Als ROTERSAND die ersten Infos bezüglich der nun vorliegenden “Waiting To Be Born” EP durchsickern ließen, sagten sie, die Scheibe sei anders als jede vorherige Veröffentlichung – und fürchteten gleichzeitig, “jeder” könnte finden, sie klänge wie immer. Nun frage ich Euch: wie viel mehr soll eine EP noch bieten als 3 der besten Songs überhaupt in der Karriere einer Band?
Mit dem Titelstück “Waiting To Be Born” haben sich die Gelsenkirchener konsequenterweise das stärkste Stück des zurückliegenden Albums “Random Is Resistance” herausgepickt. Ein Album übrigens, das ja nicht überall auf ungeteilte Gegenliebe stieß. Auch der Autor dieser Zeilen war nicht gänzlich überzeugt von dem mit Stärken und Schwächen geprägten Werk. “Waiting To Be Born”, da schienen sich aber alle einig, ist und bleibt eine mächtige Electro-Hymne, die hier in zwei Versionen angeboten wird: Full und Reworked. Beide mit entsprechend Schmackes unter der Haube, um den Volk in den Clubs Bewegung zu entlocken. Einziger Wehrmutstropfen an dieser Stelle: die Albumversion, die mit gemächlichem Tempoaufbau zum musikalischen Höhepunkt gelangt, fehlt hier. Sie hätte das “Waiting To Be Born” Dreigespann komplettiert, aber wir wollen nicht kleinlich sein.
Wie das bei EPs quasi obligatorisch ist, finden sich aber noch diverse andere Neuabmischungen auf dieser Scheibe. So zum Beispiel “A Number And A Name” in einer Stripped Down Version, die mir nach wie vor auf den Zeiger geht wie schon auf dem Album. Das Stück “First Time” wurde hier von den Kollegen und städtischen Nachbarn Rotersands, [:SITD:], geremixt. Dass die Herren von [SITD] zweifelsohne die Könige des Remixen sind, hat sich sicherlich inzwischen herumgesprochen. So wurde dann auch ihre Version eine pathetische, gleichwohl hymnische und rundherum gefällige Neuinterpretation. Es zeigt sich hier einmal mehr, dass Rotersand und [SITD] eine Kombination ist, die bestens funktioniert.
“War On Error” kommt hier im Ivardensphere Remix daher, lässt die orchestralen Elemente des Originals vermissen, gefällt dafür aber mit einer deutlich TBM-lastigeren und somit clubtauglicheren Ausrichtung. “If You Don’t Stop It” als Hazardous Dub hingegen schlägt aufgrund der Soundartefakte und der schwerfälligen Beats eine recht verstörende Richtung ein.
Soweit so gut. Die Remixe mögen ja alle ingesamt recht geschmeidig ausgefallen sein, sind für sich allein betrachtet allerdings noch kein Kaufgrund. Den liefert das Trio mit den drei bisher unveröffentlichten Songs “A Strange Kind Of Love”, “All These Moments” und “Wasted Wings” ab. Wer auch immer vielleicht glaubte, Rotersand hätten an Innovationskraft und Experimentierfreude verloren, wird hier auf sehr deutliche Weise eines besseren belehrt. Das geschmeidig fließende “A Strange Kind Of Love”, ursprünglich aus dem Hause Peter Murphy, wird vor allem von dem Einsatz eines Pianos und einmal mehr Rascs ausdrucksstarker Stimme getragen. “All These Moments” legt an Tempo etwas zu, ist stimmungstechnisch ähnlich dezent melancholisch ausgerichtet und gefällt durch Tranceelemente und dem hintergründigem Einsatz von etwas, das sich für mich fast wie eine Fender-Gitarre anhört. Den krönenden Abschluss dieser – man möchte fast sagen Trilogie – bildet aber die ergreifend schöne Ballade “Wasted Wings”. Sind das echte Drums? Ein echtes Piano? Oder anders: verschmilzt hier auf gekonnte Weise akustisch und elektronisch und erschafft so ein Klangkosmos, in dem man sich nur allzu gerne verliert? Hört sich so an und das Ergebnis ist berauschend. Mag man von den Remixen halten was man will, allein die gerade vorgestellten Songs sind ein faszinierender Beleg dafür, was Rotersand zu leisten vermögen.
Na Gott sei dank – sie können es also doch noch! Die auf dieser EP feilgebotenen Remixe sind sicherlich Geschmackssache. Was nun allerdings die drei neuen Songs angeht, herrscht hoffentlich Einigkeit im Electroland: besser geht es nicht. Für mich gehören die drei besagten Stücke einerseits zu den besten Songs, die Rotersand jemals veröffentlichten – und klar zu den Highlights dieses Genres in diesem Jahr. Allein dafür lohnt sich die Anschaffung.
Wertung
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Trackliste
|
Anspieltipps
|









