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And One, Im Blickpunkt, Musik-Reviews — Veröffentlicht am 9. März 2011 um 00:41

AND ONE – Tanzomat [Deluxe Edition]

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Zwischen Terminstress und privatem Umzug hat Steve Naghavi kürzlich das neue AND ONE Album “Tanzomat” fertiggestellt. Vier Jahre nach dem hervorragenden Vorgänger “Bodypop”, das von Fans und Presse gleichermassen gefeiert aufgenommen wurde, war die Synthie-Pop-Welt bereit für ein neues Werk des Trios , das noch vor ein paar Wochen mit der EP “Zerstörer” einen ersten (bestenfalls durchschnittlichen) Vorgeschmack auf das neue Material ablieferte.
Seit dem 4. März 2011 steht nun also der “Tanzomat” in den Regalen. Wir haben genug Klimpergeld in selbigen geschmissen und können nun berichten, ob sich die Investition gelohnt hat. Für die Rezension wurde die im schicken Digipak und mit einer Bonus-CD angereicherten Deluxe Edition herangezogen.
Erstaunlich behäbig beginnt das neue Werk mit dem Titel “Save the Hate”, bei dem der Hörer nach der Hälfte des Tracks bereits die Hoffnung aufgibt, daß der Song endlich aus dem Knick kommt und an Fahrt aufnehmen würde. Dem ist jedoch nicht so, und so reiht sich der fragwürdige Opener nahtlos an die Tanzomat-Appetizer-Tracks von der “Zerstörer”-EP (“No Song for you” und “Sex Drive”) ein. Wahrscheinlich wäre der Folgetitel “Shining Star” die bessere Wahl für den Eröffnungssong gewesen, legt die Band hier doch eine gehörige Schippe drauf und zelebriert eine Midtempo-Nummer nach gewohnt gekonnter And One´scher Marnier.

Leider führt das Album diese Tempoerhöhung nicht fort, sodaß die Spannungskurve mit “Only your Dreams” wieder rapide bergab geht. Der Rezensent gesteht sogar ein, daß dieser Titel erst beim dritten Anlauf tatsächlich Beachtung gefunden hat, so unauffällig verhält er sich auf “Tanzomat”. An “Dancing in the Factory” ist grundsätzlich nicht viel auszusetzen,
And One haben hier in die Partyspur zurückgefunden und bescheren uns eine absolut solide Synthpop-Perle, die erneut Hoffnung aufkeimen läßt. Doch…moment mal, was ist denn das da am Anfang?? Wer hier nicht eindeutig Depeche Modes “Just can´t get enough” heraushört, der kennt sich in der Welt der elektronischen Popmusik anscheinend nicht sonderlich gut aus. Mutig, mutig, Herr Naghavi! Daß der Grad zwischen Hommage und dreistem Melodiediebstahl enorm schmal ist, ist bekannt. Die ersten Takte des vierten Stückes bieten also mehr als genug Diskussionspotenzial. Die Prinzen hatten mal einen Hit namens “Alles nur geklaut”. Ob sie recht behielten, muß der geneigte And One Hörer selbst entscheiden. Fakt ist, daß die Nummer unter diesem Vorwurf zu leiden haben könnte, was sie musikalisch eigentlich gar nicht nötig, geschweige denn gebraucht hätte.

“Angel Eyes” und “The Aim is in your Head” kommen erneut balladesk daher und laden eher zum Einschlafen als zum Tanzen ein. “Seven” verbuchen wir mal als typischen And One-Song, das zwar ins Ohr geht, aber ansonsten nicht viel Neues bietet. Einen Blick auf die Tracktime verrät uns, daß wir bereits über die Hälfte des neuen And One Outputs absolviert – oder besser gesagt überstanden – haben. “No Song for you” und “Sex Drive” stammen wie oben erwähnt bereits in exakt der gleichen Version von der “Zerstörer”-Scheibe. Während “Sex Drive” bei der EP noch als Durchschnittsware akzeptiert werden konnte, so gehört er auf “Tanzomat” doch tatsächlich zu den stärkeren Nummern. Nehmen wir mal so hin, ein gutes Omen für ein positives Gesamturteil sieht sicher anders aus.

“Electrocution” ist dann endlich die sehnsüchtig erwartete größte Überraschung des Albums. Auch dieses Stück schraubt zwar nicht an der BPM-Zahl und präsentiert Sounds, die wir mittlerweile auswendig kennen, aber dieser düstere und v.a. bassbetonte Bastard weiß in voller Gänze zu gefallen und ist vielleicht der stärkste Vertreter des enttäuschenden Albums. Apropos düster: “Play Dead” und das finale “And I love” drosseln das Tempo in fast schon gruftige Gefilde. Erst genannter spielt sogar mit Kirchenglocken-Samples… Zwei traurige Songs, die irgendwie symptomatisch für das Gemüt des Hörers ist, das etwas gänzlich Anderes von einem Albumtitel wie diesem mit einem Coverartwork, das nicht nur an “Bodypop” angelehnt ist (nur in Mädchen-Rosa, äääh -Pink anstatt Funker Vogt´schem Military-Orange), sondern auch durch zwei Tänzer mir Kopfhörer sowie einem Lautsprecher ein Clubalbum par exzellence suggeriert. Fehlanzeige pur! Jetzt stellt sich natürlich nur die Frage, ob das Schlitzohr Steve Naghavi, der sich ja bekanntlich für keine Provokation und keinem selbstironischen Scherz zu schade ist, den Hörer absichtlich in die Irre führen wollte, oder ob das alles sein wirklicher Ernst ist. Wer jedoch im Vorfeld solche großen Töne spuckt und mit einer Platte voller EBM Rhythmen wirbt, der muß sich nicht über so ein Echo wundern. “Grosse Fresse, du dahinter” hieß es in der Promotion. “Grosse Fresse, nix dahinter” ist passender.

Viel angenehmer fällt da das Urteil der Bonus-Live-CD der Deluxe Edition namens “Live 2010 – The Specials” aus. Insgesamt gibt es zwar leider nur 10 Titel bei einer überschaubaren Laufzeit von 35 Minuten zu hören, aber was hier geboten wird, entschädigt für die Wahl zur teureren Album-Variante. Der glasklare Live-Sound wird genauso perfekt eingefangen wie die Stimmung des in Leipzig aufgezeichneten Mitschnitts. Daß Steve wohl gerne der begnadedste Sänger auf Erden sein würde, dies aber auf der Bühne bei weitem nicht ist, weiß jeder, der bereits auf einem And One Konzert zugegen war. Dies macht er jedoch durch seine Entertainment Qualitäten wett, die And One gemeinhin als den totalen Partygarant erstrahlen lassen. Der “Kommunikator” und “Animator” (im Gegensatz zu “Tanzomat” passendere Albumtitel) vermag es auch zwischen den Songs zu unterhalten, sei es nun in der Diskussion über dringende Toilettengänge von Bandkollege Gio oder hinsichtlich dem gesanglichen Wechselspiel auf “Tanz der Arroganz” (Highlight der Live-CD!) mit dem Publikum. Übrigens: Steve ist sich noch unsicher, ob Peine im östlichen oder im westlichen Teil Deutschlands liegt. Herrlich!
Daß bei so viel Unterhaltung Naghavi & Co aus einem unterdurchschnittlichen Album wie “Tanzomat” noch eine passable Show herausholen könnten, darf mit Fug und Recht angenommen werden.

Doch was nützen uns hervorragende Live-Aufnahmen, wenn bei der Basis massive Fehler gemacht werden? Müssen wir nun wieder vier Jahre auf ein weiteres Comeback-Album in der Qualität von “Aggressor” und “Bodypop” warten? Fragen über Fragen, die sich auch Steve Naghavi stellen sollte. Aber wie man ihn kennt, ist ihm das wahrscheinlich ohnehin alles Wurscht. Warten wir es ab, der erhoffte große Wurf ist “Tanzomat” jedenfalls leider nicht geworden, denn es handelt sich hierbei wohl kaum um “tanzomatische” Klänge und um Bodypop schon gar nicht. Schade.

Wie man deutlich herauslesen kann, bin ich sehr enttäuscht von “Tanzomat”. Ich erwarte nunmal von dieser Kapelle verdammte Partymusik zum Abtanzen und Feiern. Melancholische Sounds und Lyrics in allen Ehren, die hat es auch in der Discographie And Ones immer mal wieder gegeben (allen voran das unübertroffene “Sometimes”), aber das Hauptaugenmerk lag stets auf stilechten Synthpop, in Fachkreisen auch “Music for the Masses” genannt. Musik und Soundscapes, die zum Tanzen einladen. Davon sind auf “Tanzomat” leider nicht einmal eine Handvoll Potenzialträger zu finden. Dafür wechselt das Album quasi im Sinuskurventakt zwischen Einschlaf- und Midtemponummer, sodaß sich bei mir sehr schnell Langeweile und Frust eingestellt hat. Hinzu kommt die Tatsache, daß die typischen Sounds, die And One verwenden, auf Dauer zu langweilen beginnen. Hardcore-Fans werden argumentieren, daß der Act damit seinen eigenen Sound kreiert hat und sich diesem über die Jahre treu geblieben ist. Mag sein, aber das Electro-Genre bietet so viele verschiedene Facetten, daß man bei einem möglichen Clubhit auch gerne mal etwas Neues hören möchte. Funktioniert bei anderen Kollegen ja schließlich auch… Chance vertan, Steve – aber in Peine gebe ich dir trotzdem die Chance, aus dem Material mehr rauszuholen.


Wertung


Trackliste CD 1 – Tanzomat [Basis]

  1. Save the Hate
  2. Shining Star
  3. Only your Dreams
  4. Dancing in the Factory
  5. Angel Eyes
  6. Seven
  7. The Aim is in your Head
  8. Electrocution
  9. Sex Drive
  10. Playing Dead
  11. No Song for you
  12. And I love

 

Trackliste CD 2 – Live 2010-The Specials [Bonus-CD]

  1. Ego [Live 2010]
  2. Second Front [Live 2010]
  3. Love & Fingers [Live 2010]
  4. Men in Uniform [Live 2010]
  5. Sexkeit [Live 2010]
  6. My Warrior [Live 2010]
  7. Tanz der Arroganz [Live 2010]
  8. Klaus [Live 2010]
  9. Anguish [Live 2010]
  10. Over there [Live 2010]

Anspieltipps

  1. Electrocution
  2. Dancing in the Factory
  3. Tanz der Arroganz [Live 2010; nur auf der Deluxe Edition]

Videoclip


Tourdaten

  • 04.03.11 | Barcelona, ES | Bikini [Support: TOY]
  • 05.03.11 | Madrid, ES | Heineken [Support: TOY]
  • 18.03.11 | Moskau, RU | Tochka [Support: TOY]
  • 19.03.11 | St. Petersburg, RU | Kosmonaut [Support: TOY]
  • 03.04.11 | Sheffield, UK | Resitanz Festival
  • 25.06.11 | Gelsenkirchen | Blackfield Festival
  • 26.06.11 | Querfurt | Blackfield Festival
  • 24.09.11 | Wien, AT | Szene [Support: FOD & Headless]
  • 01.10.11 | Hamburg | Grosse Freiheit
  • 08.10.10 | Dresden | Alter Schlachthof
  • 22.10.11 | München | Backstage
  • 29.10.11 | Leipzig | Haus Auensee
  • 05.11.11 | Düsseldorf | Stahlwerk
  • 12.11.11 | Berlin | Columbiahalle
  • 26.11.11 | Frankfurt | Hugenottenhalle
  • 03.12.11 | Peine | Gebläsehalle

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