Samstag, 08.08.2009

KRYPTERIA (12:35-13:15 Uhr)

Krypteria @ M'era Luna 2009(Galerie)

JBs erstes Konzert dieses Festivals - und dann gleich so eine Pleite! Auch wenn die Showeinlage der Front-Lichtgestalt Ji-In Cho, die zunächst im Brautkleid auf die Bühne trat, um sich dann während des Konzertes davon zu befreien um schlußendlich im knappen schwarzen Top und einer schwarzen Lackhose über die Bühne zu wuseln, durchaus gefällig war (vereinzelt waren vor allem beim männlichen Publikum Speichelstürze zu beobachten), überzeugte das Konzert so überhaupt gar nicht. Was vor allem daran lag, dass das nie im Leben eine Live-Performance war. Dafür wirkten Klang und Gesang viel zu sehr wie aus der Konserve. Lichtgestalt auf der Bühne hin oder her - nach etwa 3 bis 4 Songs verließ JB entnervt das Geschehen mit der Erkenntnis, dass die gute Frau auf der Bühne in erster Linie verdammt hübsch ist und die anderen Figuren, die Bandkollegen quasi, sich als Statisten in ihrem Schatten drehten.
Albernes Konzert und eindeutig ein Negativ-Highlight.

Setlist Krypteria

  • Shoot me
  • Sweet Revenge
  • Ignition
  • Somebody save me
  • Scream
  • Never say die
  • For you I´ll bring the Devil down
  • My Fatal Kiss
Polarkreis 18 Krypteria @ M'era Luna 2009

JESUS ON EXTASY (14:20-15:00 Uhr)

Jesus On Extasy @ M'era Luna 2009(Galerie)

Die Truppe gehörte für JB, Kaiyla und Pienpiru zu den Bands, die man mal so mitnehmen kann, wenn sie denn schon mal aufspielen.  So eine richtig große Erwartungshaltung hatten wir drei allerdings nicht, daher lag auch nur mittelmäßige Gespannung in der Luft, als die Essener Electro-Rockband um Frontmann Dorian die Bühne des Hangars betraten. Mit freiem Oberkörper und fast schon jugendgefährend tiefsitzender Buchse (und ansonsten die Haut silber schimmernd bepinselt) war Sänger Dorian dann wohl auch elementarer Bestandteil nicht ganz so züchtiger Tagträumereien diverser Teenies, die sich schmachtend im Hangar versammelt haben. Leider mussten wir aber feststellen, dass ein gewagtes Outfit eben nicht immer über eine ansonsten eher mittelprächtige Performance hinweg täuschen kann. Das Programm, das einen Querschnitt aus den bisherigen beiden Alben "Holy Beauty" und "Beloved Enemy" bot, kickte uns irgendwie nicht so richtig. Weder die Show, die einem simplem Herunterspulen gleichkam, noch die Akustik allgemein oder gar der Gesang ließen bei uns richtige Begeisterung aufkommen. Und so schlossen wir mit der Feststellung, dass man Jesus On Extasy zwar gucken kann, aber eben nicht muss. Möglicherweise sind sie auf der Bühne eines Clubs besser aufgehoben. Wir jedenfalls werden das wohl nie erfahren.

Setlist Jesus on Extasy

  • Beloved Enemy
  • Nuclear Bitch
  • Change the World
  • Assassinate me
  • Alone
  • Neochrome
  • Church of Extasy
  • Lies
Jesus On Extasy @ M'era Luna 2009 Jesus On Extasy @ M'era Luna 2009

STAR INDUSTRY (15:25-16:05 Uhr)

Star Industry @ M'era Luna 2009(Galerie)

Ok, ehrlicherweise müssen wir an dieser Stelle zugeben, dass wir Star Industry eigentlich nur geguckt haben, weil sie zwischen zwei Bands im Hangar spielten, die uns zunächst mehr interessierten. Und da wir quasi einen Premiumplatz hatten, den wir für den nachfolgenden Act Nachtmahr nicht aufgeben wollten, blieben wir also, wo wir waren. Mit anderen Worten: wir hatten schlicht und ergreifend so gar keine Ahnung, was da auf uns zukommen würde. Das bietet für eine Band natürlich auch enorme Chancen, wenn man völlig unvoreingenommen und ohne jegliche Erwartungshaltungen zu einem Konzert geht. Und Star Industry haben die Chance genutzt. Star Industry, die das M'era Luna wie so viele andere Bands nutzten, um vornehmlich Songs aus ihrem aktuellen Album („Black Angel
White Devil“) zu spielen, gefielen durch ihre wunderbar unspektakuläre, schnörkellose Performance, bei der nicht irgendwelche extravaganten Bühnenselbstdarsteller oder die Show selbst im Vordergrund stand, sondern ganz einfach die Musik. Und ihr mit der Begeisterung von Vollblutmusikern vorgetragener, gothisch angehauchter Rock war einfach mal gut. Weniger ist eben manchmal doch mehr und Star Industry waren ganz sicher der Geheimtipp dieses Festivals - und werden es auf dem nächsten, auf dem sie auftreten, ganz sicher wieder sein.

Setlist Star Industry

  • Pray
  • Sin
  • Ceremonial
  • Lost Generation
  • Nineties
  • Kids
  • Be Real
  • Sodium Haze
Star Industry @ M'era Luna 2009 Star Industry @ M'era Luna 2009

OOMPH! (15:50-16:30 Uhr)

(Galerie)

Oomph! @ M'era Luna 2009Spielten die Wolfsburger Oomph! noch 2004 als Co-Headliner in Hildesheim auf, so war deren Startposition 5 Jahre später deutlich früher angesetzt. In der prallen Hitze des Nachmittages brauchte es nicht viel, um der Menge entsprechend einzuheizen. Nach dem Intro ertönte direkt der Opener des aktuellen Longplayers „Monster“: „Beim ersten Mal tut´s immer weh“.
Mit großer Leichtigkeit spielten die routinierten Rocker aus Niedersachsen ihr Set herunter. Dero genoss zwischendurch mal ein Bad in der Menge, was bei ihm eigentlich genauso verwunderlich ist, wie das Erklimmen des Bühnenmastes bei Kraxlhuber Rogue von den Schattenkrücken. Aufgrund des schier kilometerlangen Pressegrabens landete Ashs VfL Wolfsburg-Schal leider nicht bei Frontmann Dero, sondern bei Kollege Flux, der diesen zunächst sofort dem Techniker überreichte, dann jedoch wieder hervorhob, ihn für einen Bruchteil präsentierte, um ihn dann der Security zu überreichen, welche Ash den Schal dann zurückgab. Tja… alberne Aktion. Aber noch lange nicht so albern wie folgende: Ash wollte sich lediglich ein Bier der Pilsener Braukunst organisieren, aber nicht mit dem Schal durch die Menge schlurfen. Daher bat er den netten Herren zu seiner Linken doch für 3 Minuten auf selbigen aufzupassen… Ihr könnt Euch denken, dass Ash nun zwei davon besitzt. Frei nach Helge Schneider: „Vielen Dank, du Arsch!“
In der zweiten Hälfte des neun Songs umfassenden Sets trafen Oomph! mit den Hits „Gekreuzigt“, „Gott ist ein Popstar“ und „Augen auf!“ buchstäblich ins Schwarze, bevor das Konzert mit der schwachen Single „Sandmann“ beendet wurde.
Fazit: die Jungs machen immer Spaß und sind auf jedem Festival ein Stimmungsgarant. Schade, dass für die Single „Labyrinth“ kein Platz mehr im Set gewesen ist. Die Nummer hätte es verdient gehabt.

Oomph! @ M'era Luna 2009Setlist Oomph!

  • Intro/Beim ersten Mal tut´s immer weh
  • Sex
  • Mitten ins Herz
  • Revolution
  • Mein Schatz
  • Gekreuzigt
  • Gott ist ein Popstar
  • Augen auf!
  • Sandmann
Oomph! @ M'era Luna 2009 Oomph! @ M'era Luna 2009

NACHTMAHR (16:30-17:10 Uhr)

Nachtmahr @ M'era Luna 2009(Galerie)

Auch wenn das aktuelle Werk "Alle Lust will Ewigkeit" des österreichischen Electro-Industrialprojektes ein wenig innovationsarm daher kam, so sind wir von dem, was uns Thomas Rainer mit Nachtmahr um die Ohren ballert, angetan. Zumindest von musikalischer Seite. Dass wir seinem in punkto Auftreten, Artwork usw. sehr an Nazi-Ästhetik angelehnten Spiel sehr kritisch gegenüberstehen, dürfte auch inzwischen hinreichend bekannt sein. Daher waren wir sehr gespannt, wie dramatisch (oder eben auch nicht) sich das Geschehen auf der Bühne gestalten würde. Nachtmahrs Bühnendeko ließ uns aufgrund der an den Keyboards angebrachten Tarnnetzen zunächst an Feindflug denken. Aufgepeppt wurde das Geschehen auf der Bühne durch eine extrem große Videopräsentation sowie vier, in militärischem Schick gekleideten Damen, deren einzige Aufgabe während des Konzertes darin bestand, regungslos vor der Leinwand zu stehen, sich nicht zu bewegen und möglichst keine Mine zu verziehen. Wer aufgrund des Artworks im aktuellen Nachtmahr-Album auf etwas mehr "Action" seitens der Ladys spekulierte, sah sich alsbald eines besseren belehrt. Das Konzert selbst war ein mächtig schweißtreibendes Industrialfeuerwerk, bei dem der Hangar fast zerplatzen drohte. Positiv anzumerken ist, dass Herr Rainer, der übrigens wie ein wildgewordener Derwisch über die kleine Bühne tobte, live gesungen hat - und dabei auf den Einsatz stimmverzerrender Mittelchen verzichtete. Nachtmahr @ M'era Luna 2009Und auch die Show selbst war deutlich harmloser, als man es hätte befürchten können. Auf der Videoleinwand wechselte nämlich permanent der Nachtmahr-Schriftzug, Einblendungen von militärischem Gerät und kriegsverneinende Botschaften wie "War is not the answer!". Gekrönt wurde das Spektakel durch den Nachtmahr-Überhit "Katharsis". Bleibt also als Fazit: Nachtmahr live sind durchaus sehenswert. Eine schweißtreibende Energiegranate quasi. Uns hat es jedenfalls gefallen und im Nachhinein sind uns Nachtmahr auch als eines DER Highlights dieses Festivals in Erinnerung geblieben.

Setlist Nachtmahr

  • Alle Lust will Ewigkeit
  • Deus Ex Machina
  • Code:Red
  • Feuer Frei
  • Alpha/Omega
  • Mörder
  • Tanzdiktator
  • BoomBoomBoom
  • I believe in Blood
  • Katharsis
Nachtmahr @ M'era Luna 2009 Nachtmahr @ M'era Luna 2009

THE BIRTHDAY MASSACRE (16:55-17:40 Uhr)

(Galerie)

The Birthday Massacre @ M'era Luna 2009Wenn Rampensau Chibi die Hildesheimer Bühnenbretter betritt, dann weiß das ganze M'era Luna, dass Zeit zum Feiern ist. Kaum einer der sechsköpfigen Band schafft es auch nur annähernd, während des Gigs mit beiden Beinen ruhig auf dem Boden zu bleiben, alle Bandmitglieder geben immer und pausenlos 100%, um die Zuschauer die bestmöglichste Show zu bieten. Das war so, das ist so und das wird vermutlich bis ins hohe Rentenalter immer so sein. Chibi, Rainbow und Co. überzeugten live einmal mehr auf ganzer Linie mit Songs wie „Red Stars“, „Falling Down“, dem hinreißenden „Weekend“ und dem genialen Gude-Laune-Cover „I think we´re alone now“ von der letzten EP. Manchmal kann man sich wirklich fragen, ob die Kanadier tatsächlich immer so gut drauf sind, oder ob es sich nur um verdammt gute Schauspieler handelt. Zweiteres kann aufgrund des hohen Sympathiefaktors und der allgemeinen Spielfreude sowie der entsprechenden Resonanz des Publikums kategorisch ausgeschlossen werden. Keine Frage: sie sind noch lange nicht ganz oben angekommen. Auch wenn die Hymne „Horror Show“ in diesem Jahr leider nicht auf der Tagesordnung stand: TBM rocken was das Zeug hält, TBM machen verdammt viel Spaß und Chibi ist im Moment einfach DIE Frontfrau der Szene, die sowohl zerbrechliche Töne genauso drauf hat wie düstere Rockklänge. Die können gar nicht anders als gut sein! Da bedarf es auch gar nicht vieler weiterer Worte des Lobes. Macht einfach weiter so!

The Birthday Massacre @ M'era Luna 2009Setlist The Birthday Massacre

  • Red Stars
  • Goodnight
  • Falling Down
  • Weekend
  • Shiver
  • Lover's End
  • Video Kid
  • Looking Glass
  • I think we´re alone now
  • Walking with Strangers
  • Blue
The Birthday Massacre @ M'era Luna 2009 The Birthday Massacre @ M'era Luna 2009

BLUTENGEL (18:05-19:05 Uhr)

(Galerie)

Blutengel @ M'era Luna 2009Chris Pohl und seine Damen haben wir ja inzwischen etliche Male live gesehen. Es ist quasi schon eine Art lieb gewonnene Tradition, zu Blutengel zu gehen wenn sie irgendwo spielen – egal wie gut oder wie schlecht wir die letzte Veröffentlichung fanden. Und auch wenn wir nicht immer mit dem einverstanden sind, was die Truppe aus Berlin so auf die Hörerschaft losgelassen hat, so waren die Konzerte aufgrund hübscher Damen, netter Bühnenshow und gelegentlicher Pyro-Effekte sowie der vorherrschenden Stimmung ein Garant für gudde Laune. So waren wir dann also auch auf dem M'era Luna guter Dinge, dass wir ein ähnlich schnuckeliges Konzert sehen würden wie zuletzt in der Meier Music Hall in Braunschweig. Um es vorweg zu sagen: Irgendwie war das diesmal nix. So gar nix. Natürlich ist dies – wie alles andere auch – ein subjektiver Eindruck, aber von unserer Position aus, von der wir der (mit Flammenwerfern aufgepeppten) Show beiwohnten, schien es so, als handelte es sich hier um den klassischen Fall, wo Band und Publikum nicht miteinander harmonierten. Dafür, dass der Wind Herrn Pohls Textsammlung durcheinander wirbelte, kann niemand was. Aber die Sprüche, die da von der Bühne kamen („Sind hier Blutengel Fans anwesend?“) waren irgendwie uncool. Uncool ist auch, wenn eine Band auf der Bühne steht und das Publikum dazu animieren muss, nach Zugabe zu rufen. Die Setlist selbst, eine festivaltaugliche Mischung aus alten und neuen Songs, war in Ordnung. Aber irgendwie wollte nicht so recht Stimmung aufkommen – weder bei uns, noch beim Publikum (soweit wir das beobachten konnten) und irgendwie auch nicht bei der Band. Schade. Leider der bisher schwächste Auftritt unser Lieblings-Berliner.

Blutengel @ M'era Luna 2009Setlist Blutengel

  • Intro
  • Dreh dich nicht um
  • Soul of Ice
  • The Dream
  • The Only One
  • Lucifer
  • Winter of my Life
  • My Nightmare
  • Schneekönigin
  • Lovekiller
  • Bloody Pleasures
  • Engelsblut
Blutengel @ M'era Luna 2009 Blutengel  @ M'era Luna 2009

PETER HEPPNER (19:30-20:30 Uhr)

(Galerie)

Peter Heppner @M'era Luna 2009Endlich erklang Peters Stimme mal wieder von der Hauptbühne des M'era Luna Festivals, welche er zuletzt 2004 damals als Samstag-Abend-Headliner mit Wolfsheim betrat. Lange ist's her und so fanden sich auch deutlich viele Wolfsheim- und Heppner-Fans vor der Bühne, um den kommenden Standfußball mit tobendem Applaus zu würdigen. Ein riesiges Banner machte deutlich, dass sich Peter nicht alleine auf die Bühne verlieren würde (das wäre ob seiner Standfestigkeit und dem Klammern ans Mikrophon definitiv der Fall gewesen), aber „Peter Heppner & Band“ bedeutete, dass insgesamt 5 Musiker zugegen waren. Es handelte sich hierbei um dieselbe Mannschaft, die bereits im Frühjahr die Tour zum „solo“-Album absolvierte. Heppner erhielt also tatkräftige Unterstützung von den Keyboardern Lothar Manteuffel und Dirk Riegner sowie den von Project Pitchfork ausgeliehenen Carsten Klatte (Gitarre) und Achim Färber (Schlagzeug).
Das Set bestand im Wesentlichen aus den Highlights der Clubtournee und präsentierte daher ausgesuchte „solo“-Stücke sowie die größten Wolfsheim-Hits („Künstliche Welten“, „Kein Zurück“, „Once in a Lifetime“ und natürlich „Sparrows“). Aber auch der eine oder andere bekannte Duett-Song war vertreten. Spätestens bei „Die Flut“ kannte die Menge kein Halten mehr und sang den Überraschungshit von Witt/Heppner aus dem Jahre 1998 lauthals mit. Neben den beiden Schiller-Singles sang Peter auch den Wiedervereinigungssong „Wir sind wir“, der in Kollaboration mit Paul van Dyk entstand. Passenderweise wurde der Gig mit dem Stück „Das geht vorbei“ nach 13 Titeln beendet. Wenn man bedenkt, dass eine Karte für ein Heppner-Konzert im Frühjahr ungefähr soviel kostete wie ein M'era Luna-Tagesticket, dann hat sich der Besuch aller Heppner-Fans in Hildesheim frühestens jetzt schon verdammt bezahlt gemacht.
Einzig und allein unser Lieblings-Sorgenkind - der Sound auf der Hauptbühne - war einmal mehr etwas beklagenswert. Einige Zeit war der Bass einfach zu laut, es ertönte ein zu lautes Brummen, so dass Peter nicht so gut zu verstehen war, wie es sich für diese Ausnahmestimme gehört. Aber dieser Umstand hat zum Glück nicht das komplette Konzert angehalten. Hoffentlich dauert es nicht weitere fünf Jahre bis wir Herrn Heppner erneut auf dem M'era Luna  begrüßen dürfen.

Peter Heppner @ M'era Luna 2009Setlist Peter Heppner

  • Easy
  • Alleinesein
  • Die Flut
  • Künstliche Welten
  • Kein Zurück
  • Wir sind wir
  • Suddenly
  • Vorbei
  • Once in a Lifetime
  • Dream of you
  • Leben… I feel you
  • The Sparrows and the Nightingales
  • Das geht vorbei
Peter Heppner @ M'era Luna 2009 Peter Heppner @ M'era Luna 2009

APOCALYPTICA (21:00-22:15 Uhr)

Apocalyptica @ M'era Luna 2009(Galerie)

Die Finnen von Apocalyptica erfreuen sich sowohl in der Metal- als auch in der Gothic-Szene äußerster Beliebtheit. Da verwundert es kaum, dass die Cello-Metaller als Co-Headliner vor ihren Landsmannen Nightwish spielen durften. Das Set setzte sich aus bekannten Coversongs (damit fing die Band ja schließlich ihre Karriere an) und eigenen Kompositionen (u.a. „Bittersweet“) zusammen. Besonders beeindruckend bei der Show waren die Lichteffekte, die ob der bereits einsetzenden Dunkelheit hier sehr gut zur Geltung kamen und für das nötige Flair sorgten. Keine Frage, die Metalfans hatten definitiv ihren Spaß an dem Spektakel, für Ash jedoch war das Ganze irgendwann ziemlich anstrengend, da mit Ausnahme von drei Songs bei den Tipe Johnson die Vocals beisteuerte, das Konzert logischerweise rein instrumental war. Entweder man mag es oder es stellt sich sehr schnell Langeweile ein. Da es bereits Abend war und Ash seit Oomph! vorne an der Hauptbühne stand und auf den Headliner wartete, war er nicht allzu erfreut über die gespielten Zugaben und sehnte sich nach dem Ende des Gigs. Der kam dann auch nach ca. 75 Minuten und wurde noch einmal zugegebenermaßen bombastisch in Szene gesetzt. Das Finale bestritten die Jungs nämlich mit der Metallica-Hymne „Enter Sandman“. Für fünf bis sechs Songs ist das sicherlich ganz großes Kino was die Herren da leisten, aber ein Fulltime-Konzert bietet einfach zu wenig Abwechslung, um sich dafür zu 100% begeistern zu können.

Setlist Apocalyptica

  • Wherever I may roam
  • Refuse/Resist
  • Grace
  • Fight Fire with Fire
  • One
  • I'm not Jesus
  • Life burns
  • Bells
  • Betrayal
  • Bittersweet
  • Last Hope
  • Seek and Destroy
  • Inquisition Symphony

Zugabe

  • I don´t care
  • Enter Sandman
Apocalyptica @ M'era Luna 2009 Apocalyptica @ M'era Luna 2009

NIGHTWISH (22:45-00:00 Uhr)

(Galerie)

Nightwish @ M'era Luna 2009Lange haben sie sich nicht mehr in Hildesheim blicken lassen, die Könige des Symphonic Metals aus Finnland. In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Das 2004er Album „Once“ war wochenlang auf Platz in den deutschen Albumcharts, die Single „Nemo“ wurde sogar auf MTVIVA gespielt und die Tourneen waren allerbestens besucht.
Doch der kometenhafte Erfolg von Nightwish brachte auch seine Schattenseiten mit sich. Das Verhältnis zwischen Tarja Turunen und den übrigen Bandmitgliedern zerbrach und die Band sah keinen anderen Ausweg, als sich von ihrer Frontfrau mit der unverwechselbaren Stimme zu trennen. Als die Band ihre Live-DVD „End of an Era“ am 21.10.2005 mit filmten, schrieben die Bandmitglieder Tarja anschließend einen Brief, in dem sie ihre Trennungsgründe ihr gegenüber bekanntgaben. Nach einem intensiven Findungsprozess stellten die Jungs dann die Schwedin Anette Olzon vor, die jedoch auf dem Album „Dark Passion Play“ von 2007 nicht ansatzweise mit dem opernhaften Goldkehlchen Tarja mithalten konnte. Die Frage war also: was hat die gute Frau tatsächlich live drauf? Würden Nightwish jetzt auch auf der Bühne nur noch wie jede andere Gothic Rock Band mit weiblichem Gesang klingen? Die Frage muss leider mit „Ja“ beantwortet werden, wenn man bedenkt, dass die Kollegen aus Holland Within Temptation in den letzten Jahren showtechnisch ganz weit aufgeholt haben (man sehe sich hierzu nur mal die Entwicklung der Live-DVDs „Mother Earth Live“ zu „The Silent Force Tour“ an). WT wissen mittlerweile mindestens genauso gut wie man mit Bombast und Pyrotechnik umgeht. Hinzu kommt, daß Sängerin Sharon sich stimmlich enorm verbessert hat. Der Symphonic Metal Olymp ist also für die Finnen doch arg gefährdet!
Da verwundert es auch nicht, dass Gitarrist und Zweitstimme Marco Hietala immer mehr in den Vordergrund gerät und die Band mehr und mehr aus zwei Sängern besteht als noch zu Tarjas guten alten Zeiten. Zwar deutete sich dieser Trend bereits auf „Once“ an, aber auf dem letzten Album wird dieser Weg konsequent fortgesetzt. Die Präsenz Marcos auf der Bühne entspricht diesem Ansatz übrigens sehr deutlich. Anette singt zwar live ziemlich auf gleichem Niveau wie im Studio, was sehr wohl für sie spricht, aber ist eben dieses Level nur noch guter Durchschnitt. Das Besondere ist weg. Das, was Nightwish von allen anderen Vertretern dieser wie Sand am Meer präsenten Stilrichtung abgehoben hat, ist einfach nicht mehr da. Nicht auf CD und live erst recht nicht. Dadurch wirkt es auch höchst einleuchtend, weshalb nicht eine einzige Ballade den Weg in die Setlist fand. Die Jahrhundetballade „Sleeping Sun“ passt in den Abendhimmel vom M'era Luna natürlich wie die Faust aufs Auge – nur eben nicht mit Anettes Stimme, darum haben die Finnen dieses waghalsige Experiment wahrscheinlich auch gar nicht erst versucht. Stattdessen ging die Band auf Nummer sicher mit Titeln wie „The Siren“, „Wishmaster“ oder „Nemo“. Dass hier ganz viele wichtige Nummern gefehlt haben, könnt ihr anhand der Playlist ausmachen.
Die Stimmung im Publikum war zwar schon sehr ordentlich und die Musiker hatten auch sichtlich Spaß auf der Bühne, aber dennoch hat man Nightwish schon wesentlich besser erlebt. Die erblondete Anette muß sich nunmal den Tarja-Vergleich gefallen lassen, ob sie will oder nicht. Und da wird sie auch in Zukunft den Kürzeren ziehen. Nightwish ist halt mehr als ein Pyrofeuerwerk und eine Lichtshow erster Klasse. Der Auftritt als Headliner am Samstag war ordentlich, wird aber nicht in die Annalen des Festivals eingehen.
Klassische Anekdote am Rande: für eine relativ lange Zeit war komplette Funkstille auf der Bühne, da die ganze PA-Anlage von einem Moment auf den anderen ausgefallen ist! Anette hörte man nicht mehr singen, die Musiker nicht mehr spielen. Zunächst realisierten dies die Künstler gar nicht, da anscheinend die Monitorboxen noch aktiv waren. Jedenfalls gab's den Song „The Poet and the Pendulum“ lediglich zur Hälfte zu hören. Die Band nahm's anschließend mit Humor; der geübte M'era Luna-Gast wundert sich bezüglich technischer Pannen in Hildesheim ohnehin über nichts mehr. Dennoch: Das darf einfach nicht passieren, scheint aber mittlerweile irgendwie zum M'era dazu zu gehören.

Nightwish @ M'era Luna 2009Setlist Nightwish

  • 7 Days to the Wolves
  • Ever Dream
  • The Siren
  • Wishmaster
  • Romanticide
  • Amaranth
  • The Poet And The Pendulum

Zugabe 1

  • Nemo
  • Dark Chest of Wonders

Zugabe 2

  • Wish I Had an Angel
Nightwish @ M'era Luna 2009 Nightwish @ M'era Luna 2009


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