Man darf wohl behaupten: Die neue ALPHAVILLE Scheibe “Catching Rays On Giant” gehört ebenfalls zu den mit großer Spannung erwarteten Veröffentlichungen im Synthie-Pop Bereich in diesem Jahr. Schließlich gehören Alphaville mit zu den bekanntesten Genre-Vertretern, die in den 80ern von Bedeutung waren, ihre Karriere in den 90ern fortsetzten – und dann mehr als ein halbes Jahrzehnt quasi von der Bildfläche verschwanden. Schauen wir mal, ob Alphaville ein ähnlich fulminantes Comeback gelungen ist wie so manch anderem Kollegen…
Fairerweise muss angemerkt werden: so ganz weg vom Fenster war die Band um Sänger Marian Gold nie wirklich. Konzerte wurden gespielt und überhaupt: an Bühnenpräsenz mangelte es scheinbar nicht in den vergangenen Jahren. Nur hat das die Öffentlichkeit in Deutschland wenn überhaupt nur am Rande mitbekommen. “Crazyshow”, das letzte Album von Alphaville, datiert auf das Jahr 2003 zurück. Da seitdem nichts nachgeschoben wurde, wundert es wenig, dass Alphaville aus dem Fokus gerieten.
Dennoch lag man nicht auf der faulen Haut. Mitnichten, denn viel mehr wurde neben den Live-Auftritten in aller Seelenruhe an neuem Material gewerkelt. Als dann 2009 Universal Music an die Band bezüglich eines neuen Albums herantrat, hatte diese den Vorteil, schon einen üppigen Fundus neuer Songs erstellt zu haben. Dem Branchenmagazin MusikWoche gegenüber erklärte Sänger Marian Gold: “So eine Situation hat man als Band in seiner Karriere eigentlich nur einmal, und zwar beim Debütalbum. Der Vorteil war, dass wir uns durch die Materialfülle sehr genau überlegen konnten, wie wir das neue Album stilistisch gestalten wollten, welche Songs gut dazu passen und welche eher nicht.”
Alphavilles “Catching Rays On Giant” soll eine Art Brückenschlag zwischen der synthie-popigen Vergangenheit der ersten Alben und der einstweilen ziemlich dominanten elektronischen Gegenwart (und Zukunft?) der Band darstellen. Über die Herangehensweise sagt die Band (im gleichen, weiter oben erwähnten Interview): “Plötzlich war die Unbefangenheit und Naivität wieder da, die auf unseren letzten Platten verschwunden war. Wir haben davor einfach so gut wie alles hinterfragt. Manchmal sollte man über Musik nicht zu lange nachdenken, das schadet der Kreativität.”
Kein schlechter Ansatz. So prinzipiell gesehen. Hat aber leider zur Folge, dass die Band in den Ohren des Autors dieser Zeilen hier unangenehm oft in Gefilde abdriftet, die mit “Euro-Trash-Pop” relativ gut umschrieben sind. Vor allem das Eröffnungsstück “Song For No-One” und auch die erste Single-Auskopplung “I Die For You Today” stoßen mir irgendwie unangenehm auf. Letzteres auch nicht zuletzt wegen des gesanglichen “Over-Actings” von Herrn Gold. Hier will sich einfach nicht das typische “Alphaville Feeling” einstellen. Das tritt erst ab dem dritten Song, “End Of The World”, und auch besonders beim vierten, “The Things I Didn’t Do”, auf. Hier habe ich erstmals das Gefühl: jawollja, das ist der Sound von einer Band, die mit Songs wie “Forever Young” oder “Sounds Like A Melody” unsterblich geworden ist, entstaubt, modernisiert und auf eine neue Zeit gepimpt. Diese elektronischen Versuche hingegen – nee, das muss nicht sein.
Insgesamt wirkt “Catching Rays On Giant” etwas zu überfrachtet in punkto Experimente und daraus resultierender Stile. Es fehlt eine klare Linie, eine deutliche Zuordnung. Oder anders: meine Erwartungshaltung an Alphaville – schicken Synthiepop – erfüllt die Band mit diesem Album nur bedingt. Man mag sicher gegenargumentieren: passt halt in keine Schublade. Gut und schön, aber man kann es auch übertreiben. Weniger ist manchmal doch mehr. Ist “Catching Rays On Giant” nun deshalb eine schlechte Scheibe? Nö. Ich betreibe hier jammern auf hohem Niveau, wenn auch andere Comebacks (oder gar Debütscheiben) unterm Strich überzeugender waren.
Eine Anmerkung in eigener Sache noch: In der News, in der wir Euch von diesem Album erstmals erzählten, stützten wir uns auf eine Aussage des Side-Line Magazines in dem es hieß, Sebastian Komor (Icon Of Coil, Komor Kommando) sei Produzent dieses Albums gewesen. Wie wir dankenswerterweise aus nahezu erster Hand erfahren haben, war Herr Komor aber nur an der Entstehung weniger Songs beteiligt gewesen. Ein Richtigstellung, die wir hiermit also nachgereicht haben.
Ich hatte mich tatsächlich sehr auf das neue Alphaville Album gefreut, zähle ich die “üblichen Verdächtigen” aus dem Schaffenspool der Band zu meinen All-Time-Favourites. Das nun vorliegende Album ließ mich allerdings mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Lachend, weil Alphaville wieder da sind, weinend, weil ich mir noch nicht so ganz sicher bin, ob ich die Richtung, in die sich die Band entwickelt hat, gut heiße. Zu oft fühlte sich “Catching Rays On Giant” für mich einfach nicht nach Alphaville an – den verklärten Nostalgiefaktor dabei sogar noch außen vor gelassen! Wenn mir beispielsweise nach dem Spätwerk von Apoptygma Berzerk der Sinn steht, dann höre ich diese. Habe ich Bock auf eine Europ-Pop-Band, dann ist der erste Griff ebenfalls nicht Richtung Alphaville. Vielleicht war die Erwartungshaltung auch zu hoch, man weiß es nicht. Hundertprozentig überzeugt bin ich noch nicht, aber wenn die Herren nicht wieder 7 Jahre warten, höre ich auch in die nächste Veröffentlichung noch einmal rein…
Wertung
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Trackliste
|
Anspieltipps
|











