„Geschüttelt, nicht gerührt.“ Jeder halbwegs interessierte Filmfreund kennt dieses berühmte Bond-Zitat. Kirlian Camera-Sirene Elena Alice Fossi anscheinend ganz besonders, denn ihr zweites Album mit der Formation SPECTRA*PARIS heißt nicht nur „License to Kill“, auch inhaltlich dreht sich dieses Quasi-Konzeptalbum um das Thema Film. Elena und ihre Mädels haben damit einen interessanten Beitrag im düsteren Musiksektor erschaffen, der mit diversen Stilmitteln hantiert und sich problemlos am Stück durchhören läßt.
Mit dem Titeltrack sowie „007 Gold“ oder dem Lückenfüller „Aston Martin DBS“ wird natürlich der Geheimagent, der sich im Autrag Ihrer Majestät bewegt, gehuldigt. Musikalisch anfangs im mittleren Tempo gestrickt, kommen hier nicht nur elektronische Klangfetzen zum Einsatz, das eine oder andere Mal meldet sich sogar die E-Gitarre zu Wort („A Clockwork London“). Schlägt Frau Fossi anfangs also noch für das Album verhältnismäßig schnellere Töne an, so schickt sich mit Titel # 4 („Movie Ghouls“) die erste ruhige Nummer an. Eine Nummer, die dafür geschaffen ist, bei dieser Jahreszeit bei einem Glas Rotwein eingekuschelt vorm Kamin genossen zu werden. Und da es hier gerade so gemütlich wurde, wartet man geduldig unter der Decke auf die nächste zarte Atmosphärengranate: „Lost Highway Voices“ spielt ein ebenso großes Konzert auf der Gänsehautklaviatur wie eben die „Movie Ghouls“ und paßt textlich auch absolut zum wahrscheinlich inspirierten Meisterwerk von David Lynch: „Lost Highway“. Bei „Carrie Satan“ wird wieder etwas mehr Gas gegeben, ein sich permanent zwischen schnelleren und langsameren Passagen abwechselnder Track, bei dem Elena mal flüstert, mal singt, der komplett elektronisch ist und vielleicht das größte Clubpotenzial dieser faszinierenden Platte mitbringt. Aber nur vielleicht, denn hier hat der Geheimagent die Rechnung anscheinend ohne das Phantom gemacht, das in „Death Records“ in Erscheinung tritt. Dieser Titel ist wohl der experimentellste Track auf „License to Kill“, beginnt er doch wie eine typische Synthpop Nummer, entwickelt dann aber immer größeren Rock´n´Roll Appeal, spielt abermals mit dem Mittel der Stimme und verbietet der Hookline dennoch nicht, im Hintergrund aktiv zu sein. Auch die frechen Lyrics machen den Song zu einem der spannendsten des Albums. Zum Finale gibt es noch einmal einen echten Leckerbissen aufs Ohr, der alle Stärken und Besonderheiten des ganzen Longplayers vereint: die nicht übertriebene Elektronik, eine Priese Rockattitüde, Elenas geniale Stimme und ein echter Ohrwurmcharakter im Chorus. Abspann… Absolut genial!
Es braucht halt nicht immer der Unterstützung von Kirlian Kamera Mastermind Angelo Bergamini, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn dazu ist Fossis Stimme zu schön und einzigartig, auch wenn der krasse italienische Akzent nach wie vor nicht jedermanns Sache sein wird. Vom Klang her jedenfalls gibt es hier nichts zu beanstanden.
Elena Alice Fossi, Marianna Alfieri und Alessia Cavalieri alias SPECTRA*paris haben hier ein Konzeptalbum geschaffen, dass sich musikalisch recht weit vom Erstling unterscheidet und genügend Abwechlung bietet, um auf mehreren Ebenen zu funktionieren und nicht nur Hörer anzusprechen, die als typisches Out of Line Klientel bezeichnet werden können. „License to Kill“ ist keine Electro-Platte, kein Rockalbum, keine Verbeugung des Wave. Irgendwie ist der Zweitling von allem ein bißchen etwas und doch mit kaum etwas vergleichbar, was sich in letzter Zeit so auf dem Markt getan hat.
Auf der Bonus-DVD, liebevoll „SPECTRA*television“ genannt, gibt es noch diverse Live-Clips sowie einen Promo Clip zu „A Clockwork London“ und eine Behind the Scenes Featurette zu bestaunen.
Bereits im Herbst erschienen, ist „License to Kill“ eine perfekte Scheibe, um die kalte Jahreszeit mit passender und wunderschöner Musik zu überbrücken. Die musikalische Einmaligkeit sollte nicht nur Kirlian Camera Fans auf den Plan rufen. Sicher keine Platte zum Abtanzen, aber eine für ruhige Stunden allein oder zu zweit.
Wertung
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Trackliste
|
Anspieltipps
|








