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Im Blickpunkt, Musik-Reviews, Transit Poetry — Veröffentlicht am 5. März 2011 um 18:00

TRANSIT POETRY – Pedestrians In The Sky

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So langsam aber sicher tritt der Winter den Rückzug an und das Leben kehrt in die Welt zurück. Zeit also, die schwermütige, depressive Musik im Schrank zu lassen und stattdessen etwas lebensbejahenderes hervorzukramen. Dass das ganz wunderbar funktionieren kann, ohne dabei in belangloses Heile-Welt-Gedudel abzudriften, zeigt die Berliner Band TRANSIT POETRY mit ihrem aktuellen Album “Pedestrians In The Sky”.

Da wir hier bisher noch nichts über Transit Poetry geschrieben haben, muss ich an dieser Stelle kurz bandhistorisch ein klein wenig ausholen. Transit Poetry haben sich irgendwann im Jahr 2002 zusammengefunden, um gleich mit einer spannenden Herausforderung an sich selbst die Musikwelt zu erobern. Anstelle eines Debütalbums, das für sich alleine steht, gingen die Berliner gleich zu größerem über: vier Alben zu schaffen, die sich den Elementen widmen sollten. Feuer, Wasser, Erde und Luft. Inhaltlich hatte man sich nicht weniger auf die Fahne geschrieben, als eine Brücke zwischen spiritueller und materieller Welt zu schaffen. Mag ein wenig esoterisch klingen, funktionierte als musikalisches Gesamtpaket bislang aber sehr gut. Nun, wie man anhand des Titels des vorliegenden Werkes “Pedestrians In The Sky” unschwer ableiten kann, sind Transit Poetry inzwischen beim letzten verbliebenen Element angelangt: Luft.

Jedes der vier abgehandelten Themen bietet genug Spielraum für kreative Entfaltung. Ganz besonders im Klang. Transit Poetry lassen sich auch nicht auf einen bestimmten Stil oder ein Genre festnageln. Ob sie nun mit leichtfüßiger Rockmusik für Begeisterung sorgen, mit elektronischen Hymnen punkten oder mit Anleihen an Ethno-Einflüssen überraschen – die einzige Gemeinsamkeit, die alle Songs auf dem vorliegenden Album teilen, ist eine faszinierende, authentische Bodenständigkeit – kombiniert mit etwas, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Aber zum thematischen Kontext des Albums passend sind alle Songs irgendwie luftig, schwebend, mit klaren, eingängigen Strukturen und Melodien – und doch trotz allem nicht so richtig greifbar. Der hier präsentierte Cocktail aus unterschiedlichen Stilen und Genres funktioniert übrigens überraschend gut. Kein Song gleicht dem anderen. Und in jedem wird eine ganz eigene Geschichte erzählt, die in irgendeiner Weise dem Thema “Luft” verhaftet ist. Texter und Sänger Sascha Blach (ansonsten auch noch der Mann hinter Eden weint im Grab) erklärt dazu: “„Es war gar nicht so einfach, Luft in Worte zu fassen“. Dass es den Herrschaften trotzdem ziemlich gut gelungen ist, etwas so flüchtiges zu greifen, zeigen Stücke wie “The Drowning Man”, das metaphorische Ersticken behandelnd, die völlige Loslösung von Körperlichkeit in “Astronauts & Butterflies” oder der die Erde reinigende Sturm in “Storm – The Darkest Of All Butterflies”. Generell ist die Naturverbundenheit der Band auch in diesem Album nicht zu übersehen. Bzw. zu überhören. Auch dazu ein Zitat von Sänger Sascha: Es gibt auf dem Album durchaus wieder kritische Worte zum Umgang des Menschen mit Mutter Erde und seinen Mitgeschöpfen. Doch wichtig war uns auch, den Hörern Lebensmut und Energie mit auf den Weg zu geben, schließlich ist unsere Alltagswelt oft trist genug und ich finde es bedeutend, dass Musik die Hörer mit einem positiven Gefühl zurücklässt.” Eventuell aufkommende Befürchtungen, es hier mit weltverbesserndem Hippie-Gedudel zu tun zu haben, sind völlig unbegründet.

Mit “Pedestrians In The Sky” ist Transit Poetry ein in höchstem Maße abwechslungsreiches Album voller ohrschmeichelnder Melodien gelungen. Einen großen Anteil daran hat sicher auch die angenehm warme Stimme des Sängers. Eine Art Kessel Buntes ist das hier, das mich manchmal kurz an Absurd Minds denken lässt, dann wieder an Project Pitchfork, ein ander Mal wieder an Sweet Sister Pain. Ich denke nicht, dass diese Assoziationen an die genannten Bands bewusst von Transit Poetry provoziert wurden. Das hat sich einfach so ergeben. Aber wenn ich “Newcomer” höre, die mich auf angenehme Weise an die alten, sehr geschätzten Hasen im Showgeschäft erinnern, dann deute ich das als gutes Zeichen.

Das ist schon eine wilde Mischung, irgendwie: Rock, Pop, Electro, Wave, Weltmusik und kleine Prise Düstermucke. Vielleicht funktioniert “Pedestrians In The Sky” gerade deshalb so gut? Eben weil es scheinbar keine Grenzen gibt, die das Tun der Band irgendwie einengen könnten? Ich denke schon. Passend zu Konzept und Titel bewegen sich Transit Poetry wie Fußgänger über den Wolken quer durch viele Genres, sammeln die spannendsten Elemente ein und servieren ein ganz und gar eigenständiges Süppchen, das einen schmackhafter Begleiter durch die Übergangszeit zwischen Winter und Frühling darstellt. Mag “Pedestrians In The Sky” auch nicht als gute-Laune-Album konzipiert worden sein, so lässt es mich doch mit einem guten Gefühl zurück. Ziel also mehr als erreicht, meine Damen und Herren!


Wertung

Klang Artwork Gesamt

Trackliste

  1. Astronauts & Butterflies
  2. Monsters
  3. A Drowning Man
  4. Little Buddha
  5. A Prayer To The Planet
  6. Space Volcanoes
  7. Der Nachtwandler
  8. Storm – The Darkest Of All Butterflies
  9. Blood On The Windmills
  10. Rhyme Of The Fairies
  11. The Solitary Dancers
  12. Aeroplanes Into The Stars
  13. Luminous Stars (feat. Leandra)
  14. Halo Of The World
  15. Ad Infinitum

Anspieltipps

  1. A Prayer To The Planet
  2. Luminous Stars
  3. Halo Of The World
  4. Ad Infinitum

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