Der Horrorfilm trat Anfang bis Mitte der 90er Jahre auf der Stelle, kaum ein nennenswerter (geschweige denn wichtiger) Beitrag fällt einem zu dieser Zeit spontan ein – mit Ausnahme vielleicht von „Jason goes to Hell“ oder „Ritter der Dämonen“. Ansonsten hat das Genre nicht viel zu bieten gehabt und die Flut an unterdurchschnittlicher Massenware in den Videotheken war schier unerträglich. Doch urplötzlich sollte sich dieser Umstand schlagartig ändern, als Wes Craven – seines Zeichens Erfinder von Freddy Krueger und verantwortlich des Rape & Revenge-Klassikers „The Last House on the Left“ von 1972 – im Jahr 1996 mit dem Film „Scream – Schrei!“ um die Ecke kam und über Nacht das Teenie-Slashergenre revolutionierte. Endlich wurde dem stereotypen Schlitzer, der sich hinter einer Maske versteckt, neues Leben eingehaucht. „Scream“ brachte eine Lawine ins Rollen, das Kino war ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre kaum mehr sicher vor maskierten Killern mit Messern („Halloween H20“), Fischerhaken („Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) oder Macheten („Swimming Pool“). Es verging kaum kein Quartal wo nicht mindestens ein weiterer Scream-Abklatsch in den Lichtspielhäusern zu sehen war. Sogar der gar nicht mal so schlechte und in deutscher Sprache gedrehte „Flashback – Mörderische Ferien“ sprang auf den Zug mit auf. Dazu gesellten sich in dieser Zeit weitere Filme, die ein ähnliches Grundmuster hatten, aber etwas mehr Übernatürlichkeit mit ins Spiel brachten: „Düstere Legenden“ und „Jeepers Creepers“. Und nicht zuletzt gab es da natürlich die Fortsetzungen des „Scream“-Welterfolges von Drehbuchautor Kevin Williamson und Regisseur Wes Craven: „Scream 2“ erschien 1997 und „Scream 3“ im Jahr 2000. Teil 2 war eine gelungene und abermals unterhaltsame Fortsetzung mit zwar einigen Szenen, die den Film unnötig in die Länge zogen, aber unterm Strich hat auch er bestens funktioniert und Spaß gemacht. Teil 3 konzentrierte sich leider zu sehr auf das in Szene setzen von Cameo-Auftritten, anstatt auf eine spannende Erzählstruktur. Die Szenen mit Carrie Fisher (Prinzessin Leia aus „Star Wars“) und Jason Mewes & Kevin Smith alias Jay & Silent Bob paßten einfach nicht in einen „Scream“-Film! Dennoch ließ auch das Ende der Trilogie die Kinoklasse ordentlich klingeln. „Scream“ war ein Markenprodukt und ein Selbstläufer zugleich, ähnlich wie es sich heutzutage mit dem „Saw“-Franchise verhält. Tja, und wie huldigt Hollywood ansonsten noch erfolgreichen Produktionen? Riiichtiich, genau: mit einer Parodie! Und so verbeugte sich einerseits der witzige und gleichermaßen erfolgreiche „Scary Movie“ vor der Filmreihe, nahm sie andererseits aber mit voller Pracht auch auf die Schippe. „Scary Movie“ war übrigens der Arbeitstitel des Wes Craven-Films, doch das Studio änderte den Namen schließlich in „Scream“ ab, worüber der Regisseur heutzutage sehr dankbar ist. Egal unter welchem Namen, der erste Teil wurde ein Riesenerfolg und spielte mehr als 170 Millionen Dollar ein. Daß ein Sequel bei einem solchen Ergebnis vorprogrammiert ist, ist ein ungeschriebenes Gesetz in Hollywood, auch wenn Craven stets betonte, daß er die Reihe von vornherein als Trilogie geplant hätte. Nun also, 11 Jahre nach „Scream 3“, kehren wir mit den Protagonisten und Überlebenden der ersten Trilogie zurück nach Woodsboro, den Ort der mörderischen Ergeignisse des Originalfilms. „SCREAM 4“ feierte seinen deutschen Kinostart am 5. Mai 2011. Werfen wir gemeinsam einen Blick zurück und gleichzeitig nach vorn.
Was machte „Scream“ so besonders und so nachhaltig bedeutsam für die Weiterentwicklung des Horrorfilms im Allgemeinen? Das Teenie-Slasher-Genre, das in den 70ern vor allem durch John Carpenters „Halloween – Die Nacht des Grauens“ und Sean S. Cunninghams „Freitag, der 13.“ so populär wurde, bewegte sich immer in einem festen Rahmen, aus dem niemals ausgebrochen wurde. Keine eigene Fortsetzung und keiner der unzähligen Epigonen aus Amerika und Europa wagte sich, die in erster Linie durch die eben genannten Horrorfilmreihen vorgegebenen Slasher-Spielregeln zu mißachten und aus diesem selbstauferlegten Gefängnis auszubrechen. Diese Genre-Regeln werden in der „Scream“-Trilogie stets durch den Charakter Randy (Jamie Kennedy) zitiert und erklärt: Sage niemals „Ich komme gleich wieder“, denn du kommst nicht wieder! Habe keinen Sex und laß erst recht die Finger von den Drogen. Und ganz nebenbei: barbusige Lichtgestalten segnen grundsätzlich das Zeitliche – egal ob mit oder ohne Sexszene. An sich also alles für einen guten Zweck, um die Jugend vor diesem ganzen bösen Zeug und all dem Schweinkram zu schützen, also warum etwas verändern, wenn man sich doch quasi für das Gute einsetzt? ;-) Die Filme wurden immer vorhersehbarer, da nahezu jeder Slasherfilm nach dem gleichen Grundmuster gestrickt war und all diese eben aufgezählten Zutaten ordnungsgemäß berücksichtigte.
„Scream“ drehte den Spieß um und scherte sich einen Dreck um diese „Zwänge“, hebelte die Regeln völlig aus und machte sein eigenes, erfrischendes Ding – mit Erfolg! Hinzu kamen die zahlreichen Querverweise und Hommagen an das Horrorgenre. Da gab es zum Beispiel den Hausmeister in „Scream 1“, der vom „A Nightmare on Elm Street“-Regisseur Wes Craven persönlich dargestellt wurde, passenderweise Fred hieß und das originale Freddy Krueger- Kostüm aus „Nightmare – Mörderische Träume“ trug. Der Ringelpulli tauchte ein weiteres Mal im Kleiderschrank von Sidney am Anfang von „Scream 2“ auf. Einige Kameraeinstellungen erinnern ganz eindeutig an „Halloween“, ein Film, der Autor Kevin Williamson maßgeblich beeinddruckt und zugleich beeinflußt hat. So verwundert die gelungene Szene, in der Randy alleine betrunken auf der Couch sitzt und „Halloween“ auf Video anschaut, nicht im Geringsten. Er spricht mit Jamie Lee Curtis im Film und warnt sie, sich doch umzudrehen, da der Killer hinter ihr stehe. Im gleichen Moment steht der tatsächliche Killer im Ghostface-Kostüm hinter Randy und holt zum tödlichen Schlag aus. Der eingesetzte originale Carpenter-Score aus „Halloween“ in dieser Szene verstärkt die Wirkung dieser Szene entsprechend.
Auch die Cameo-Auftritte waren für Filmfans ein echter Genuß. So wurden Erinnerungen an vergangene Glanztage wieder wach und man fühlte sich als Fan von den Machern und Darstellern der „Scream“-Trilogie irgendwie verstanden und gleichzeitig mit ihnen verbunden. Da waren im ersten Teil Linda Blair (Regan aus „Der Exorzist“) als Reporterin und Joseph Whipp (der in „Nightmare on Elm Street“ den Sgt. Parker an der Seite von Nancys Vater Donald Thompson spielte) als Sheriff zu sehen. Weiterhin spielen „Bishop“ Lance Henriksen genauso wie Independent-Ikone Roger Corman im dritten Teil mit, während Drehbuchautor Kevin Williamson der Interviewpartner von Cotton Weary in „Scream 2“ ist. Wer ganz genau hinschaut, der kann sogar Matthew Lillard in Teil 2 in blauem Hemd als Gast auf einer Party erkennen, obwohl sein Charakter als einer der Killer im ersten Teil das Zeitliche gesegnet hatte. Und die Genrelegende Wes Craven ließ es sich nicht nehmen, in allen drei Filmen zumindest kurz durch´s Bild zu hüpfen (in Teil 1 als Hausmeister, in Teil 2 als Arzt und in Teil 3 als Tourist im Filmstudio). Über das Comeback und das großartige Schauspiel Drew Barrymores im Intro von Teil 1 ganz zu schweigen. Lustig auch die Entscheidung, Tori Spelling im zweiten Teil in „Stab“ auftauchen zu lassen, nachdem im ersten Teil noch über sie gelästert wurde. Die Liste der damaligen Jungschauspieler, die heute längst gern gesehene Gäste in Hollywood sind, ist lang: Jerry O´Connell, Sarah Michelle Gellar, Jada Pinkett Smith, Heather Graham oder „Grindhouse“-Girl Rose McGowan, alle diese damaligen Talente sind heute gestandene Hollywoodstars.
Bereits im Jahr 2008 verkündete Craven, daß er an einem vierten Teil seiner erfolgreichen Horrorserie arbeiten würde. Für die Verzögerung des Drehstarts war vor allem das Casting verantwortlich. Während David Arquette (Dewey Riley) und Courteney Cox Arquette (Gail Weathers), die sich während der Dreharbeiten zum ersten Teil ineinander verliebten und 1999 schließlich heirateten, zögerte die wichtigste Darstellerin mit ihrer Zusage. Neve Campbell alias Sidney Prescott wollte zunächst keinen vierten Teil machen, unterschrieb aber letzten Endes im Jahr 2009 doch den Vertrag, sodaß die Produktion endlich Fahrt aufnehmen konnte, denn ohne Campbells Hauptcharakter wäre ein neuer „Scream“ kaum vorstellbar gewesen. Auch Heather Graham, die schon in Teil 2 die Casey Baker (Drew Barrymores Charakter in den ersten Minuten aus „Scream 1“) im Film-im-Film „Stab“ mimte, ist in Teil 4 ebenfalls erneut in den „Stab“-Sequenzen kurz zu sehen.
Kommen wir nun also nach dieser kleinen Rückschau zur Geschichte von „Scream 4“. Sidney Prescott hat es Gale Weathers gleichgetan und ist unter die Schriftsteller gegangen. Sie kehrt für eine Lesereise ihres Buches „Aus der Dunkelheit“, das sich mit ihren Erlebnissen in Woodsboro und damit mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, zurück in ihre Heimatstadt. Dieser Besuch findet ausgerechnet am 15. Jahrestag der Woodsboro-Morde statt und in der ganzen Stadt hängen Ghostface-Kostüme an Bäumen und Laternen, um dem Halloween-artigen Fest die nötige Stimmung zu verleihen. Sidney hält sich bei ihrer Tante Kate und ihrer Cousine Jill auf, als plötzlich eine weitere Mordserie ihren Lauf nimmt und sich ein neuer Killer via Handy bei Sidney zu Wort meldet. Die Mordtaten erinnern dabei sehr stark denen aus „Scream 1“ – haben wir es hierbei etwa mit einem Nachahmungstäter zu tun? Dewey Riley, der mittlerweile zum Sheriff aufgestiegen ist, ermittelt erneut gegen den furchteinflößenden Unbekannten im schwarzen Umhang. Dabei lehnt er strikt die Mithilfe von Ehefrau Gale ab, woraufhin diese einen anderen Weg sucht, in die Ermittlungen mit einsteigen zu können und wendet sich an die beiden Filmnerds und Schüler Robbie und Charlie, die mit ihrem ausgeprägten Horrorfilmwissen die nächsten Schritte des Killers meinen, vorausahnen zu können. Selbst vor dem alljährlichen „Stab“-Filmmarathon (die Film-im-Film-Serie, die auf den „wahren Ereignissen“ aus dem Leben Sidney Prescotts die Geschichte aus „Scream“ nacherzählt und es immerhin schon auf stolze sieben Teile brachte) macht der Killer nicht halt. Die von Gale in der Location positionierten Überwachungskameras findet Ghostface und schaltet diese nacheinander ab, um ungestört seiner Lieblingsbeschäftigung nachkommen zu können. Gale stellt sich dem Killer, die Sache spitzt sich zu und auch Sidney muß eine weitere erschütternde Überraschung am eigenen Leib miterleben….
Mehr soll zur Grundgeschichte gar nicht verraten werden, um euch die Spannung und das Ratespiel nicht zu vermiesen. „Scream 4“ beginnt mit einem echten Brüller: wir sehen zwei Mädels, die sich „Stab 6“ anschauen. Plötzlich killt die eine ihre Freundin, während die Kamera zurückfährt und zwei weitere Mädels zeigt, die das eben Geschilderte auf ihrem Fernseher anschauen und darüber ablästern, wie vorhersehbar und langweilg die „Stab“-Filme doch geworden sind. Und zack, stirbt auch hier eine der Damen und der Titel springt in „Stab 7“ um, den die „richtigen“ Charaktere aus „Scream 4“ wiederum anschauen, wohingegen wir ihnen dabei zuschauen, wie sie nacheinander über den Jordan gehen. Mit den Szenen aus „Stab 6“ haben wir es also quasi mit einem Film-im-Film-im-Film zu tun. :winner: Tolle Idee, zumal sich „Scream 4“ generell mit dem Thema Sequels, Reboots und Remakes beschäftigt und damit auf die aktuelle Situation in Hollywood hinweist, das kaum mehr mit neuen Filmstoffen aufwartet, sondern von Fortsetzungen und Neuverfilmungen nur so strotzt. Dabei ist auch das derzeit so beliebte Torture Porn Genre und deren populärster Vertreter „Saw“, dessen Reihe einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde als erfolgreichste Horrorfilmserie aller Zeiten erreichen konnte, in dem Film Thema. „Scream“ war quasi eine Art Vorläufer von „Saw“, denn so erfolgreich der Folterhorror in der Neuzeit ist, so erfolgreich war die Schlitzer-Trilogie in den Spätneunzigern.
Auch ansonsten gibt sich der vierte Teil äußerst modern: hat sich die Filmreihe schon immer mit Telekommunikation befaßt, so gesellen sich in „Scream 4“ neben dem I-Phone das Web 2.0, Twitter und natürlich das Social Network Facebook hinzu. Diese Massenmedien werden hier als selbstverständlich angesehen, jeder Schüler textet nach Herzenslust im Unterricht oder informiert sich mit seinem „Spielzeug“ über das aktuelle Tagesgeschehen, was nicht einmal dem Lehrer mehr sonderlich bitter aufstößt. Ein leichtes Spiel für den Killer im Geisterkostüm, in Kontakt mit seinen zukünftigen Opfern treten zu können. Natürlich kommt auch der Humor im vierten „Scream“-Film nicht zu kurz. Es gibt wieder interessante Filmfragen zum Mitraten und den einen oder anderen Hinweis auf das selbst erschaffene Universum für Kenner der Serie. Und die Anspielung auf die Beziehung zwischen Dewey und Riley im wirklichen Leben, insbesondere die Mimik von Courteney Cox in der Szene, ist zum Schießen, wenn man die privaten Hintergründe der Schauspieler kennt. Auch eine Form der Metaebene, wie sie schon zu Beginn mit den verschiedenen „Stab“-Filmen zelebriert wird, nur eben einige Ebenen höher angesiedelt.
Natürlich erfindet auch „Scream 4“ das Rad nicht neu, aber durch den Abstand einer ganzen Dekade blickt der Film auf die Hypes der letzten 10 Jahre zurück und fasst das Genre sozusagen in den Dialogen zusammen, indem er neben dem Torture Porn Genre auch auf die Japan-Grusel- und Zombiefilmwelle eingeht, was einen enormen Unterhaltungswert mit sich bringt, wenn man diese Zeit aktiv miterlebt hat. Obwohl sich Teil 4 wie gesagt sehr modern gibt, macht er einen Fehler nicht: er verwendet keine Wackelkamera! Ein ganz entscheidender Pluspunkt, denn so können wir den Taten des sich per se hektisch bewegenden Killer problemlos folgen. Der Härtefaktor geht dabei durchaus in Ordnung. In Deutschland wie schon bei „Scream 3“ von der FSK mit einer Freigabe ab 16 Jahren bewertet, gibt es dennoch den einen oder anderen Kehlenschnitt, aufgehängte Tote oder aufgeschlitzte Bäuche zu sehen. Will heißen: der Härtegrad von „Scream 4“ geht durchaus in Ordnung und ist so, wie er sein muß: nicht zu brutal, aber auch nicht so glattgebügelt wie im dritten Film. Den passenden Score dazu liefert erneut unüberhörbar Marco Beltrami, der teilweise auch die Melodie aus dem ersten Teil verwendet: „Trouble in Woodsboro/Sidney´s Lament“, wie der Titel auf dem „Scream 1“-Soundtrack heißt. Also auch akustisch hat der vierte Teil einen hohen Wiedererkennungswert.
Was ist anders? „Scream“ hatte damals die Slasherfilm-Regeln auf den Kopf gestellt! Wenn die Musik anstieg und eine Tür geöffnet wurde, mußte sich dahinter nicht zwangsweise ein geistesgestörter Killer befinden. Für nicht jeden, der im Film Sex gehabt hatte, bedeutete dies den unweigerlichen Tod. Ansonsten hätte Sidney, die ihre Unschuld in Teil 1 durch Billy verloren hatte, wohl kaum überlebt. Schlimmer noch: es gab in allen drei Filmen nicht einen blanken Busen zu sehen – für einen Teenie-Slasher ein absolutes No-Go! „Scream“ drehte die Klischees und die bereits oben genannten Regeln bewußt um und überraschte damit das Publikum, die mit völlig anderen Aktionen bzw. Reaktionen gerechnet haben. Da dieser Clou hervorragend funktionierte, wurde dies auch in den Fortsetzungen so angewandt. Heutzutage jedoch würde dieses Umkehren alter Prinzipen niemanden mehr überraschen, da Wes Cravens Filmreihe auf Dauer gesehen ihre eigenen Klischees aufgebaut hat. „Das Unerwartete ist das neue Klischee – und Jungfrauen können auch sterben“, so heißt es im vierten Teil. Um nicht in seine eigene Falle zu tappen, versucht „Scream4“ also mit seinen eigenen zu brechen, sodaß der Zuschauer nun nicht mehr sicher sein kann, ob die Sache nun so oder so ausgeht.
Zurück zum Thema Neuverfilmung: „Scream 4“ erlaubt es sich, die Geschehnisse aus Teil 1 als Haupthandlungsstrang in die Geschichte mit einzubauen, sodaß es quasi als notwendig und eben nicht als plump bzw. einfallslos erscheint, daß der Killer die Geschehnisse aus „Scream 1“ kopiert – ein genialer Einfall! Damit ist Teil 4 Reboot, Remake und Sequel zugleich und bietet darüber hinaus noch die vielfachen Film-im-Film-Metaebenen – welcher Film kann all das schon von sich behaupten? Ob Kevin Williamson für diesen Kniff hauptverantwortlich zeichnete, ist uns leider nicht ganz klar, denn der hatte sich mit Miramax-Boss Bob Weinstein während der Produktionsphase verkracht und schließlich seinen Hut genommen, woraufhin erneut Ehren Kruger (Drehbuchautor von „Scream 3“) den Job übernahm. Wie auch immer, die Story ist spannend erzählt, das Spiel mit den Genre-Klischees und der eigenen Trilogie-Vergangenheit, dem eigenen Filmuniversum und den daraus resultierenden eigenen Regeln funktioniert und kommt einem Geniestreich gleich. Und weil der Film genau darauf ausgelegt ist, verzeiht man ihm gerne die bewusst eingesetzten Wiederholungen und Selbstkopien.
Das mag für den vierten Teil in Ordnung sein, aber wenn daraus wirklich eine weitere Trilogie werden sollte, müssen sich die Herrschaften für die Teile 5 und 6 mächtig ins Zeug legen, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Denn zwei weitere Filme soll es durchaus geben, so jedenfalls hat sich Wes Craven öffentlich geäußert. Im Falle eines kommerziellen Erfolges sollte dem ohnehin nichts im Wege stehen. Da sind sie eben wieder… die Regeln (Hollywoods!). Dem entgegen steht ein One-Liner von Sidney, der es in sich hat: „Leg dich nicht mit dem Original an!“ gibt sie dem Nachahmungstäter zu verstehen und bezieht diese Aussage natürlich auf sich selbst. Daß dieser Satz natürlich auch als Statement der nicht enden wollenden Remake-Welle sowie als eine Kritik an der amerikanischen Filmindustrie zu verstehen ist, macht diese Szene so wunderbar realistisch und witzig zugleich, spielt doch „Scream 4“ inhaltlich genau mit diesem Thema. Da war es wieder, das Augenzwinkern im eigenen Universum. Und damit schließt sich der Kreis.
„Scream 4“ ist unterm Strich deutlich unterhaltsamer gestrickt als der dritte Teil, hat allerdings zwischendurch trotzdem ebenfalls einige Längen zu verzeichnen. Diese macht er aber durch den kontinuierlichen Spannungsbau, der in einem furiosen Finale endet, wett. Damit steht der vierte Film ungefähr auf einer Stufe mit dem zweiten Teil der Filmserie. Craven versteht es erneut, durch das Hinabblicken „von oben“ auf das Genre einen unterhaltsamen, zum Teil sehr lustigen und gleichzeitig spannenden modernen Horrorfilm zu inszenieren, der Appetit auf eine weitere Trilogie macht. „Scream 4“ kann ich bedenkenlos weiterempfehlen.
Wertung
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Trailer









