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Film-Reviews, I spit on your Grave, Im Blickpunkt — Veröffentlicht am 11. Mai 2011 um 19:18

I SPIT ON YOUR GRAVE (2010)

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In den glorreichen 70er Jahren sorgte ein kleines dreckiges Machwerk damals für allerlei Aufruhr: der 1978 von Meir Zarchi geschriebene und inszenierte Exploitationfilm „Ich spuck´ auf dein Grab“ aka „Blood Angel“, welcher seinerzeit im Fahrwasser von Wes Cravens Rape & Revenge-Klassiker „Mondo Brutale“ aka „The Last House on the Left“ fuhr. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Schriftstellerin Jennifer Hills, die in ein abgelegenes Ferienhaus in die Wälder fährt, um dort in Ruhe an ihrem Buch weiterzuschreiben. Als sie sich mehrfach aufreizend im Boot oder in der Hängematte vier Twens präsentiert, geht der Hormonhaushalt der Männer mit ihnen durch und sie beschliessen, Jennifer auf übelste Art zu mißhandeln und zu vergewaltigen, ja sogar schließlich umzubringen, was jedoch nicht konsequent in die Tat umgesetzt wird. Nachdem Jennifer sich wieder erholt hat, nimmt sie sich einen nach dem anderen zur Brust und übt grausame Rache an den Frauenschändern aus… Mittlerweile ist das 2010 entstandene Remake zu “I SPIT ON YOUR GRAVE” bei uns erschienen und wir können euch mitteilen, ob sich der Aufwand einer Neuverfilmung gelohnt hat.

Das Rape & Revenge-Subgenre hatte 1978 mit „I spit on your Grave“ einen weiteren Höhepunkt erlangt, nachdem „The Last House on the Left“ aus dem Jahr 1972 diese Form der Exploitation maßgeblich mitbegründete. Meir Zarchis Streifen wurde zum gesuchten und berüchtigten Kultfilm, nicht zuletzt da er in mehreren Ländern wegen seines hohen Anteils an Frauenfeindlichkeit und der Selbstjustiz als einziges mögliches Rachemittel, verboten wurde. Auf VHS wurde der Film, der gleich mehrere Tabus brach, im Jahr 1987 nach § 131 StGB bundesweit beschlagnahmt.

Auf DVD und Blu-ray ist das 2010 entstandene Remake unter dem Originaltitel „I spit on your Grave“ des Regisseurs Steven R. Monroe im April bei uns über Sunfilm erschienen, wobei der israelisch-amerikanische Meir Zarchi auch hier in der Produktionsphase mit von der Partie war. Die Grundstory ist nahezu identisch mit der des Originalfilms geblieben und weicht im Grunde genommen erst so richtig in den Racheakten voneinander ab. Im Vergleich zum Original spielt hier auch noch der örtliche Sheriff eine Rolle. Ein eigentlich liebevoller Familienvater, der sich jedoch nicht ganz so loyal dem weiblichen Geschlecht gegenüber verhält, wie es seine berufliche Position verlangen müßte, sondern sich zu allem Überfluß auch noch als Oberarschloch herauskristallisiert.

Wird die Vergewaltigung im Original förmlich in langen 30 Minuten zelebriert, so fällt dieser Teil im Remake deutlich kürzer, aber in keinster Weise weniger roh aus – im Gegenteil! Während des Aktes der Vergewaltigung konnte man sich in der alten Version als Zuschauer trotz des dargestellten harten Tobaks eines Schmunzelns nicht verwehren, da die schlechten männlichen Schauspieler in erster Linie durch massives Overacting glänzten. Das Remake ist hier wesentlich besser aufgestellt und überzeugt durch eine weitaus realistischere und dadurch drastischere Darstellung der Schauspieler und damit auch der Greueltaten. Dies gilt jedoch nicht für die Darstellung der Jennifer. Camille Keaton im Original überzeugte genauso als Jennifer Hills wie es Sarah Butler in der Neuverfilmung getan hat. Der Hauptfigur wurde also sowohl beim Original als auch beim Remake während des Casting-Prozesses die nötige Relevanz zugetragen.

In beiden Filmen wollen die Peiniger ihr Opfer am Ende töten. Im Streifen von 1978 mißlingt dieses Vorhaben aufgrund des schusseligen Charakters Matthew, dem der Mut im letzten Moment verläßt. In der Version von 2010 überlebt Jennifer Hills dadurch, daß sie sich rückwärts von einer Kanalbrücke stürzt und im Wasser entkommen kann. Zwei Jahre später kehrt sie also wie ihr Pendant aus den 70ern an den Ort des Geschehens zurück, um den Männern ihre Taten heimzuzahlen. Was nun in der Neuverfilmung folgt, ist eine Augenweide für jeden Splatterfilm-Fan. Die Art und Weise wie Jennifer ihre Rachetaten plant und durchführt lassen teilweise deutliche Züge des nach wie vor aktuellen Torture Porn Genres erkennen. Eine sehr heftige „Melting Scene“ ist ebenso vorhanden wie eine Kettenreaktion, die gleich zwei Sadisten involviert und für beide, wenn´s schlecht läuft, tödliche Folgen hat. Fehlt eigentlich nur noch Billy the Puppet, die vorher über einen Bildschirm zu sehen ist und mitteilt, daß sie ein Spiel spielen wolle… Tja und dann ist da ja noch die überdimensional große Heckenschere des Teaser-Plakates. Während Jennifer einen der Vergewaltiger im Original in der Badewanne relativ unspektakulär entmannt, wird dies 22 Jahre später in einer Szene dargestellt, die ebenfalls genauso locker Platz in einem „Saw“-Film gehabt hätte. Dem Täter, der nun zum Opfer geworden ist, werden zunächst die Zähne mit einer Zange herausgezogen, bevor die Heckenschere zum finalen Einsatz kommt. Der Mann kann sich dabei nicht wehren, da er an Eisenketten festgekettet ist und wehrlos mitansehen muß, wie Jennifer kurzen Prozeß mit seinem besten Stück macht – Autschn!

Der Clou an diesen rein technisch einwandfrei inszenierten Gewaltszenen ist die Tatsache, daß Jennifers Rachetaten stets in der Verbindung mit den Qualen stehen, die die einzelnen Drecksäcke ihr jeweils selbst angetan haben. So verwundert es also auch nicht, daß das Arschloch, das die ganzen Beleidigungen, Demütigungen und Schändereien stets auf Video aufzeichnete, auf herrlich kreative und gleichzeitig klassische Weise sein Augenlicht verliert. Schon mal Hitchcocks „Die Vögel“ gesehen? ;-) Ein kleiner, aber feiner Unterschied zur Originalverfilmung aus den 70ern ist außerdem, daß Jennifer nicht noch einmal freiwillig mit den Männern schläft bzw. sexuelle Handlungen vollführt, bevor sie zum finalen Schlag ausholt. Diese Änderung ist durchaus als sinnvoll zu bezeichnen, da dieser Umstand nicht unbedingt als sonderlich realistisch im alten Film angenommen werden wollte.

Natürlich darf man über die Sinnhaftigkeit und die Moral eines Video Nastys wie „Ich spuck´ auf dein Grab“, „Mondo Brutale“ oder „Muttertag“ diskutieren. Dennoch gehören sie nunmal zu den Filmen, die über all die Jahre hinweg als besonders gesucht im Horrorfilmgenre galten, längst die Stempel „Klassiker“ und „Kultfilm“ aufgedrückt bekamen und deshalb auch ihre Daseinsberechtigung verdient haben. Aufgrund der besseren schauspielerischen Leistungen, den realistischeren Gräueltaten auf Seiten der Peiniger sowie am Opfer Jennifer und der Tatsache, daß der Film insgesamt knackiger inszeniert ist als das Original und dadurch weniger Längen aufweist, hat das Remake im Vergleich ganz klar die Nase vorn. Damit reiht sich der 2010er „I spit on your Grave“ nahtlos in die Riege der gelungenen Neuverfilmungen gleich neben den Remakes alter 70er Jahre-Klassiker wie „The Last House on the Left“ (2009) und „The Hills have Eyes“ (2006) ein.

Trotz der Einstufung „keine schwere Jugendgefährdung“ durch die Juristen-Kommission der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (kurz: SPIO/JK), ist die deutsche Verleihfassung um gut vier Minuten geschnitten. Wem das nicht ausreicht, der wartet bis zum Juni, dann erscheint über das österreichische Uncut-Label Illusions Unlimited die ungekürzte Unrated-Fassung komplett in deutscher Sprache! Und wenn das nicht schon der guten Nachrichten genug wären, re-released das Label den Originalfilm ebenfalls zeitlich zur Remake-VÖ. Na dann: wohl bekomm´s!

Grundsätzlich bin ich kein Freund von Neuverfilmungen. Wenn sich diese jedoch so präsentieren wie Alexandre Ajas Remake von “Hügel der blutigen Augen” (2006) oder “The Last House on the Left” von Dennis Iliadis, dann ist das durchaus was anderes. Man kennt das ja: wohl jeder hat zumindest schon einmal von den sogenannten Kultklassikern “Ein Zombie hing am Glockenseil”, “Hügel der blutigen Augen” oder eben “Ich spuck´ auf dein Grab” gehört. Alle diese Titel sind berühmt berüchtigst, weisen aber bei näherem Betrachten auch technische und schauspielerische Defizite auf. Die Neuverfilmungen von “Last House on the Left” und “Hills have Eyes” jedenfalls haben bewiesen, daß sowohl die Rohheit und die Kompromißlosigkeit der Vorbilder in die Neuzeit transportiert werden kann, was ich bei dem Kino aus Hollywood von heute, wo alles nur aalgatt gebügelt ist, mir niemals hätte vorstellen können. Die beiden genannten Filme machten das ganz wunderbar und in diese Riege reiht sich auch “I spit on your Grave (2010)” hervorragend ein. Bleibt abzuwarten, ob der dritte wichtige Rape & Revenge-Klassiker (“Muttertag”) ebenfalls das Potential von “Last House…” und “I spit…” erreichen kann. In wenigen Tagen werde ich mehr darüber wissen. Also wartet noch bis zum Juni, bis die Unrated-Fassung dieses fiesen und gleichzeitig tollen Machwerkes über Österreich zu erhalten ist. Aber wartet nicht zu lange damit, sonst könnte es schon wieder bald zu spät sein. Dieser Streifen ist ganz klar ein heißer Kandidat für die Bundesprüfstelle jugendgefährdender Medien!


Wertung

Special Effects Gesamt

Trailer


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