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Bands, Musik, Musik-Reviews, Roman Rain — Veröffentlicht am 5. Dezember 2010 um 14:55

ROMAN RAIN – Roman Rain

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Man staune : hinter Roman Rain verbirgt sich tatsächlich ein einzelner Künstler. Der aus Wladiwostok stammende russische Sänger, Komponist und Multi-instrumentalist spielt nicht nur alle auf seinem selbstbetitelten Silberling vernehmlichen Musikgeräte selbst, sondern begleitet sich dazu selbst mit Gesang. Lediglich auf der Bühne greift er gerne auf die Fertigkeiten anderer Musiker zurück. Die Outfits bewegen sich offenbar im gediegenen Vampirlook, also im Bereich von Mozartperücke, Zylinder und Rüschenhemd bis Gehrock und Pelz und immer mit dramatischem Make-Up. Musikalisch haben wir es hier eher mit einer modernen Mischung aus Dark Wave, Klassik und Synthiepop zu tun. Und wie man sieht: ’s läuft.

Da brat mir doch einer einen Storch! Gerade eben, beim ersten Song, dachte ich noch so bei mir: an die russischen Texte gewöhnst du dich nie – und schwupps! – ist es beim zweiten Lied schon passiert. Während sich auf unserem heimischen Markt nicht so sehr viel tut im guten alten Gothic Bereich, da brummt es nur so in Eurasien. Dort hat man nämlich Schwermut und Melancholie wiederentdeckt, mit denen wir uns früher ganz selbstverständlich identifizierten. Modern wie wir sind, gibt’s ja jetzt nur noch Hau-Drauf mit Gebrüll. Nein, es ist unbestreitbar eine schöne Angelegenheit, dass in einer Ecke der Szene eine Rückbesinnung auf ein Lebensgefühl zurückbesinnt, welches die schwarze Szene einst charakterisiert hat. Ich fürchte zwar, dass es dem hydraköpfigen Industrial-Gummilook kaum den Rang ablaufen wird in nächster Zeit, aber vielleicht werden wir eine optische Bereicherung mit klassischen Outfits schon beim nächsten WGT erleben dürfen. Allein aus nostalgischen Gefühlen heraus unterstütze ich diese Stilblüte ganz heftig als Niveau-Lifter -  und obendrein werden Lacrimosa als kulturelle Verfechter etwas entlastet.

Musikalisch bin ich dann doch überrascht, wie synthielastig das dann alles klingt. Mir gefallen einige Stücke ganz gut, aber tanzen würde ich dann vermutlich doch nicht dazu. Trotzdem: Hut ab vor dem handwerklichen Geschick und der Stilsicherheit des Barden, denn seine musikalischen experimente mit klassischem Gesang und elektronischen Gimmicks haut hin. Die Scheibe beginnt aber zunächst poppig mit Uletaju, also nix mit dem oben beschriebenen Gruftischmelz. Synthiepop mit weiblicher Duettstimme, ein wenig erinnert mich das an einige Z Prochek-Stücke. Umerla hat zu den elektronischen Beats noch eine klassische Untermalung mit Streichern und Klavier. Doch erst beim dritten Song, Moj, wird es so richtig orchestralisch und wir nähern uns mit größer werdenden Schritten gen Lacrimosa und Narsilion. Sehr pathetisch fallen auch die nächsten Stücke aus, klassisch anmutender Gesang  und ausdrucksstarke Melodien schaffen eine dramatische Stimmung. Nicht schlecht, auch wenn ich mir persönlich aus solcher Musik nur etwas mache, wenn sie als Soundtrack zum Film richtig gut passt. Ich habe außerdem keinen Schimmer, wovon die Titel handeln, da mein Russisch ziemlich eingerostet ist. Rukla kehrt wieder zurück zum Elektropop und dabei bleibt es dann auch durchgängig mehr oder weniger. Richtig tieftraurig empfinde ich die Musik von Roman Rain hingegen überhaupt nicht. Eine gewisse Schwermut ist zwar auszumachen, aber da habe ich schon anderes gehört. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt und inwieweit diese neue Weichheit zu uns rüberschwappen wird.

Fazit: Roman Rain macht melancholische Melodien, schöne Duetts dazu bieten anspruchsvollen Musikliebhabern was zum Dösen und Träumen. Hierzulande vielleicht etwas zu softig, aber stilvoll. Nicht düster, aber authentisch. Doch aufgepasst: ist 100% gitarrenfrei.


Wertung:


Trackliste

  1. Uletaju
  2. Umerla
  3. Moj Ubijca Kukla
  4. Prinzessin der Träume
  5. Noch’-Devochka-Noch’
  6. Stanu Peplom
  7. Salomeja
  8. The Cradle Of My Craving
  9. Angel
  10. Zerkala
  11. Koroleva
  12. Piero
  13. Veter Moi
  14. Vashe
  15. Sovershenstvo
  16. Malchik Lay
  17. Rekviem

Anspieltipps

  1. Uletaju
  2. Moj Ubijca Kukla
  3. Soversehnstvo

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