DAS ICH gehören neben Acts wie Goethes Erben oder Lacrimosa zu den einflußreichsten deutschsprachigen Gothic-Bands (um den albernen Begriff Neue Deutsche Todeskunst bewußt zu vermeiden), die mittlerweile die 20-jährige Jubiläumsgrenze längst überschritten haben. Die Bayreuther Elektroniker Bruno Kramm (Musik) und Stefan Ackermann (Vocals) haben Das Ich 1989 ins Leben gerufen und waren v.a. zu Beginn der 90er Jahre eine der angesagtesten Szene-Bands neben den bereits oben erwähnten. Mit Alben wie “Anti´christ” (inklusive der Hits “Garten Eden” und “Sodom und Gomorra”), “Staub” oder dem 91´er Debütwerk “Die Propheten”, das neben dem bekannten Titeltrack auch den Live-Kracher “Gottes Tod” beinhaltet, glänzt in der Diskographie vor allem ein Album heraus, das allen anderen überwiegt und allgemein als die beste Das Ich-Platte angesehen werden kann: “Egodram”. Seit dem 25. Februar ist diese lange vergriffene Scheibe über Danse Macabre wieder verfügbar. Wir erzählen euch, was so toll daran ist.
Falls es also wirklich noch Leute da draußen geben sollte, die diese Platte nicht besitzen – oder schlimmer: sie nicht kennen – nun habt ihr die Gelegenheit dazu! Zwar ist auch diese “Egodram (Edition)” limitiert, aber zumindest zeitweise für einen bezahlbaren Preis erhältlich, anstatt auf eBay nur zu Höchstsummen zu bekommen. Außerdem wurde das Album komplett remastert, mit einer schicken Banderole versehen und präsentiert im Booklet viele alte und unveröffentlichte Fotos. Mit “Kindgott” und “Destillat” befinden sich zwei der wichtigsten und beliebtesten Tracks der Bandgeschichte auf diesem Tonträger, die nicht nur live zu den absoluten Highlights gehören, sondern auch in den Clubs seit Jahren eine wesentliche Rolle spielen. Die “Destillat”-Album Version ist die altbekannte (also ohne weiblichem Gesang), nur eben ohne den Bumms vom Onkel Ronan Remix. Der Sound auf “Egodram” ist sehr abwechslungsreich und experimentell, was die Sache so unglaubich spannend macht. Hier werden verschiedene Stile zu einem heißen Inferno zusammengebraut! Schon beim Opener “Egodram” kriegt der Hörer es mit einem brachialen Industrial-Gewitter im Mittelteil zu tun, womit er nicht gerechnet hat. In “Reflex” sind Breakbeat-Elemente eingestreut, die irgendwo nach The Prodigy klingen und auch Einflüsse von Nine Inch Nails oder Manson meint man, auf der Platte herauszuhören. In “Firmament” sind orchestrale Klänge genauso zu vernehmen wie die auf den Punkt gebrachte Elektronik. Stefan verwendet auf “Blutquell” lediglich eindringlichen Sprechgesang, der damals durch die Bayreuther Nachbarn von Goethes Erben en vogue waren.
Dem Re-Release ist noch eine Bonus-CD mit beigelegt, auf der u.a. “Destillat”, “Kindgott” und “Chroma” in mehreren Versionen vertreten sind. Von der Hymne “Destillat” ist zwar nicht der aus den Clubs allseits beliebte VNV Nation-Remix vertreten, dafür aber eine Extended Version sowie die Single Version, die beide durch Female Vocals auffallen und sich dadurch gänzlich von der Album- und der VNV-Version unterscheiden. Mit “Warrior” befindet sich auf der 2. CD sogar ein Versuch, auch englischsprachig zu überzeugen. Entscheidet selbst, ob es ein ge- oder mißglücktes Experiment gewesen ist. Ganz uninteressant ist dieser Titel jedenfalls nicht! Der Rest besteht aus diversen Demo-Versionen und Single-Auskopplungen. Als i-Tüpfelchen gibt es den Videoclip von “Destillat” als MPEG-Datei auf dem Silberling.
Diese VÖ ist sowohl für Komplettisten als auch für Musikinteressierte spannend, die noch nicht so firm sind mit dem Gesamtwerk von Das Ich. Um sich also einen Eindruck über die beiden zu mahen, sei dieses Album wärmstens empfohlen. Hardcore-Fans haben es sowieso, hier stellt sich also in erster Linie die Frage, ob auch die Singles im Regal stehen oder nicht. Kurzum: “Egodram” ist ein Klassiker deutschsprachiger Düstermusik, der in keiner Sammlung fehlen sollte!
Wertung
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Trackliste CD 1
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Anspieltipps
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