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Eisbrecher, Im Blickpunkt, Konzertberichte, Meier Music Hall (Braunschweig) — Veröffentlicht am 29. Juni 2011 um 15:18

EISBRECHER – Live in der Meier Music Hall in Braunschweig, 17.06.2011

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Solch eine lange Schlange hat man in der Meier Music Hall wohl schon länger nicht gesehen. Bereits um 18:30 Uhr standen am Freitag, den 17. Juni die Leute bis fast zur Strasse und warteten darauf, daß die Tore sich endlich öffnen würden. Der Grund dafür war der Besuch der Münchener Formation EISBRECHER um Ex-DMAX-Checker und heutigen Fort Boyard-Moderator Alexx Wesselsky und Kollege Noel Pix, die für ihre energiegeladenen Live-Shows auch über Szenegrenzen hinaus bekannt sind. Die gut 50 Restkarten waren dementsprechend schnell an der Abendkasse vergriffen, sodaß sich einige Zuschauer enttäuscht vorzeitig auf den Heimweg machen mußten. Der große Andrang mochte auch damit zusammenhängen, daß Eisbrecher noch vor kurzem zusammen mit Tarja Turunen im Vorprogramm von Schock-Rock-Legende Alice Cooper auf Tour waren und auf ihrer gemeinsamen Tour ebenfalls in Braunschweig (VW Halle) Halt gemacht haben. Wir waren natürlich mit an Bord der MS Eisbrecher und werden euch nun von dem Erlebten ausführlich Bericht erstatten.

Als Vorgruppe holten sich Eisbrecher die Schweizer Formation METALLSPÜRHUNDE mit ins Boot. Sänger Michel Frasse und Keyboarderin Marion Altwegg präsentierten vor allem Material aus ihrem aktuell noch sehr frischen und gelungenen vierten Studioalbum „Moloch“. So eröffneten sie ihre Show mit dem Album-Opener „Alarm“, mit dem die Metallspürhunde sofort Stimmung in Bude brachten. Marion bediente dabei das sogenannte Theremin, auch Ätherwellengeige genannt. Dabei erzeugte sie elektronische Klänge, indem sie beide Hände in der Luft bewegte und das Gerät bzw. deren Antennen nicht berührte. Mit einer Hand steuerte sie dabei die Lautstärke, mit der anderen die Tonlage. Daß Frau Altwegg dabei über ein ruhiges Händchen verfügen sollte, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen. Sie wirkte dabei entsprechend äußerst konzentriert, sehr selbstsicher und beherrschte dieses extravagante Instrument, das bereits 1919 von einem russischen Physikprofessor erfunden wurde.


Die drei Musiker heizten dem Publikum, das sich schon jetzt in Scharen vor die Bühne drängte, schon zu Konzertbeginn an so richtig ein. An und für sich ist das eine gute Sache, allerdings war es schon vor Anpfiff so unglaublich bullenheiß an diesem Abend im Meier, daß der Schweiß schon nach kurzer Zeit von der Decke tropfte. Michel sorgte mit seinem Grimassenspiel für ein hohes Maß an Aufsehen und Unterhaltung. Lichtgestalt Marion hingegen machte ordentlich Alarm hinter ihrem Keyboard, indem sie zu Songs wie „Kein Herz“ in ihrem schicken Tütü im Takt auf und ab sprang. Das gefiel offensichtlich auch Michel, der es sich nicht nehmen ließ, während „Moloch“ ihr das Dekolleté abzulecken. Eines wurde sehr schnell deutlich: die Schweizer sind hervorragende Entertainer und hatten die Sache sehr schnell im Griff und die Zuschauer in der Hand. Bei der Textzeile „Applaus, Applaus“ aus „Herzlichen Dank“ vom Album „Böse Wetter“ brauchte Braunschweig nicht lange gebeten werden, die Hände in die Höhe zum Klatschen zu schmeißen. Als Dank gab es bei einer weiteren Zeile („Küß die Hand“) einen Handkuß für eine Dame in der ersten Reihe.

Marion durfte dann auch nochmal die Frontsau spielen und tauschte mit Michel beim fünften Song („Synästhetische Magie“) den Platz, der sich für kurze Zeit hinter das Keyboard stellte. Mitreißende und spannende Titel wie „Gespenster“ oder „Obszöne neue Welt“ kamen auch bei Neuinteressierten sehr gut an und hinterließen nachhaltigen Eindruck, sodaß im Anschluß die eine oder andere CD am Merch-Stand über den Tresen ging. Die Schweizer Metallspürhunde waren dank sattem Live-Sound und dem Einsatz der sympathischen Musiker ein würdiger Support Act und sorgten für die optimale Einstimmung auf die Hauptband an diesem Freitagabend. Sänger Michel war am Ende des Abends sogar noch am Merchandise-Stand anzutreffen, schrieb bereitwillig Autogramme, stand für Fotos bereit und beantwortete gerne die eine oder andere Frage.


Nach recht langer Umbaupause war es um 21:20 Uhr endlich soweit und Eisbrecher betraten die Bühne, die Musiker um Noel Pix und Project Pitchfork-Live-Drummer Achim Färber stilecht mit Pelzmütze, Checker Alexx trug natürlich die Kapitänsmütze. Eine weibliche Groupie-Gruppe in unserer unmittelbaren Nähe machten von der ersten Minute an klar, worauf sie am meisten scharf waren an diesem Abend: Auf den sportlich behaarten Körper von Herrn Wesselsky. Ihre „Ausziehen! Ausziehen!“-Rufe nervten zwar bei der gefühlten 20. Wiederholung, aber Alexx reagierte während des Konzertes stets recht charmant darauf, sodaß sich letzten Endes doch alle freuten. Guybrush ließ es sich dabei nicht nehmen und interpretierte die Apelle auf seine eigene Art, indem er sich prompt seiner Oberbekleidung entledigte, was angesichts der Temperaturen absolut nachvollziehbar war. Leider tat es ihm keine der anwesenden Damen gleich, was wir an dieser Stelle sehr bedauern müssen.


Eisbrechers Reise zur „Eiszeit“-Tour begann dann auch entsprechend mit dem Titelsong des aktuellen Albums, bei der über eine Kanone kleine Papierschnippsel in den Saal geschossen wurden. Ein kleiner, aber feiner Show-Effekt also direkt zu Konzertbeginn, der für Furore und gude Laune sorgte. Es folgten mit „Angst“ und „Willkommen im Nichts“ zwei Songs vom Debüt-Album. Alexx war an diesem Tag besonders gutmütig zu seinem Publikum. Den erneuten „Ausziehen“-Rufen begegnete er mit einem Lächeln und dem Öffnen seiner Jacke mit den Worten „Von wegen Eiszeit… Wo denn?!“. Den unter der Jacke versteckten Teddybären schmiß er ins Publikum – ein tolles Andenken, leider nicht für unsere Groupies, die auf der falschen Seite standen :(
Der nächste Song-Block ist dem Hit-Album „Antikörper“ entnommen. Die ausverkaufte Meier Music Hall klatschte bis hin zum Bistro (!) im Takt zu „Leider“ und „Phosphor“. Anschließend bewies der Ex-Checker einmal mehr sein Talent für Ironie, indem er zunächst völlig grundlos auf den Eurovisions-Grand Prix zu sprechen kam und daß er sich doch so sicher gewesen war, daß Deutschland gewinnen würde. Mit dem Hinweis, daß Lena Meyer-Landrut doch so sexy gucken würde, leitete er dabei die ersten Töne zum Titel „Antikörper“ ein… LOL


Das Set bestand aus absoluten Hit-Granaten, bei denen nahezu jedes Lied zum Mitgrölen und -klatschen einlud. Kuschelig wurde es bei der emotionalen Nummer „Herzdieb“, bei dem die Pärchen sich knutschend in den Armen lagen, abgerockt wurde bei „Heilig“ und auf der Stelle getanzt (aufgrund des geringen Platzes in dem Hexenkessel) wurde beim Überhit „Vergissmeinnicht“. Vor „Schwarze Witwe“ gab es noch einen weiteren kleinen Stachel, diesmal in Richtung Unheilig, was ja derzeit sehr in der Mode ist, jüngst konnte sich Mozart von Umbra et Imago beim WGT ebenfalls einen abfälligen Kommentar über Nicht-Bernd Graf nicht verkneifen. Während dieses Evergreens trat Alexx in neuem Outfit auf und brachte eine Reitgerte mit auf die Bühne, sehr zur Freude der Mitmusiker, die ihm nacheinander mal so richtig schön den Popo versohlten. Selbst aus dem Publikum durfte mal jemand Alexx für seine bösen Sprüche bestrafen. Mal eine ganz andere Art von Straftanz im Meier quasi.

Ob man diese Disserei nun gut oder schlecht finden mag, sei dahingestellt, aber dem Braunschweiger Publikum gegenüber verhielt sich Herr Wesselsky äußerst zuvorkommend. Als er registrierte wie die Meier-Security mit Taschenlampen ins Publikum leuchtete, um böse Fotographen ausfindig zu machen, reagierte Alexx sofort darauf und erlaubte quasi offiziell das Fotographieren, schließlich handle es sich hierbei doch um ein Rockkonzert. Wow! Hut ab, so etwas sieht man selten. Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, daß das Treiben auf der Bühne ein anderes Erlebnis sei, wenn man es nicht die ganze Zeit nur durch den Sucher aus verfolge. Dem können wir uns nur anschließen, aber für die Fans war es natürlich toll, eigene Erinnerungsfotos von diesem tollen Konzertabend in Braunschweig schießen und mit nach Hause nehmen zu dürfen.

Wesselskys nächste Ansprache drehte sich darum, daß zu einer richtigen Rockband auch ein Akustikset gehöre. Und so wechselten die Musiker die Klampfen und nahmen ihre Akustik-Gitarren zur Hand. Alexx setzte sich auf einen Stuhl und spielte… ja, tatsächlich „Tränen lügen nicht“. Warum? Das weiß man nicht, aber ihm war offensichtlich danach. Die irritierten Braunschweiger Gesichter nahmen es jedenfalls nach der ersten Verunsicherung mit Humor und schunkelten munter mit. „Eisbrecher“ folgte noch hinterher, bis es mit dem richtigen Rockset und dem mächtigen „Die Engel“ in normalem Tempo weiterging. Zu „Kinder der Nacht“ animierte Alexx die Zuschauer zum Mitsingen bzw. alleine singen, was zunächst sehr zaghaft funktionierte (wir kennen ja das „euphorische“ Publikum in Braunschweig – fragt mal bei Louis Manke von Staubkind nach :p ), im Laufe des Songs jedoch immer mehr an Fahrt aufnahm. Die Band nahm ihr Publikum in diesem Moment sozusagen mit an Bord.

Nach einer kurzen Pause kehrten Eisbrecher für eine aus vier Songs bestehenden Zugabe zurück auf die Bühne. Doch zuvor wurden dort noch einige Tonnen positioniert, auf die die Musiker im Takt eindroschen. Das Ganze sah so ein bißchen aus wie eine Mischung aus Stomp, Feindflug und Welle: Erdballs „Arbeit adelt!“. Getrommelt wurde zum straighten Bastard „Amok“, der Einsatz der Musiker paßte, die Stimmung war nun extrem ausgelassen und überall konnte man die Pommesgabeln im Publikum vernehmen. Daß solch eine schweißtreibende Angelegenheit durstig macht, versteht sich von selbst. Und was paßt besser zu einem Rock´n´Roller, der was auf sich hält, als eine Flasche Jack Daniel´s? Der barmherzige und an diesem Abend so unwahrscheinlich großzügige Alexx ließ sogar mehrere Flaschen davon dann im Publikum rumgehen, die im Nu alle waren. Guybrush prangerte an, daß er nichts mehr von dem edlen Tropfen erhaschen konnte – Ash hingegen hatte mehr Glück. :-)

Während dieser gemeinsamen Trinkpause („Laßt die Flasche wandern, dann kommt ein Suffkopp zum ander´n“) zog sich Alexx ein weiteres Mal um präsentierte sich dem Publikum in seiner Alpenkluft. Die nachfolgende Jodeleinlage ist sicherlich noch etwas ausbaufähig, war jedoch ebenfalls ein kongenialer Einfall für den selbstironischen Clubhit „This is Deutsch“, der damit eingeleitet worden ist. Als zweite Zugabe gab es „Ohne Dich“ vom „Antikörper“-Album bevor Alexx mit einer Bayern-Fahne um den Körper sich zurück vors Mikrophon stellte. Einigen wenigen Buh!-Rufen begegnete er, indem er die Flagge umdrehte und plötzlich die Niedersachsen-Fahne präsentierte. Ein Schelm, dieser Alexx und immer für eine kleine Provokation gut. Das Finale bildete das Megaherz-Cover „Miststück“, das wie so oft durch eine kurze Rap-Einlage unterbrochen wurde. Zu diesem bekannten Stück half das Publikum erneut kräftig mit, sowohl einzelnd, indem Alexx nach unten kam und vereinzelten Zuschauern das Mikro vor die Nase hielt, als auch im Chor. Zum Abschluß gab es erneut eine Zündung aus der Papierschnippselkanone.

Danach war Schluß mit lustig und die Band kam nicht mehr zurück. Einige Gäste munkelten, daß die „Zugabe“-Rufe nicht so intensiv gewesen waren wie die „Ausziehen“-Rufe der Groupies. Aber das ist nur eine Vermutung von einzelnen Personen und kann natürlich von unserer Seite aus nicht bestätigt werden. Tja und was ist nun mit den Mädels? Haben sie bekommen, wonach sie verlangt haben? Bis jetzt war der Alexx ja schließlich ein sehr gütiger Gastgeber gewesen. Natürlich ließ er dem Willen der Damen Folge leisten und zog gegen Ende obenherum blank. Naja, wer´s braucht…


Insgesamt gesehen war es also mal wieder ein absolut gelungener Konzertabend in Braunschweig gewesen mit lediglich zwei Punkten, die nicht so schön waren. Zum einen war es bereits vor Spielbeginn der Vorband viel zu heiß in unserem Wohnzimmer. Zum anderen erlebt man es als regelmäßiger Konzertbesucher höchst selten, daß der Sound beim Gesang – sprich Mikrophon – beim Support Acts besser eingestellt ist als bei der Hauptband. Daß dies ausgerechnet bei Eisbrecher der Fall sein würde, bei denen der Sound bei Festivalauftritten durch die Bank weg fett rüberkommt, konnte so nicht erwartet werden und war sehr schade, da Alexx´ Stimme oftmals viel zu leise rüberkam, was sich vor allem bei ruhigen Stücken bemerkbar machte (siehe „Herzdieb“ oder dem Akustik-Set). Diese beiden Punkte haben zu einem perfekten Abend leider gefehlt, alles andere war wieder einmal durch die Bank weg als gelungen zu bezeichnen. Angefangen von der Spiellaune der Metallspürhunde über die gute Stimmung, die Alexx und seine Band Eisbrecher versprühten bis hin zu seinem Einschreiten zum Thema Konzertphotographie und die Art, wie die verdutzten Securities damit umgingen, die Ansage respektierten und fortan einen ruhigen Abend verbringen durften. So wollen wir das sehen – Alexx und Noel: Bitte nehmt uns bald wieder mit auf große Fahrt, es hat Spaß gemacht mit euch!

Setlist

  1. Eiszeit
  2. Angst
  3. Willkommen im Nichts
  4. Leider
  5. Phosphor
  6. Antikörper
  7. Herzdieb
  8. Vergissmeinnicht
  9. Heilig
  10. Schwarze Witwe
  11. Tränen lügen nicht [Acoustic]
  12. Eisbrecher [Acoustic]
  13. Die Engel
  14. Kinder der Nacht
  15. Zugabe:

  16. Amok
  17. This is Deutsch
  18. Ohne Dich
  19. Miststück

Bericht: Ash
Fotos: Volker Linnemann


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