehr so richtig kicken – auch wenn sich die Berliner alle Mühe geben, diese immer wieder zu überarbeiten um ihren Gästen etwas neues bieten zu können. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Constance fehlte und stattdessen eine Tänzerin kommentarlos ihren Part übernehmen musste. Dass Conny ausgestiegen war, wusste zu dem Zeitpunkt ja noch niemand vor der Bühne. Vermutet haben es wohl aber so manche. Mag also sein, dass auch das die Stimmung etwas drückte. Und von Blutengels aktuellem Knaller, “Soultaker”, hätten wir auch irgendwie vermutet, dass es live mehr zündet. So wurde das Konzert dann zu einem Erlebnis, dem durch das kommentarlose Fehlen von Constance ein etwas fader Beigeschmack anhaftete. Die Damen allerdings, die für die Tanzeinlagen zuständig waren, die dürfen Blutengel gerne noch mal mit auf Konzertreisen nehmen.

Setlist:

  • 01. Behind The Mirror
  • 02. The Oxidising Angel
  • 03. Soul Of Ice
  • 04. Winter Of My Life
  • 05. Schneekönigin
  • 06. Dreh Dich Nicht Um
  • 07. Vampire Romance
  • 08. Soultaker
  • 09. Bloody Pleasures
  • 10. Love Killer
  • 11. Engelsblut

Blutengel @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


ANNE CLARK:

Das letzte Konzert, das wir an diesem Samstag mitnahmen, war das der Grande Dame elektronischer bzw. wave-iger Musik, Anne Clark. Wenn man verstehen möchte, warum diese Frau, die ja schon ewig im Geschäft ist, nach wie vor solch eine Popularität genießt, muss man sie wohl einmal live erlebt haben. Flankiert von diversen Musikern stand sie in der Abendsonne auf der Hauptbühne des Amphi Festivals und trug mit einer unfassbaren Gelassenheit und der Selbstsicherheit einer Frau, die konzerttechnisch auch nichts mehr aus den Latschen hauen kann, ihre Texte vor – und verbreitete dabei eine Präsenz, der man sich nur schwerlich entziehen konnte. Und auch wenn die Musik, die Anne Clark macht, so ansich ja nur bedingt tanzbar ist, so gaben sich Besucher vor der Bühne doch sehr ausgelassen und scheinbar sehr angetan dem Spektakel hin. Wie gesagt: es ist fast nicht möglich, sich der Faszination Anne Clarke zu entziehen, wenn sie erst einmal auf der Bühne steht. Für uns ein sehr schicker musikalischer Ausklang eines sehr schicken Festivaltages.

Setlist:

  • 01. The Third Meeting
  • 02. Killing Time
  • 03. Echoes Remain For Ever
  • 04. Alarm Call
  • 05. Short Story
  • 06. The Healing
  • 07. Waiting
  • 08. Off Grid
  • 09. Heaven
  • 10. The Haunted Road
  • 11. Seize The Vivid Sky
  • 12. Full Moon
  • 13. Our Darkness
  • 14. Abuse
  • 15. Boy Racing

Anne Clark @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


SAMSTAGABEND + AFTERSHOW-PARTY MIT DJ JEANNY UND RONAN HARRIS:

Im Anschluss an das Anne Clark Konzert zog es Neo, Kayila und mich zunächst mal zum Hotel zurück. Endlich mal was essen und vor allem auch mal das ein oder andere Bier schnacken. Wir hatten ja immer noch den größten Teil der 5,0 Palette im Zimmer herumstehen und uns mit dem Taxi hin- und herumkutschieren zu lassen und das Bier im Hotel zu konsumieren war effektiver und billiger als auf dem Gelände. 4,50 € für ein 0,4 l Becher von dem, was die Standbetreiber für Bier hielten war uns einfach zu fett. Zumal: auch nicht alkoholische Getränke waren genauso teuer. Neben der (diverse Male in diesem Artikel erwähnten) Sache mit den Toiletten eines der beiden großen Mankos dieses Festivals.

Na wie auch immer. Gegen 23 Uhr waren wir, entsprechend betankt, wieder auf dem Gelände. Schließlich stand für heute noch die Aftershow-Party mit Ronan Harris und unserer Lieblings-DJane Jeanny auf dem Zettel. Die Party sollte im Theater stattfinden und angesichts der Tatsache, dass dieses Gebäude ein doch recht kleines Fassungsvermögen hat und das Amphi Festival in diesem Jahr wieder einmal ausverkauft war, musste man also nicht unbedingt die Glaskugel bemühen um zu wissen, dass dort ziemlich schnell ziemlich nix mehr gehen würde, was den Einlass betraf. Und richtig, so war es dann auch. Kein Einlass mehr, rien ne va plus! Dank Vitamin B schafften es Neo und JB dann aber doch noch in den aufgrund der Temperaturen an einen Pumakäfig erinnernden Kessel. Gerade noch rechtzeitig, um Zeuge des fröhlichen Treibens hinter dem DJ-Pult zu werden. Ronan und Jeanny zusammen hinter dem Mischpult ist ja zumindest für Braunschweiger kein ungewohnter Anblick. Immerhin dürfen wir hier einmal im Jahr in der Meier Music Hall die VNV Nation Nicht feiern, bei dem das sympathische, dynamische Duo ebenfalls für die Beschallung sorgt. Aber dennoch: während Ronan förmlich übersprühte mit ansteckender guter Laune, haben wir “unsere” Jeanny noch nie so glücklich gesehen. Zumindest kam es uns so vor. Die beiden nutzten die Stunde, die ihnen dafür zur Verfügung stand, auch bestens aus und boten den Gästen das, was angeschrieben stand: Aftershow PARTY! Schade nur, dass den beiden nur diese knappe Stunde eingeräumt wurde. Ich bin mir sicher: nicht nur wir hätten uns das gerne noch etwas länger gegeben. Nachdem die “Arbeit” von Jeanny und Ronan getan war, verließen auch wir das Theater und traten dann die Heimreise in Richtung Hotel an. Schließlich stand uns ja noch ein weiterer Festivaltag bevor, für den wenigsten halbwegs fit sein wollten.

Aftershow-Party @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


SONNTAG, 25.07.2010:

Im Gegensatz zum Vortag fing der Sonntag diesmal ohne Bierfrühstück, dafür aber mit richtiger Nahrungsaufnahme an. Nachdem sie sich einigermaßen wieder in Menschen verwandelt hatten, stiegen Neo und JB ins Auto, auf der Suche nach einer Bank – und einem Bäcker. Irgendwie brauchte es eine schnuckelige Sightseeing-Tour quer durch halb Köln, bis wir beides gefunden und uns als Grundlage mal die Plauze vollgeschlagen hatten. Dabei war Time einmal mehr Ilke a bullet, immerhin standen für 12.15 Uhr schon Escape With Romeo auf dem Plan, die keinesfalls, unter gar keinen Umständen verpasst werden durften! Und es war schon 11 Uhr, als die feinen Herren endlich mal das Hotel verließen. Wieder einmal mit mehr Glück als Verstand gesegnet schafften sie es dann aber doch noch rechtzeitig zum Gelände und dann ins Staatenhaus, wo sie zunächst auf Kayila trafen und anschließend Zeuge nicht nur des ersten Highlights des Tages wurden, sondern gleichzeitig einem der besten Konzerte dieses Festivals beiwohnten.


ESCAPE WITH ROMEO:

Es gibt Bands, die Musik machen weil sie damit idealer weise so viel Geld verdienen lässt, dass man davon leben kann. Es gibt aber auch welche, für die das Musik machen eine Berufung, eine Mission ist. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet gestalten sich auch die Live-Auftritte entsprechend. Die einen absolvieren eine Pflichtübung, ein “ich muss das jetzt machen weil mein Label das gerne so hätte” und/oder eine reine Routineveranstaltung. Bei den anderen merkt man das Herzblut, die Leidenschaft die schon in die Entstehung der Songs geflossen ist, auch live an. So zum Beispiel bei Escape With Romeo, der ersten Band, die wir am Sonntagmorgen angeschaut haben. Die Kölner sind scheinbar nicht gerade bekannt dafür, übermäßig viel auf Festivals unterwegs zu sein (weit jenseits des Ruhrgebiets irgendwie gleich gar nicht), daher war der Gig von EWR für uns auch eine Premiere. Der Studiosound von EWR ist ja angenehm entspannend, genau richtig um abends die Seele baumeln zu lassen. Live hingegen legt die Truppe um Thomas Lebern allerdings einige Schippen in Sachen Energie drauf und präsentierte sich an diesem Sonntag als extrem spielfreudige Band, die ihre Setlist nicht in den bekannten Studio-Versionen herunterrasselten, wie das bei Konzerten gerne so üblich ist, sondern viele Songs in eine Art “extened” Fassung verwandelten – was beim Publikum auch entsprechend gut ankam. Apropos Publikum: dafür, dass Escape With Romeo die erste Band waren, die an diesem Festivalsonntag aufspielten und es die erste Band an so einem Tag für gewöhnlich ziemlich schwer hat, war nicht nur die Stimmung im Staatenhaus super – selbiges war auch schon erstaunlich gut gefüllt! Alles in allem boten Escape With Romeo ihren Gästen hier ein schönes Konzert handgemachter, klassischer Rockmusik und uns eines DER Highlights dieses Festivals. In der Gewissheit, diese Truppe mit Sicherheit nicht zum letzten Mal angeschaut zu haben, verließen wir im Anschluss an dieses Konzert das Staatenhaus und schlenderten hinüber zur Hauptbühne, wo parallel Mono Inc. spielten.

Setlist:

  • 01. Intro
  • 02. Helicopters
  • 03. Glitter on the snow
  • 04. Somebody
  • 05. It’s loneliness
  • 06. Anteroom
  • 07. White room
  • 08. Addiction

Escape With Romeo @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


MONO INC:

Auch die Gothic Rocker von MONO INC. gehören klar zu der Sorte Bands, die für die Bühne geboren sind. Fast scheint es so, als machten sie die Musik im Studio nur, damit sie wieder einen guten Grund haben, auf Tour zu gehen und ihre stetig wachsende Fan-Gemeinde live zu unterhalten. Als wenn sie dafür einen Grund bräuchten. Wer Mono Inc. einmal live gesehen hat, wird gerne bestätigen können, dass so viel Energie, so viel ansteckende Freude am eigenen Tun und so viel gute Laune während eines Gigs in dieser geballten Konzentration nicht zu häufig anzutreffen ist. Wir hatten Mono Inc. zuletzt vor ziemlich exakt einem Jahr gesehr gesehen, nämlich ebenfalls beim Amphi Festival auf der Hauptbühne. Und der gute Eindruck, den Martin Engler und seine Bandkollegen damals hinterließen sorgte bei uns einstimmig für eine “Jo, gerne wieder”-Reaktion. Und auch wenn wir 2010 nur Teile des Konzerts gesehen haben, so steht auch in diesem Jahr fest: Jo, gerne wieder. Die Stimmung, die Mono Inc. bei der vor der Bühne versammelten Menge erzeugt ist schlicht zu mitreißend und die Konzerte zu gut, um sich das einfach so entgehen zu lassen. Direkt im Anschluss an dieses schöne Konzert zogen wir zunächst weiter, um die Kehle vor dem Austrocknen zu bewahren. Gestärkt mit einem Pils zu nach wie vor unverschämt hohen Preisen hieß unsere nächste Station Theater, denn hier würde nun gleich Dr. Mark Benecke, in der Szene längst zur Kultfigur avanciert, einen Vortrag halten.

Mono Inc. @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


DR. MARK BENECKE:

Bevor wir an dieser Stelle über den Vortrag von Herrn Benecke zu sprechen kommen, muss einmal mehr ein ganz eklatantes Problem des diesjährigen Festivals angekreidet werden: die Sache mit den Toiletten. Oder besser: den albernen Öffnungszeiten selbiger. Es kann einfach nicht sein, dass das Theater bereits ab 12 Uhr geöffnet hat und hier Aktionen stattfinden (wie etwa die Präsentation des neuen Welle Erball Films “Operation: Atahualpa”), die Toiletten in diesem Haus aber erst ab 17 Uhr zur Benutzung freigegeben sind. Es ist nicht das erste Mal, dass uns diese Sache sauer aufstößt. Es hilft ja alles nichts, das die Klos vorbildlich gereinigt werden und über den Bonus verfügen, stationär und nicht nur Dixies zu sein, wenn man sie nur innerhalb gewisser Zeitfenster aufsuchen kann. Aber gut, das nur am Rande. Eigentlich soll es in diesem Abschnitt um Herrn Benecke gehen. Aufgrund der Toilettengeschichte (und der damit einhergehenden, zeitraubenden Wanderung über das Gelände nach dem nächsten Toi Toi) blieb für Kayila, Neo, Shadow, farfetched und JB nur ein schöner Stehplatz am Ende der Halle übrig. Sitzen wird auch eh überbewertet, auch wenn das sideshowmick und Zauberlicht sicherlich anders sehen. Die nämlich hatten es sich rechtzeitig angenehm weit vorne bequem gemacht und bekamen Herrn Benecke während seines gewohnt hektischen Vortrags sicher auch zu Gesicht, während uns nur Zuhören und Fotos anstarren übrig blieb. Macht aber nix, auch nur gehört ist so ein Vortrag des Kultforensikers jedes Mal ein unterhaltsames Erlebnis. Auch wenn auf dem Amphi eines sehr deutlich wurde: eine knappe Stunde, wie sie Herr Benecke hier zur Verfügung hatte, reicht hinten und vorne nicht. So hat er zwar jede Menge erzählt, am Ende aber irgendwie doch nichts gesagt. Liebes Amphi-Team: holt den Mark auch im nächsten Jahr gerne wieder nach Köln – aber lasst dem guten Mann dann bitte auch mindestens 2 Stunden Zeit. Wie wir damals auf dem WGT festgestellt haben, sind 2 Stunden auch mindestens nötig, damit er genug Zeit hat, alles zu sagen was er sagen möchte, eventuell noch zu einem bestimmten Thema seines interessanten Aufgabengebiets und – viel wichtiger – damit auch die Amphi Besucher etwas davon haben. So bleibt es denn unterm Strich ein einmal mehr spaßiges Erlebnis, wo aber wohl niemand mehr genau sagen könnte, um was es eigentlich ging. Fotos gibt es auch diesmal wieder nicht, da der Doktor nach wie vor nicht möchte, dass die Fotos die er da so zeigt, durch die Welt zirkulieren.


MESH:

Die Briten von Mesh haben wir auf diesem Festival zum wiederholten Male gesehen. In unserem Bekanntenkreis herrscht die Meinung, dass man die sympathische Synthie-Pop Band gar nicht zu oft gucken könne, weshalb ein großer Teil des aus Braunschweig angereisten Partyvolks auch dieses mal wieder zu Mesh pilgerte. Unsereins hätte sich den Ausflug aufgrund der immer gleichen, sehr soliden aber eben etwas überraschungsarmen Show wohl gespart, wenn nicht im Vorfeld bekannt geworden wäre, dass für das Stück “Who Says” des aktuellen Albums “A Perfect Solution” auch Duettpartnerin Julia Beyer mit der auf der Bühne stehen würde. Ehrensache für uns, dass wir als Chandeen-Fans dann natürlich dem Auftritt von schreibenden (und singenden!) Kollegen beiwohnen. Aller Nervosität zum Trotz legte Frau Beyer eine überzeugende Show hin – jedenfalls für die knapp fünf Minuten, die ihr dafür zur Verfügung standen. Mesh selbst sind scheinbar schon zu lange auf den Bühnen dieser Welt zuhause, womit wir wieder bei der Ausgangsproblematik angelangt wären: die Briten machen super geschmeidige Musik, aber ihre Auftritte sind uns schon eine Spur zu routiniert, zu professionell. Wenn es allerdings hinreicht, sich beschallen zu lassen und sich ganz der Musik hinzugeben um zu tanzen, dann wird man von Mesh bestens bedient. So wie auch in diesem Jahr wieder bewiesen.

Mesh @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


COMBICHRIST:

Es ist immer wieder ein besonderes Vergnügen für Fans und Zuschauer, wenn einer der Lieblings-Acts von einem anderen, mit der gleich aufspielenden Band befreundeten Künstler angekündigt werden. So geschehen beispielsweise im letzten Jahr auf dem Blackfield, als sich Diary Of Dreams und VNV Nation gegenseitig ankündigten. Beim Combichrist Konzert hier waren es die Herren Mark Jackson und Ronan Harris, welche Andy La Plegua und seine Truppe “Combi fcuking Christ” ankündigten. Da kommt doch Laune auf. Wer Combichrist einmal live gesehen hat, weiß, dass die Jungs auf der Bühne wirklich alles tun, damit die Zuschauer, die sich hier in eine einzige, wabernde Masse verwandeln, am Ende des Konzerts durchgeschwitzt, ausgepowert aber glücklich davon ziehen. So auch diesmal: der scheinbar ewig gut gelaunte Andy wirbelte einmal mehr wie ein Derwisch über die Bühne, der Drummer hatte wie so oft einen großen Verschleiß an Drumsticks und ansonsten möchte man sagen: jo, Combichrist halt. Als Bonbon gab es noch die neue Single “Never Surrender” des kommenden neuen Albums “Making Monsters” auf die Ohren. Grundsolide Show, deren Spaßfaktor allerdings leider durch ein paar Faktoren getrübt wurde: zum einen gefällt uns Combichrist in Clubs irgendwie besser. Die fetten, bisweilen sogar erdrücken Soundgewitter verlieren auf so einer Freilichtbühne etwas an Wirkung. Zudem setzte während des Konzerts der Regen ein, der uns den ganzen restlichen Sonntag über begleiten sollte. Und dann ziehen Bands wie Combichrist natürlich auch die Sorte Zuschauer an, die sich nicht darauf beschränken können, einfach nur zu tanzen, sondern auf Gedeih und Verderb alles um sich herum anspringen, herumschubsen und was weiß ich sonst noch. Ob man vielleicht *nur* zuschauen möchte oder gar eine teuere Kamera in der Hand hält und eventuell ein paar Fotos machen – völlig Wurst. Da wir so ein paar Helden direkt um uns herum hatten, zogen wir es dann irgendwann vor, Andy und seine Truppe gute Leute sein zu lassen und zum nächsten Bierstand zu wandern. Schon allein um uns vor dem stärker werdenden Regen zu schützen. Aus diesem Grunde haben wir übrigens ab diesem Zeitpunkt auch keine Fotos mehr machen können.

Combichrist @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


ASP:

Klar: Wenn ASP aufspielen auf einem Festival, dann sind wir natürlich dabei. Die Frankfurter Gothic Novel Rocker um Alexander Spreng sind schon lange bekannt und berühmt dafür, ihre Konzerte in eine einzige große Party zu verwandeln. Die ASP Musiker gehören auch ganz klar zu den Leuten, die für Live-Auftritte geboren sind und ihre Musik, ihr Tun auf der Bühne leben und mit ihren Fans ausgiebig feiern. So war es denn auch in diesem Jahr wieder. Da machte es auch irgendwie nichts, dass sich gefühlt schon das halbe Amphi unter den großen Pilzen vor der Hauptbühne drängte, um so dem inzwischen ziemlich starken Regen zu entgehen. Wir hatten, bedingt durch den vorangegangenen Ausflug zur Biertanke vorher, allerdings das Pech, den Rand des Schirms gerade so zu erreichen. Der reichte halt nicht mehr so ganz, als dass wir uns alle noch hätten unterstellen können. Und während ASP auf der Bühne ein Feuerwerk ihrer Hits abfackelten, zog es JB, der inzwischen fast klatschnass geregnet war, einmal mehr in Richtung Biertanke auf der Flucht vor dem echt kühlen Nass aus Richtung Himmel. Es mag am Wetter gelegen haben, aber der Auftritt des schwarzen Schmetterlings hat uns in diesem Jahr nicht ganz so gut gefallen wie der auf dem Blackfield letztes Jahr. Wobei fairerweise auch gesagt werden muss, dass im letzten Jahr aufgrund des Feuerwerks etc. die Messlatte auch einfach unglaublich hoch gelegt wurde.


VNV NATION:

Für den Abschluss dieses Festivals, die sympathisch-dynamische Duo VNV Nation drängelten wir uns wieder noch ein Stück weiter nach vorne in der Hoffnung, durch die Menschenmenge wenigstens vor den inzwischen doch recht frischen Temperaturen geschützt zu sein. Als der Anpfiff erfolgte, war irgendwie das komplette Amphi Publikum vor der Hauptbühne versammelt. Kein Wunder, VNV Nation dürften wohl ohne Übertreibung einer DER Lieblings-Acts in der Szene sein. Auf der Bühne mit ihrer schnuckeligen, wenn auch inzwischen bekannten Lichtanlage bot sich ein ebenfalls inzwischen gewohntes Bild: am Keyboard Tom von [:SITD:], hinter den Drums ein fröhlicher Mark Jackson und am Mikro ein unglaublich gut gelaunter, höchst energiegeladener Ronan Harris. Während VNV Nation dort eine Art Best-Of Programm abspielten und keine Wünsche offen geblieben sein dürften, mussten Kayila und JB die ausgelassen feiernde Menge etwas eher verlassen. Kreislaufprobleme und so. Neo, sideshowmick und Zauberlicht hielten die Stellung, tanzten, feierten und grölten sich die Seele aus dem Leib, Kayila und JB hingegen gingen zunächst auf Nahrungs- und anschließend auf Getränkesuche. Derart gestärkt bestand für die beiden keine Chance mehr, noch irgendwie in den Pulk zum Rest der Truppe zurückzukehren. Also wanderten sie noch zum offiziellen Merchandise-Stand, erwarben noch diverse T-Shirts und betrachteten sich das Spektakel – also die wabernde Masse tanzfreudiger Zuschauer im Spotlight – von der anderen Seite. Randnotiz: Am Merchandise-Stand kam es dann noch zu einem kurzen Meet&Greet zwischen JB und Dependent Boss Stefan Herwig. Schönen Gruß an dieser Stelle!

Setlist:

  • 01: Pro Victoria
  • 02: Tomorrow Never Comes
  • 03: Testament
  • 04: Genesis
  • 05: Darkangel
  • 06: Further
  • 07: Sentinel
  • 08: Chrome
  • 09: The Great Divide
  • 10: Illusion
  • 11: Standing
  • 12: Honour 2003
  • 13: Nemesis
  • 14: Beloved
  • 15: Perpetual

VNV Nation @ Amphi Festival 2010 | Mad-Goth Gallery


SONNTAGABEND:

Scheinbar lief es bisher zu gut auf diesem Festival. Irgendwie musste scheinbar noch etwas schiefgehen. Und so kam es dann auch: beim fröhlichen Herumstehen und Resümieren mit dem Nightcrawler, AntiUs und diversen anderen Leuten passierte es, dass Kayila scheinbar aus heiterem Himmel mit einem Fuß umknickte – und sich dabei einen anständigen Bänderriss zuzog. Dergestalt mit einem Handicap versehen, war der Festivaltag damit natürlich schlagartig erledigt, so dass wir uns ins Hotel zurückzogen. An der guten Laune änderte dies aber trotz allem nichts.


FAZIT:

Das Amphi Festival war auch in diesem Jahr wieder ein berauschendes Festivalerlebnis, das viele Pluspunkte auf der Habenseite für sich verbuchen kann: angefangen von dem großartigen Line-Up über die (weitestgehend) sehr gute Organisation, erfreulich wenig Technikprobleme, Essenstände bei denen man speisen konnte ohne eine Lebensmittelvergiftung fürchten zu müssen sowie nicht zuletzt die Möglichkeit, sich ans Rheinufer zu setzen und mal etwas zu chillen. Es gibt aber auch Punkte, die in diesem Jahr ziemlich negativ aufgefallen sind und daher nicht unerwähnt bleiben können: die Getränkepreise sind mit “unverschämt” noch wohlwollend umschrieben. Und: Die Toilettensituation war eine Katastrophe. Freitagabend nirgendwo mehr der Notdurft nachgehen zu können, weil entweder alles zu oder abgesperrt ist, kann nicht sein. Stellt nächstes Mal mehr Dixies auf oder so etwas, weil das trübte den ansonsten durchweg guten Eindruck schon.

Das sind nun aber keine Probleme, die sich nicht lösen ließen. Somit kann, darf und sollte man sich auch schon mal auf den Juli 2011 freuen, wenn das nächste Amphi Festival, dann übrigens schon das 7., stattfinden wird. Schließlich haben wir es hier mit einem der großartigsten Festivals der Szene zu tun, das in diesem Jahr sicherlich nicht das letzte Mal komplett ausverkauft war. Wir jedenfalls unternehmen auch 2011 gerne wieder die Reise nach Köln!

PS: Wünschenswert wäre in der Programmplanung für das nächste Jahr vielleicht etwas mehr Mut zur Lücke. Abgesehen davon, dass es ja so viele Bands gibt, die nicht ständig auf Festivals zu sehen sind und auch sicherlich noch genügend Newcomer, die man dort spielen lassen könnte, hätten wir im nächsten Jahr gerne Frank Zander…


Amphi Festival 2010 – Die Galerie


Links


Diskussion im Forum:

Verwandte Artikel: