David Yates ist neben Chris Columbus (Teil 1 und 2) der zweite Regisseur, der bereits zwei Mal auf dem Regiestuhl bei einer Potter-Verfilmung Platz nehmen durfte. Dies bietet sicherlich Anlaß zur Skepsis auf „Harry Potter und der Halbblutprinz“, denn Teil 5 („..und der Orden des Phoenix“) hatte Herr Yates ganz schön in den Sand gesetzt, handelte es sich doch bis zu dem Zeitpunkt um das längste Buch, aber die kürzeste Verfilmung. Daher blieb von der ohnehin schon im Buch wenig vorkommenden Fantasy kaum mehr etwas übrig. Die dort wichtigen Zentauren spielen im Film eine völlig untergeordnete Rolle. Hat Herr Yates also aus seinen Fehlern beim jüngsten Sequel gelernt und es besser gemacht? Die Antwort lautet: Ja.
Stolze 153 Minuten lang ist der sechste Potter-Film und dennoch kann auch in dieser Laufzeit natürlich nicht alles aus dem Buch in die Verfilmung übernommen werden. Die Story, die sich im Wesentlichen um die Entwicklung Tom Riddles zu Lord Voldemort handelt und im Buch aus etlichen Flashbacks (via Eintauchen in Dumbledores Denkarium) besteht, wurde trotz der langen Laufzeit drastisch gekürzt. Das ist einerseits gut für diejenigen, die im Vorfeld vermuteten, der Film würde nur aus Rückblenden bestehen. Denen kann also getrost gesagt sein: keine Bange, dem ist nicht so! Andererseits muß der Zuschauer und Kenner der Bücher allerdings auch auf elementare Szenen aus der Vergangenheit Riddles verzichten, wie z.B. das Verhältnis/Schicksal seiner Eltern. Wenn man bedenkt wie wichtig die Eltern für die Entwicklung eines jeden Kindes sind, dann scheint diese Entscheidung eigentlich unverzeihlich zu sein. Dies sei nur als ein Beispiel genannt – wer das Buch gelesen hat wird merken, was an Flashbacks sonst noch gestrichen worden ist.
Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Romanze der Protagonisten. Klingt erstmal erschreckend kitschig, ist es aber nicht! Im Gegenteil: v.a. die Szenen, in denen Hermine innerlich kocht vor Eifersucht, gehören zu den besten des Films. Gerade diese Gefühlsduseleien, die Anspielungen auf die Pubertät (im Quidditch mal genau auf den Torhüter achten!) und die Dialoge zwischen Harry, Ron, Hermine und Ginny sind dermaßen charmant, dass sie das Weglassen o.g. Szenen fast vergessen machen. Böse Zungen werden sicherlich behaupten, dass Yates der Liebesgeschichte zu viel, und der Essenz Voldemorts zu wenig Spielraum verlieh. Wenn die Art und Weise aber so liebevoll umgesetzt wird wie in diesem mit Abstand witzigsten Potter-Film, dann ist das nur halb so wild! Und den Zuschauern, die die Bücher nicht kennen, wird das ohnehin nicht auffallen, da ansonsten alles Wesentliche erzählt wird, was für den Ausgang der Geschichte mit dem Tod eines von Anfang an wichtigen Charakters relevant ist.
OK, man hätte am Ende noch etwas mehr Action zeigen können, denn im Buch passiert in Hogwarts weitaus mehr, als im Film gezeigt wird. Demnach sind auch viel mehr Figuren daran beteiligt, u.a. Hagrid, dem erschreckend wenig Spielzeit gewidmet wird.
Schauspielerisch kann man hier nur den Hut ziehen! Von allen Schüler-Charakteren wird hier mit Abstand die beste Leistung bis jetzt gezeigt. Das kann man am deutlichsten bei Emma Watson (Hermine) und Daniel Radcliffe (Harry) beobachten, doch auch Rupert Grint (Ron) hat dieses Mal mehr als nur einen Gesichtsausdruck drauf. Auch Bonnie Wright als Ginny ist nun alt genug, um zu zeigen, dass sie eine Jungschauspielerin mit Zukunftsperspektive ist. Gleiches gilt in doppeltem Maße für Kollegin Evanna Lynch, die die beliebte Querdenkerin Luna Lovegood spielt und diese Rolle einmal mehr perfekt verkörpert. Wenn Luna im Film auftaucht, gibt es nahezu immer etwas zu lachen – versprochen!
Die beste schauspielerische Leistung jedoch zeigt Burton-Muse Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange! Also was die Frau da wieder abliefert, ist so genial, dass niemand auf die Idee kommen würde, ihr die Rolle nicht abzunehmen. Die geborene Hexe… wundervoll und wenn´s nach mir ginge einen Oscar als beste Nebendarstellerin wert
Sieht man also über einige kleinere und mittelschwere Kritikpunkte hinweg, bleibt ein für die ganze Familie unterhaltsamer und lustiger Phantastischer Film, der die Qualitätskurve nach Teil 5 deutlich nach oben schraubt und Appetit auf das Finale macht.
Dafür wird es nun allerdings auch langsam Zeit, denn den Jung-Darstellern merkt man ihr fortgeschrittenes Alter z.T. sehr deutlich an. Das ist beispielsweise sehr stark bei Tom Felton zu bemerken, der erneut das Arschloch vom Dienst alias Draco Malfoy spielt. Und wenn sich Harry Potter schon nackt für ein Magazin entblättert und Hermine für Lagerfeld modelt… tja, dann wird es wirklich langsam allerhöchste Eisenbahn, die Potter-Saga abzuschließen.
Freuen wir uns nach diesem tollen Film also auf den Zweiteiler „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“.


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