Drei Jahre nach ihrem Erfolgsalbum “Walking with Strangers” sind die sympathischen Kanadier von The Birthday Massacre zurück und präsentieren ab dem 17. September ihr neues Album “Pins and Needles”, dessen Coverartwork euch im traditionellen schwarz/lila im Regal entgegen leuchten wird. Unglaublich, daß schon wieder drei Jahre seit ihrem letzten Longplayer vergangen sind. Dafür hatten uns TBM jedoch die Wartezeit mit der EP “Looking Glass” sowie die Live CD/DV D “Show and Tell” versüßt. Nun steht also ihr neues Fulltime-Album in den Startlöchern und wir werden euch verraten, ob sie das Niveau des Vorgängers halten konnten.

TBM schließen musikalisch dort an, wo sie mit “Walking with Strangers” aufgehört haben. Der Unterschied ist allerdings, daß es hier deutlich weniger ruhigere Stücke gibt als beim Vorgänger, der Schwerpunkt wird klar auf die rockige Seite TBMs gesetzt. Das bedeutet auch, daß die typischen Keyboardklänge und Wave-Elemente, die den Hörer abermals auf der Reise durch ein märchenhaftes düsteres Zauberland begleiten, natürlich auch nicht auf der neuen Scheibe fehlen werden. Dies beweist bereits der Opener “In the Dark”, der alle typsichen Elemente von The Birthday Massacre in sich zu vereinen vermag. Hier bekommt der Hörer die ideale Kombination aus Power,  Gefühl, Sehnsucht und Orwurmcharakter serviert. Apropos Ohrwurm: Song Nummer 2, namentlich “Always”, ist der Titel mit dem stärksten Wiedererkennungswert, der sich garantiert als eine Bank herausstellen wird. Denkt man sich Chibis wunderschöne Stimme einmal weg, hätte der Track auch von Brian Molkos Kapelle Placebo sein können.  In “Sleepwalking” zeigt Frontsau Chibi erneut ihre gesanglichen Qualitäten, die vielleicht nie so gut rüberkamen wie auf diesem Album.  Dieser Song ist sowohl eines der härtesten TBM-Stücke, das sich vermutlich sogar in einem Metal-Club auf der Tanzfläche gut machen würde, andererseits handelt es sich dabei auch um eines der eingängigsten Stücke der Band. Damit mutiert “Sleepwalking” ohne viel Aufwand zu einer echten Partygranate und zu den Favoriten auf “Pins and Needles”.  Insgesamt haben es 11 Songs auf die Platte geschafft, von denen wirklich kein einziger Lückenfüller dabei ist. Jeder Titel geht sofort ins Ohr und funktioniert auf Anhieb. Irgenwann fragt man sich allerdings doch, wo sie denn bleibt, die obligatorische TBM-Ballade… Handelte es sich bis zum Schluß um 10 mitreißende Midtempo bis Uptempo Nummern, so schlagen die Kanadier mit dem finalen Titel endlich ruhigere Töne an. Zwar reicht “Secret” niemals an das übermächtige “Movie” vom “Walking with Strangers”-Album heran, aber als Abschluß für “Pins and Needles” ist es eine außerordentlich gute Wahl gewesen.

Produziert wurde die Platte übrigens von niemand geringerem als von David Ogilvie, der bereits bei Künstlern wie Marilyn Manson oder  Skinny Puppy Hand angelegt hat. Ohne Zweifel: Die hervorragende Produktion fällt sofort bei den ersten Tönen auf. So klingt einfach ein perfekt produziertes Rockalbum mit entsprechend hohen Keyboardeinflüssen. Die hohe Gesangsqualität Chibis wurde hier ja bereits erwähnt. Reich technisch also kann es hier nur Bestnoten regnen.

Nörgler werden sicher behaupten, daß sich am Sound von TBM seit Jahren nichts geändert hat. Die Titel könnten auch genauso gut auf “Violet” oder “Walking with Strangers” vertreten sein. Nun… das ist durchaus nicht ganz falsch und sicherlich sollten die sechs Damen und Herren darauf achten, sich nicht selbst in ihrem eigenen Klangkosmos zu verlaufen und sich stets neu zu kopieren. Daß das nicht einfach ist, sollte klar sein und noch funktioniert das Konzept auch. Aber auf lange Zeit gesehen sollte nach neuen Einflüssen gesucht werden, um die Musik noch variantenreicher zu gestalten.

Ich bin sehr zufrieden mit dem neuen Werk von The Birthday Massacre, auch wenn es in der Tat wenig Neues im Klangbild zu entdecken gibt. Aber da sich TBM nunmal wie keine andere Band anhören, empfinde ich das persönlich auch nicht als allzu schlimm. Außerdem sind die sechs Musiker noch lange nicht am Ziel angekommen und haben noch lange nicht ihren Zenit überschritten, als daß es hier nicht noch Zeit gäbe, irgendwann einmal neue oder andere Einflüsse in ihren eigenen Stil mit zu verarbeiten. Mit “Pins and Needles” jedenfalls haben sie die hohe Meßlatte, die sie sich selbst mit “Walking with Strangers” gelegt haben, spätestens im zweiten Versuch genommen. Mit Sicherheit wird dieses Werk in der Jahresendauswertung einen guten Rang belegen.


Wertung


Trackliste

  1. In the Dark
  2. Always
  3. Pale
  4. Control
  5. Shallow Grave
  6. Sideways
  7. Midnight
  8. Pins and Needles
  9. Two Hearts
  10. Sleepwalking
  11. Secret

Anspieltipps

  1. In the Dark
  2. Always
  3. Sleepwalking

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