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Film-Reviews, Harry Potter, Im Blickpunkt — Veröffentlicht am 26. November 2010 um 17:29

HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – TEIL 1

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Wie die Zeit vergeht! Am 22. November 2001 feierte die erste Verfilmung der Romanreihe um den Zauberlehrling Harry Potter von Autorin Joanne K. Rowling Premiere. Ziemlich genau neun Jahre später kommen die Fans nun in den Genuß der filmischen Umsetzung des siebten und damit letzten Buches: „HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES“. Regie führte bei dem letzten Streich erneut David Yates, der bereits für den nicht ganz so geglückten fünften Teil („Der Orden des Phoenix“) sowie für den heiteren sechsten Film („Der Halbblutprinz“) verantwortlich zeichnete. Da der siebte Roman inhaltlich sehr tief ins Detail geht, Logikfragen beantwortet, Zusammenhänge erklärt und auf bestimmte Charaktere ausführlich eingeht (z.B. auf Snape, dem ein eigenes Kapitel gewidmet wird), entschloss sich Warner Bros., den Film als Zweiteiler ins Kino zu bringen. Gut für die Fans, gut für das Studio! Einerseits bleibt nun genug Zeit für die Dramaturgie der Geschichte, andererseits kassiert das Studio doppelt ab. Das nennt man wohl eine Win-Win-Situation!

Als wesentliche Eckpunkte des letzten Abenteuers von Harry, Ron und Hermine können folgende Fakten genannt werden: Harry macht sich mit Hilfe seiner o.g. beiden Freunden auf die Suche nach den sieben Horkruxen, die alle einen Teil von Lord Voldemorts Seele beinhalten und deshalb gefunden sowie zerstört werden müssen, wenn die drei die Zaubererwelt endgültig vom Dunklen Lord befreien möchten. Das Problem ist nur, daß Dumbledore Harry zu wenig Hinweise gegeben hat, wo er die Suche anzusetzen hat. Ob Dumbledores Vermächtnisse etwas damit zu tun haben könnten? Harry soll einen Schnatz bekommen, Hermine ein Märchenbuch erhalten und Ron Eigentümer des sogenannten „Deluminators“ werden, ein Gegenstand, das Licht im Dunkeln spendet. Natürlich dienen diese Gegenstände alle irgendeinem bestimmten Zweck, dieser jedoch gilt es für die drei im Verlauf der Geschichte herauszufinden. Denn eines ist ihnen allen klar: wahllos hat Dumbledore diese Dinge nicht in sein Testament geschrieben.

Das Zaubereiministerium ist mittlerweile fest in Voldemorts Hand! Daß dort mit harter Hand vorgegangen wird, versteht sich von selbst. Es werden Vernehmungen vorgenommen (hat anscheinend besonders Spaß daran: Dolores Umbridge), um die Halbblüter zu identifizieren und letzten Endes auszulöschen. In Hogwarts sieht es dagegen nicht viel besser aus, wurde Snape doch für den Posten des neuen Schulleiters ernannt, sodaß auch hier ein ganz neuer Ton herrscht als zu Zeiten von Albus Dumbledore.

Im Zuge ihrer Suche nach den Horkruxen stoßen die Nachwuchszauberer auf ein mysteriöses Zeichen am Hals von Luna Lovegoods Vater Xenophilius. Als sie ihn daraufhin aufsuchen,  erfährt das Trio von drei mysteriösen Gegenständen, die in der Legende allgemein als die „Heiligtümer des Todes“ bezeichnet werden und deren Besitzer damit quasi unbesiegbar wird. Eines dieser Heiligtümer ist der sogenannte Elderstab, der mächtigste Zauberstab von allen, der jedes Zaubererduell für seinen Besitzer entscheiden läßt. Zu dumm, daß Voldemort bereits auf den Trichter gekommen ist und weiß, wo er diesen Zauberstab finden kann…

Seitdem die Dementoren in Potter 3 Einzug in die Story genommen haben, sind die Bücher und Filme nicht mehr frei von einer gewissen Düsternis. Und so ist es auch im siebten Film, der von Beginn an klarmacht, daß die Zeit des Zuckerschleckens vorbei ist! Der Streifen hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, sondern kommt sofort auf den Punkt. In jeder Sekunde ist zu spüren, daß das unvermeidbare Duell zwischen Harry und Voldemort unmittelbar bevorsteht. Die Art und Weise wie mit jedem umgegangen wird, der kein Reinblüter ist (also nicht aus einer reinen Zaubererfamilie abstammt), läßt ganz deutliche Parallelen zum Vorgehen der Nazis gegen die Juden im Dritten Reich schließen – erst recht, wenn man die Uniformen während der Gerichtsverfahren im Zaubereiministerium mit in diese These einbezieht. Dadurch erhält dieser Film also eine deutlich erwachsene und v.a. ernste Note, die jedem Potter-Hasser in die Suppe spuckt, der in der Serie nach wie vor einen nervenden Kinderhype sieht. Auch die Tatsache, daß hier immer mal wieder einer der Charaktere das Zeitliche segnet, ist im Vergleich zu den Vorgängern, was die Anzahl der Todesfälle betrifft, ein Novum. Aus dieser Atmosphäre heraus zieht der Film eindeutig seine  Stärke.

Hinzu kommen die wieder einmal hervorragend agierenden und völlig überzeugenden Schauspieler, die wirklich durch die Bank weg in ihren Rollen glänzen. Besonders hervorzuheben sind erneut Evanna Lynch als Luna Lovegood und Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange, die einmal mehr so genial spielt, daß man kurz davor ist, nicht doch auf Voldemort zu schwören, um noch mehr von diesem grandiosen Schauspiel als treue Dienerin des Dunklen Lords sehen zu dürfen. Vom schauspielerischen Talent Tim Burtons Muse werden wir im finalen Film in 2011 noch einiges erwarten dürfen. Daniel Radcliffe, ungewohnt mit Drei-Tagebart im Film, mimt den angespannten Harry, der seine Bestimmung längst erkannt hat und sich seiner Verantwortung bewußt ist, wie schon in den älteren Filmen perfekt. Ihm nimmt man in jeder Szene den Harry ab und fiebert mit der Protagonistenrolle mit. Auch dieser Umstand wird sich im zweiten Teil noch steigern, wenn er erfährt, was das Ziel seiner Reise ist. Emma Watson mimt die zickige Hermine seit jeher brillant. In einer Szene läuft sie wütend auf Ron zu, um ihn mit einer Tasche zu hauen. Eine schallende Ohrfeige wäre zwar weitaus amüsanter gewesen, aber von der Mimik her, spielt Emma auch im siebten Teil emotional überzeugend.

Doch wie steht es mit der wichtigsten Aufgabe, die der Film zu erfüllen hat? Inwiefern vermag der Film dem Buch gerecht zu werden?

Nun, wir wollen an dieser Stelle auf einige Punkte eingehen, wo sich Buch und Film unterscheiden. Deswegen der Hinweis, daß der folgende Absatz Spoiler beinhaltet. Wer also weder Buch noch Film kennt, sollte diesen Absatz bitte überspringen.

Die Unterschiede zwischen Film und Buch:

Die Beziehung von Harry und Dudley: Im Buch reicht gleich zu Beginn Dudley Dursley Harry zum Abschied die Hand und schließt somit mit seinem Lebensretter aus Teil 6 Freundschaft, ganz zum Erstaunen von Harry, der sich aber sehr über diese positive Charakterwandlung freut. Im Film ist davon leider nichts zu sehen: Die Dursleys sagen kurz „Auf Wiedersehen“ und sind umgehend in ihrem Auto verschwunden.

Der gute Kreacher: Hauself Kreacher konnte Harry, Ron und Hermine nie gut leiden, schlägt sein Herz doch voll für das Haus Slytherin. Zwar beschimpft er auch im siebten Buch Hermine zunächst als „Schlammblut“ und gibt damit seine Abscheu Halbblütern gegenüber zum Ausdruck, doch im Verlauf der Handlung gewinnen die drei Freunde das Vertrauen des Hauselfen, indem sie ihn für sein leckeres Essen oder für erbrachte Dienste loben und ihm schließlich ein Amulett seines alten Herren zum Dank schenken. Seitdem ist Kreacher den Gryffindors wohl gesonnen und steht auf ihrer Seite. Auch diese charakterliche Wendung wird im Film leider nicht in ausreichendem Maße beschrieben.

Die Entführung von Mundungus Fletcher: Diese Aufgabe erteilte Harry dem Hauselfen Kreacher, derer er auch nachkam. Für den Film empfanden es die Verantwortlichen anscheinend für sinnvoller, Dobby an dieser Entführung teilhaben zu lassen, obwohl dieser im Buch erst später in Erscheinung tritt. Die alleinige Tat Kreachers hätte ebenfalls seine Einsicht unterstrichen.

Hermines Eltern: Da Hermine bewußt ist, daß ihre Eltern für immer in Gefahr leben würden, solange der Dunkle Lord am Leben ist und die Todesser nach ihnen suchen würden, fast sie einen folgeschweren Entschluß: sie legt einen Zauber auf ihre Eltern und löscht sich selbst damit aus den Köpfen ihrer Erzeuger vollständig aus: ihre Eltern wissen nicht, daß es Hermine je gegeben hat und können dadurch einer ruhigen Zukunft entgegensehen. Diese wichtige Information wird im Buch nur beiläufig von Hermine erwähnt, der Film greift dies aus dramaturgischen Gründen zu Recht auf und zeigt diese Szene. Eine kluge Entscheidung!

Der Tod von Wurmschwanz: Als Wurmschwanz das Gefängnis betritt, in dem Harry, Luna, der Kobold Griphook u.a. gefangen gehalten werden, erwürgt dieser sich selbst und stirbt. Der Film verzichtet auf diese Sequenz. Da ansonsten nichts über das Ableben von Wurmschwanz berichtet wird, bleibt zu vermuten, daß Wurmschwanz im zweiten Teil noch vorkommen wird und sich Voldemort für ihn einen spannenderen Tod ausdenkt…

Schade ist es sicherlich um die Veränderungen der Wesenszüge Dudleys und Kreachers, daß man hier nicht noch eine bis zwei Minuten spendiert hat, aber das Weglassen dieser Szenen ist nicht entscheidend darüber, ob „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ ein guter Film geworden ist. Und das ist er zweifellos! Dadurch, daß die Entscheidung gefallen ist, Potter 7 in zwei Teile ins Kino zu bringen, fallen andere, wesentlichere Elemente dadurch nicht hinten runter. Dafür passiert im Buch einfach zu viel, was näher betrachtet und erläutert werden muß, um der Geschichte folgen zu können (z.B. das Märchen von Beedle dem Barden, welches in Form einer Animation den drei Helden nahegebracht wird). Das gesamte Buch in einen Kinofilm mit zweieinhalbstündiger Laufzeit zu quetschen, wäre schier unmöglich gewesen. Der erste Teil bietet gar nicht mal so viel Action, sondern bemüht sich  um die Zusammenhänge der Geschichte und um Fragen zu beantworten. Natürlich nicht alle Fragen, da bleiben noch genügend von übrig für den zweiten Teil. Aber im Hinblick auf die Action, die gegen Ende des Buches folgt, können wir uns auf ein mächtig spannendes Finale freuen, bei denen die Zauberstäbe zu glühen beginnen und das hoffentlich solch geniale Special Effects auf die Leinwand zaubern wird, wie der Kinozuschauer diese bereits im „Feuerkelch“ zu sehen bekam.

Für Fans von Fantasyfilmen ist der Streifen ein absolutes Muß, allerdings sind Vorkenntnisse im Potter-Universum von Nöten, um den Film vollends zu begreifen.

Ich bin mit Ausnahme der beiden oben erwähnten Punkten mit Kreacher und Dudley sehr zufrieden mit der Arbeit von David Yates und habe an der Verfilmung rein gar nichts auszusetzen. Alles Wesentliche wurde erwähnt bzw. wirklich sehr gut filmisch umgesetzt. Die Schauspieler überzeugen genauso wie die Spezialeffekte und der ganze Look des Films ist passend zur Situation in dunkel gehalten. Lediglich der Cut kommt im Kino ein wenig abrupt herüber, macht aber aus der Handlungssicht heraus wiederum Sinn. Potter 7 – Teil 1 legt das Fundament für den Krieg, der im nächsten Sommer folgen wird. Und im Gegensatz zum Finale des sechsten Filmes, möchte ich dieses Mal auch die Action sehen, die im Buch beschrieben wird. Da aber dafür genug Zeit bleiben müßte, mache ich mir da eigentlich keine großen Gedanken. Im bin mir sicher, daß der Zweiteiler „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ eine würdige Verfilmung von Joanne K. Rowlings letztem Potterband sein wird, die niemand verpassen sollte.

Wertung

 


Trailer


Diskussion im Forum

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  • Anonymous

    Ich fürchte, den Film werde ich genauso wenig gucken wie die Vorgänger…

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