Die Berliner Rock-Newcomer Baby Universal veröffentlichen nach drei Jahren Bandgeschichte endlich ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Irgendwo zwischen modernen Sounds wie Stanfour und Mando Diao und Retro-Rock, beschreibt die Combo sich selbst gern als Mischung aus den 70ern, den Doors und INXS. So oder so, Baby Universal nehmen ihre Hörer mit auf einen musikalischen Road Trip.
Mit dieser Band machte ich es mir zunächst etwas schwer. Das ist so gar nicht meine Musik, dachte ich, und trotzdem ist sie gut. Baby Universal gehören meiner Meinung nach höchstens in die Alternative Szene und hätten allein deswegen eigentlich keine Chance, in meinem Regal respektive Plattenteller zu landen. Gleichzeitig machen sie aber die Art von Musik, bei der ich froh und dankbar bin, wenn sie ab und zu im Radio spielt. Kurz: für „normale“ Musik ausgesprochen okay, was ich öffentlich natürlich niemals zugeben würde. Mit der entsprechenden Lobby wird diese Band ganz sicher die regulären Charts stürmen, da gehe ich jede Wette ein.
Langes Labern, kurzer Sinn - fangen wir besser gleich mit dem ersten Track Heartrightout an. Mir gefällt die klare Stimme gut, bei den ersten Tönen glaubte ich allerdings schon, versehentlich an Bauhaus geraten zu sein. Überhaupt gibt es bei Baby Universal so einige Retro-Anleihen, die manchmal etwas arg scheppern und twängen, aber das ist, wie so vieles, eben Geschmackssache. Den vergleich mit Michael Hutchence kann ich bisher nicht so richtig nachvollziehen, vielleicht muss man Frontsänger Cornelius Ochs dazu einfach in Aktion erleben. A Ghost Is In The House ist ein eingängiger Rocksong, hier wird viel Wert auf eine melodiöse Hook gelegt, die mich gekonnt von den etwas eintönigen Retro-Gitarren ablenkt. Persönlich hätte ich das jetzt sofort mit einigen Keyboardklängen unterlegt, aber auf mich hört wahrscheinlich keiner. Mir fällt erst nach einigen Songs auf, wie kurz die einzelnen Stücke tatsächlich ausgefallen sind, besonders wo der Trend zu immer expandierenderen Tracks geht. Bye Bye Love ist purer Rock ‘n’ Roll mit einem Augenzwinkern, dem ich mich endlich auch nicht mehr verschließen kann. Ich ziehe direkte Vergleiche: ein bisschen Stray Cats, etwas Elvis Presley, vielleicht eine Prise Baseballs – zumindest die Richtung stimmt, da bin ich mir sicher. Gefällt mir überraschend gut, obwohl ich der festen Überzeugung war, seit meinem letzten Wochenendbesuch bei einem befreundeten Rockabilly-DJ für alle Zeiten mit dieser Musik einigermaßen auf Kriegsfuß zu stehen. Alright In The Air wiederum ist eine Mischung aus modernem Rock und 80er wie Icehouse. Wieder höre ich kein INXS raus, obwohl ich damals ein Fan war und es wissen müsste. Trotzdem ein schöner Song mit klaren Gesangslinien. Die Lieder sind abwechslungsreich, da muss ich einigen Respekt zollen, obwohl sie sich im Ganzen – bis auf Dance Radio vielleicht – im Midtempo-Bereich bewegen. Dieser Song ist übrigens auch ihr erster richtiger Hit, zu dem es auch ein Videoclip gibt. Dance Radio ist ebenfalls ziemlich basslastig, was so etwas wie ein Markenzeichen zu sein scheint. Ein guter Song zum Feiern und genauso für einen heißen Trip auf einem staubigen Highway (den wir hier allerdings nicht haben). Mit der richtigen Lobby wird es diese Band in jedem Fall mit Leichtigkeit in die regulären Charts schaffen. Ich frage mich ernsthaft, ob Mother nur zufällig an das gleichnamige Lied von Danzig erinnert, sicher bin ich mir nur darin, dass dieser Song live zum Mitsingen einläd. Ha! Boys And Girls erinnert mich zumindest streckenweise tatsächlich ein wenig an die Doors – und an Johnny Cashs Gitarre. Kennt noch jemand die Shadows? Irgendwie musste ich gerade an die denken. An dieser Stelle gefällt mir zum ersten mal auch die Gitarre richtig gut. Girls Of Mars wiederum hätte man genauso gut auch weglassen können, dieser Track ist einfach unspektakulär.
Insgesamt bin ich zwar nicht sonderlich schwer beeindruckt, aber angenehm überrascht. Die Herren um den – wie es heißt – charismatischen und gutaussehenden Frontmann sollen exquisite Live-Qualitäten besitzen, was ich per se durch Ferndiagnose kaum verifizieren kann. Wer mit ihrem Erstling auf den geschmack gekommen ist, sollte Baby Universal also ruhig mal selbst in Augenschein nehmen.
Fazit: Retrorockiger, stark reduzierter Gitarrensound mit modernem Hintergrund. Facettenreich und mit alternativer Gesamtnote sind Baby Universal keine oberflächliche Spaßkapelle, sondern haben durchaus Substanz und heben sich auch sonst angenehm vom Einheitsbrei ab.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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Links
- http://www.baby-universal.com
- www.myspace.com/thebabyuniversal
- www.lastfm.de/music/The+Baby+Universal












