Seine Stimme ist unverkennbar und auch jenseits irgendwelcher Szenegrenzen ein Begriff: Peter Heppner, die Stimme von der leider im Moment auf Eis gelegten Band Wolfsheim. Die Stimme, die 1998 Joachim Witt das Comeback mit dem Duettstück und Charterfolg “Die Flut” bescherte. Die Stimme, mit der so viele unterschiedliche Künstler bereits erfolgreich zusammengearbeitet haben. Die Stimme, die seit 2008 auch auf Solopfaden unterwegs ist. Im Rahmen seiner Clubtour machte Peter Heppner mit seiner Band am 24. September Halt in der Braunschweiger Meier Music Hall. Und wenn diese Ausnahmestimme Deutschlands schon mal in unserem Wohnzimmer ein Konzert spielt, dann versteht es sich von selbst, daß wir daran ebenfalls mit von der Partie sein würden.
Das Brandenburger Electro-Trio von Melotron eröffneten den Abend in der sehr gut gefüllten Meier Music Hall von Braunschweig. Dr. Kai Hildebrandt und Edgar Slatnow, der krankheitsbedingt nicht alle Shows der Tour spielen konnte und nun wieder mit an Bord war, unterstützten Frontsau Andy Krüger jeweils an den Keyboards. Melotron, die bereits beim Bundesvision Song Contest vor einem größeren Publikum vorspielen durften, diese Möglichkeit aber aufgrund schlechter gesanglicher Leistung und der falschen Songauswahl nicht ausnutzen konnten, bekamen nun als Support von Peter Heppner eine zweite Chance, auf sich ausmerksam zu machen. Und so startete ihr Konzert auch direkt mit dem Klassiker „Brüder“, der im Original mit In Strict Confidence-Frontmann Dennis Ostermann im Duett geträllert wird. Es folgte der Titel „Arroganz der Liebe“ vom letzten Album „Propaganda“, der zwar textlich etwas schwülstig daherkommt, sich insgesamt aber großer Beliebtheit erfreut und gerade so am Rande die Kurve kriegt, nicht als Schlager durchzugehen.
Andy Krüger legte eine kesse Sohle aufs Parkett, präsentierte den Damen dabei seine viel zu enge rote Jeans und schwitzte in Richtung Publikum – tja, das ist eben der Nachteil, wenn es keinen Pressegraben gibt, Mädels ;-)



Es folgte der Clubhit „Menschenfresser“, bei dem Kai Hildebrandt in bester Feindflug-Manier den Rhythmus auf der Trommel vorgab und zum im Takt Mitklatschen animierte. Insgesamt war das Set jedoch leider etwas zu „schnulzig“ ausgefallen. Hits vom Schlage „Kein Problem“ oder „Tanz mit dem Teufel“ blieben aus. Daher war im Mittelteil des Support Acts leider etwas Flaute, aber mit dem Karat-Cover „Der blaue Planet“ gab es als Zugabe noch einmal ein Schmankerl feinster elektronischer Popmusik. Um 21:25 Uhr war dann jedoch das ca. eine Dreiviertelstunde andauernde Konzert zu Ende.
Peter Heppner betrat standesgemäß mit dem Gesangsbuch im Arm mit seiner Band eine halbe Stunde nach Melotron die Bühne. Peter trug ein T-Shirt und ein schlichtes hellgraues aufgeknüpftes Hemd, das im Laufe der Zeit jedoch deutliche Schweißflecken aufwies. Heppner war mit der gleichen Mannschaftsaufstellung unterwegs, mit der er schon seine erste Solo-Tour absolvierte: Lothar Manteuffel (stilecht mit schwarzer Sonnenbrille) und Dirk Riegner an den Live-Keys bzw. am Mac sowie den beiden Pitchies Achim Färber (Drums) und Karsten Clatte (Gitarre). Letzterer hielt sich dezent im vernebelten Bildhintergrund auf.


Das Set bestand aus insgesamt 20 Songs und bestand fast zur Hälfte aus Titeln von Heppners „solo“-Album. Dazu gesellten sich (lediglich) 5 Wolfsheim-Songs, den zwei Schiller-Kollaborationen und vereinzelten Duettstücken. „Dieser Augenblick“ mit José Alvarez-Brill, der erst kürzlich für eine Dokumentation zum Mauerfall im TV erschien und inhaltlich an „Wir sind wir“ erinnert, wurde übrigens nicht gespielt. Dafür gab es allerdings mit „God smoked“ einen neuen Song von Heppner, der bis dato noch unveröffentlicht ist. Nicht verwunderlich ist die Tatsache, daß v.a. die Megahits „Die Flut“, „Kein Zurück“ oder die Schiller-Titel die größte Publikumsreaktion hervorriefen, bei denen am lautesten mitgesungen wurde. Zu „Wundervoll“ vom Wolfsheim-Album „Casting Shadows“ forderte Peter seine Fans sogar zum Mitklatschen auf, worauf die Meier Music Hall ihm aufs Wort gehorchte. Das lautstarkte Verlangen eines Zuschauers nach „Sparrows“ kommentierte der symathische Hamburger mit den Worten „Wir haben ja noch ein bißchen Zeit“.

Natürlich landete dieser Überhit der alternativen Popmusik auf dem letzten Platz in der Setlist und bildete somit die letzte Zugabe. Als es endlich soweit war, war die Stimmung auf dem absoluten Höhepunkt angelangt und so ziemlich aus jeder Kehle wurde der Wolfsheim-Klassiker mitgeträllert.
Damit ging ein toller Konzertabend im sehr gut gefüllten Meier zu Ende. Der Eintrittspreis lag dieses Jahr bei akzeptablen 25 Steinen, während ein Konzertticket seiner ersten Tournee fast doppelt so viel Asche gekostet hat (damals im Capitol Hannover). Toll, daß dies vom Konzertpublikum so gut angenommen wurde, auch wenn das Meier wohl nicht zu 100% ausverkauft war. Das war aber auch völlig ok, denn noch mehr Besucher hätte es echt nicht mehr gebraucht, man möchte sich ja schließlich wenigstens noch ein ganz kleines bißchen bewegen können. Für den Zuschauer und die Stimmung im Meier war es genau die richtige Anzahl an Konzertbesuchern.



Noch ein kleines Wörtchen zur „Flut“: Da Heppner diesen Titel alleine sang, konnte er natürlich nicht die volle Intensität erreichen, wie es als Duett der Fall sein würde. Und da sind wir bei dem stillen Vertreter aus der hinteren Reihe: Carsten Klatte. Daß dieser ein perfekter Witt-Ersatz bei „Die Flut“ gewesen wäre, kann ich mir leider nicht verkneifen, hier zu erwähnen. Der Mann muß endlich mehr ins gesangliche Geschehen mit eingebunden werden bei dieser Wahnsinnsstimme. Also liebe Peter Heppners und Spilles dieser Welt: laßt den Casi ruhig auch mal ran! Der kann das nämlich.
Direkt im Anschluß an das Konzert ging es mit der N8-Flug Party weiter, die passend mit Synthpop von Depeche Mode startete und auch einige Titel zum Theme-Abend im Programm hatte (u.a. „Die Flut“). Autogrammjäger hatten es an diesem Tage leider nicht ganz leicht, denn Peter ward nach seinem Abgang von der Bühne nicht mehr gesehen.

Es war also ein rundum schöner Abend in Braunschweig gewesen. Es wäre schön, wenn uns Peter Heppner bald mal wieder „zu Hause“ besuchen würde. So getreu dem Motto Hätt ich dich heut erwartet, hätt ich Kuchen da. Und wenn er dann endlich auch mal den “Glasgarten” mit im Gepäck hätte, reicht´s vielleicht sogar für ne Torte. Na, mal abwarten…

Setlist
- I hate you [Heppner solo]
- Alleinesein [Heppner solo]
- No matter what it takes [Heppner solo]
- Die Flut [Witt/Heppner]
- Künstliche Welten [Wolfsheim]
- Being me [Heppner solo]
- Wherever [Heppner solo]
- Kein Zurück [Wolfsheim]
- Wir sind wir [Paul van Dyk feat. Peter Heppner]
- Easy [Heppner solo]
- Suddenly [Heppner solo]
- Vorbei [Heppner solo]
- Vielleicht? [Alvarez/Heppner]
- Once in a Lifetime [Wolfsheim]
- Dream of you [Schiller mit Heppner]
- Wundervoll [Wolfsheim]
- Das geht vorbei [Heppner solo]
- God smoked [Heppner solo, unveröffentlicht - Zugabe 1]
- Leben… I feel you [Schiller mit Heppner - Zugabe 1]
- The Sparrows and the Nightingales [Wolfsheim - Zugabe 2]
Bildergalerie
Links
- http://www.peterheppner.de/
- http://www.myspace.com/peterheppner/
- http://www.meier-music-hall.de/
- http://www.myspace.com/meiermusichall/
Diskussion im Forum:
- http://www.madgoth.de/forum/partys-konzerte-events-usw/6170-peter-heppner-live-in-der-meier-music-hall-in-braunschweig-24-09-2010-a.html


