MARKUS HEITZ – Lesung @ Thalia Buchhaus Braunschweig

Markus HeitzManchmal sind wir ja gar nicht so kulturbanausig wie man meinen mag. Hin und wieder passiert es ja doch, dass wir uns nicht nur zu Konzerten, Festivals oder ins Kino bewegen, sondern eben auch mal an einer Lesung teilnehmen. So geschehen erst gestern. Denn der Fantasy-, Science Fiction- und Horrorautor MARKUS HEITZ, der es nicht zuletzt durch seine Fantasyreihe um “Die Zwerge” zu einigem Ruhm geschafft hat, gastierte gestern zwecks einer Lesung erneut im Thalia Buchhaus in Braunschweig. Ein guter Grund also, mal in Richtung des Braunschweiger Kohlmarktes zu wandern. Herr Heitz machte bereits zum dritten Mal auf einer Lesereise Station in Braunschweig halt und nun wurde es für uns allerhöchste Eisenbahn, dem auch einmal beizuwohnen.

Markus HeitzGesagt, getan. Als JB das Thalia Buchhaus kurz nach 20 Uhr erreichte, hatte die Aktion bereits angefangen. Eine der Thalia-Mitarbeiterinnen war schon dabei, ein paar einführende Worte zum Stargast des Abends zu verlieren, dem man in der Lounge im ersten Stock des Buchhauses ein Podest zur Verfügung gestellt hatte, wo Markus Heitz – wie es sich gehört ganz in schwarz gewandet – auf seinen Auftritt wartete. Nachdem – im sprichwörtlichen Sinne – die Bühne für ihn frei gemacht wurde, begrüßte er zunächst die ca. 50 anwesenden Gäste, von denen so einige ebenfalls aus der Schwarze Szene zu stammen schienen. Zunächst einmal umriss er grob den Fahrplan für den Abend: ein paar Worte zu seiner Person, anschließend Lesung einiger ausgewählter Passagen aus seinem aktuellen Fantasy-Bestseller “Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn”, anschließend sollte der Fokus auf das Thema Vampire wechseln (begleitet mit Auszügen aus seinem Buch “Vampire! Vampire!”, um dann den Abend mit einer Frage- und Signierstunde zu beenden.

Nach seinen einleitenden Worten, in denen er die Gäste ein wenig darüber aufklärte, woher Ideen und Inspiration für die künstlerische Seite seiner Kreation, dem Volk der Albae, stammt, ging es auch schon los mit der ersten gelesenen Passage. Wer schon mal zu Lesungen gegangen ist, wird bestätigen können, dass es viele Autoren gibt, die gut schreiben können. Sobald es aber darum geht, dass Autoren ihre geistigen Ergüsse vor einem Publikum vortragen sollen, wird die Luft im Bereich derer, die auch diese Herausforderung meistern, deutlich dünner. Erfreulicherweise gehört Markus Heitz aber zu der Sorte Autor, die nicht nur gut schreiben, sondern auch gut vorlesen können. Wenn auch die ausgewählten Passagen nicht unbedingt die spannendsten Waren. Zudem war es nur ein klein wenig nervig, dass er die Lesungen immer so abrupt abbrach mit dem Hinweis, er könne aus dramaturgischen Gründen nicht weiterlesen aber weiterführende Hinweise seien im Buch zu finden. Natürlich ist klar, dass Sinn und Zweck der Veranstaltung war, die Leute die das Buch noch nicht besaßen, zum Kauf zu animieren. Es wäre aber trotzdem ganz schön gewesen, wenn er wenigstens bei einer Passage die Spannungsspitze auch einmal durchbrochen hätte, anstatt kurz vor dem vermuteten Höhepunkt.

Nun ja. Viel mehr als durch die Albae-Lesung punktete Herr Heitz gestern bei dem zweiten Teil des Abends, als es um das Trendthema Vampire ging. Hier sollte das Publikum viel mehr mit einbezogen werden. Leider aber waren die meisten der Anwesenden scheinbar zu schüchtern, so dass Heitz’ Konzept nur bedingt aufging. Macht aber nix, unterhaltsamer und spannnender als der erste Teil war es aber dennoch. Im Anschluß an das Thema Vampire ging Heitz über zu der obligatorischen Fragestunde, bei der vor allem ein höchstens zwölfjähriger Junge sowie ein paar vereinzelte Hardcore-Fans Fragen stellten. Ansonsten herrschten überwiegend Momente peinlichen Schweigens. Schade, dass die Braunschweiger hier so zurückhaltend waren, denn Herr Heitz war offensichtlich gut drauf und auch willens, Fragen zu beantworten. Die paar gestellten Fragen drehten sich unter anderem um seine Anfänge als Autor, das Thema Shadowrun-Romane und die geplante Zwerge-Verfilmung, von der er sich vorab prophylaktisch schon einmal distanzierte.

Im Anschluß an die Fragestunde ging Heitz zu der Signierstunde über, wo sich nahezu alle anwesenden Gäste vor seinem Pult versammelten, um sich ihre mitgebrachten Bücher signieren zu lassen und ein paar private Worte mit dem Autor zu wechseln. Hier schien es, als wäre das Leben ins Publikum zurückgekehrt. Gegen 22 Uhr war die Veranstaltung dann dabei und Markus Heitz entließ seine Gäste zufrieden in die Nacht.

Markus Heitz

Für Fantasy-Fans führt inzwischen wohl kein Weg mehr an dem Zwerge-Schöpfer vorbei. Und wenn man sich dann noch für Lesungen begeistern kann, gilt in diesem Falle: einfach mal hingehen! Es macht durchaus Spaß, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Und wenn dann das Publikum auch noch so mit macht, wie es sich Herr Heitz gestern abend sicherlich gewünscht hätte, dann ist das eine richtig spaßbringende Aktion.

avatar1_16Schade, schade, dass das Publikum so extrem zurückhaltend war. Ein durchaus dialogfreudiger Autor wie Herr Heitz hat da etwas anderes verdient. Wenn da mehr von den Gästen gekommen wäre, hätte das die Aktion sicherlich aufgewertet. Aber dafür kann Markus Heitz ja nichts. Was mich mehr gestört hat, waren die ausgewählten Passagen aus dem Buch der Albae und wie er sie immer beendet hat. Ich würde das Buch nun also nicht kaufen, weil mich die vorgestellten Abschnitte vom Hocker gehauen hätten, sondern eher, weil Markus Heitz ein sympathischer Typ ist. Trotzdem ist der hinterlassene Eindruck so gut, dass ich guten Gewissens eine klare Empfehlung ausspreche. Ihr mögt Fantasy und Markus Heitz ist in Eurer Stadt? Dann nix wie hin!


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